Weltmeisterschaft wirkt nachhaltig

An diesem Wochenende werden auf dem Reithof Neckertal in Brunnadern die Schweizer Meistertitel der Islandpferde in verschiedenen Prüfungen vergeben. Der Anlass ist zwar nicht so gross wie die Weltmeisterschaft von 2009, das Interesse an der Sportart hat aber zugenommen.

Sabine Schmid
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Fliegendes Reiterpaar: Silvia Ochsenreiter und ihr Vonarneisti frá Lynghaga beim Rennpass an der Fünfgang-Prüfung. (Bilder: Sabine Schmid)

Fliegendes Reiterpaar: Silvia Ochsenreiter und ihr Vonarneisti frá Lynghaga beim Rennpass an der Fünfgang-Prüfung. (Bilder: Sabine Schmid)

BRUNNADERN. Die Hufe peitschen, der Sand spritzt von der Bahn hinauf. Silvia Ochsenreiter und Vonarneisti frá Lynghaga sind schnell unterwegs. Aber das Tempo zählt nicht. Die Punktrichter schauen viel mehr auf die Gangarten des Islandpferdes. In der Fünfgang-Prüfung, die am Freitagnachmittag auf dem Programm gestanden ist, werden der Schritt, der Trab, der Galopp, der Tölt und der Pass bewertet. Silvia Ochsenreiter und ihr Pferd erhalten für die Darbietung in der Vorentscheidung gute Noten und können sich Chancen auf einen Finalplatz ausrechnen.

Rekord bei den Teilnehmern

«Wir hatten noch nie so viele Teilnehmer an einem Turnier», stellt OK-Präsident Roger Scherrer fest. Nebst vielen Reitern aus der Schweiz finden sich auch Teilnehmer aus Süddeutschland und sogar einer aus Island auf den Startlisten. Roger Scherrer freut sich über den Besuch von Sportlern aus dem Ausland. Vor allem für die Reiter aus Süddeutschland sei das Neckertal gut gelegen. Er glaubt, dass die komplizierten Zollformalitäten verhindern, dass noch mehr Reiter aus dem Ausland an diesem Anlass teilnehmen.

Seit 1998 führen Roger Scherrer und seine Frau Sandra – die bei der Fünfgang-Prüfung ebenfalls teilgenommen hat – auf dem Reithof Neckertal regelmässig Turniere und Schweizer Meisterschaften durch. Die Rekordzahl an Teilnehmern erklärt sich Roger Scherrer einerseits damit, dass die Schweizer Meisterschaft zum letzten Mal ohne vorgängige Qualifikation beschritten werden kann. Zum anderen glaubt er aber auch, dass die Islandpferde-Weltmeisterschaft von 2009 noch nachwirkt. «Die Weltmeisterschaft hat diesen Sport in der Schweiz bekannter gemacht», sagt er. Bemerkbar wird dies nicht nur auf dem Reithof Neckertal, wo vermehrt auf den Islandpferden geritten wird, sondern auch beim Islandpferde-Verband, der in den letzten Jahren stets einen Mitgliederzuwachs von etwa zehn Prozent verzeichnen konnte. Zu sehen ist das gestiegene Interesse an den Islandpferden auch am Freitagnachmittag, denn zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich im Schatten des Festzelts niedergelassen und verfolgen die Vorentscheidung im Fünfgang.

Auf dem Leistungshöhepunkt

Die in Brunnadern gezeigten Leistungen erfreuen die Fans des Islandpferde-Sports. Roger Scherrer erstaunt dies nicht, denn die Schweizer Meisterschaften bilden den Auftakt zur wichtigsten Zeit für die Sportler. «In zwei Wochen findet in Deutschland die Mitteleuropäische Meisterschaft statt», erklärt er. Bis dahin müssen die Pferde auf dem Leistungshöhepunkt sein. Ein wichtiges Kriterium, das über Erfolg oder Nichterfolg entscheidet, ist das Zusammenspiel von Pferd und Reiter. Ein guter Reiter oder ein gutes Pferd alleine bringe es in diesem Sport kaum bis an die Spitze, erklärt Roger Scherrer. Am Wettkampf selber komme es auf eine gute Vorbereitung an. «Und die Nerven müssen halten», fügt er an.

Um eine Bilanz über die gezeigten Leistungen zu ziehen, sei es noch zu früh, sagte Roger Scherrer gestern nachmittag. Er hat aber festgestellt, dass das Leistungsniveau der Pferde in der Schweiz gestiegen ist. «Wir haben viele gute Islandpferde in der Schweiz», weiss er. Der Wille, um an die Weltspitze zu gelangen, sei in den letzten Jahren grösser geworden. Die Bemühungen waren nicht umsonst, 2011 hat die Schweiz erstmals nach 15 Jahren wieder eine Medaille an der Weltmeisterschaft gewonnen.

Erstmals auch für Kinder

Der Islandpferdesport besteht aber nicht nur aus Disziplinen, bei denen die Gangarten bewertet werden. Heute abend wird ein Galopprennen über 250 Meter ausgetragen. Dabei treten jeweils zwei Konkurrenten gegeneinander an, die aus Boxen starten. «Solche Rennen hat es früher gegeben, aber seit etwa 20 Jahren werden sie nicht mehr durchgeführt. Wir lassen diese Tradition nun wieder aufleben», sagt Roger Scherrer. Besonders an den Wettkämpfen ist auch, dass es eine Kinderklasse gibt. Diese hätten sie wegen des 50-Jahr-Jubiläums der Schweizer Islandpferde-Vereinigung eingeführt, erklärt Roger Scherrer. Sie sei auf ein sehr gutes Echo gestossen.

Bis zum heutigen nachmittag werden die Vorentscheidungen gefallen und die Finalplätze der einzelnen Prüfungen vergeben sein. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl werden im Viergang, im Fünfgang und im Tölt B-Finals ausgetragen. Die Gewinner dieser Rennen qualifizieren sich für die Finals, in welchen es um die Schweizer Meistertitel geht.

Die Schweizer Meisterschaft der Islandpferde dauert noch bis am Sonntag. Ab heute Samstag um 15 Uhr fallen die Entscheidungen um die Schweizer Meistertitel. Informationen und Ranglisten auf www.reithof.ch