WELTGEBETSTAG: Die Frage nach der Gerechtigkeit

Die Liturgie haben in diesem Jahr Filipinas unter dem Titel «Bin ich ungerecht zu euch?» erarbeitet. Sie lehnen dabei an das Gleichnis vom Arbeiter im Weinberg an.

Drucken
Teilen

Den ersten Freitag im März widmen Frauen rund um den Globus dem Gebet. In jedem Jahr steht ein anderes Land im Mittelpunkt der ökumenischen Gottesdienste. Dieses Jahr hat eine philippinische Frauengruppe die Liturgie vorbereitet. Ihre Texte hat sie unter den Titel gestellt: «Bin ich gerecht zu euch?» Die Frauen beziehen sich auf das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Es steht in der Bibel im Matthäus-Evangelium (Mt 20, 1 – 16) geschrieben und handelt von ­Gerechtigkeit gegenüber Tagelöhnern. Die Geschichte wider­- spiegelt die Gerechtigkeit des Gottesreiches, in dem alle Menschen denselben Lohn erhalten, unabhängig von ihrer Leistung. «Ist das nicht ungerecht in unseren Augen?», fragen die Filipinas.

Der Weltgebetstag fällt in ­diesem Jahr auf den 3. März. Manche Liturgiegruppen laden an einem anderen Tag ein (siehe Homepage).

Soziale Ungleichheit von Stadt und Land

Die Inselgruppe der Philippinen besteht aus 7107 Inseln und liegt im Pazifischen Ozean. Die tropischen Urwälder und die bizarren Korallenriffe beherbergen artenreiche Ökosysteme. Bereits heute treffen die Philippinen die Folgen des Klimawandels aufgrund ihrer geografischen Lage besonders hart: Wegen Taifunen, Vulkanausbrüchen und Erdbeben gehören sie zu den Ländern, die am stärksten von Naturkatastrophen betroffen sind.

Trotz des Reichtums an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen prägt eine krasse soziale Ungleichheit die Philippinen. Auf dem Land haben wenige Grossgrundbesitzer das Sagen; der grösste Teil der Kleinbauern besitzt kein eigenes Land. Wer sich heute für Menschenrechte, Umweltschutz, Landreformen oder die Rechte der indigenen Bevölkerung engagiert, lebt oft gefährlich. Seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte Mitte 2016 wurden mehrere Tausend Menschen bei Razzien, Verhaftungen oder Denunziationen ohne Prozess hingerichtet. Polizei und Sicherheitskräfte erhielten von ihm einen Freibrief für Gewalt und Willkür.

Auf der Suche nach Perspektiven zieht es viele Filipinas und Filipinos in die Metropolregion Manila, etwa 1,6 Mio. wandern Jahr für Jahr ins Ausland ab und schuften als Hausangestellte, Krankenpfleger oder Schiffspersonal in Saudiarabien, den USA, Europa, Hongkong oder Singapur. Ihre Überweisungen sichern den Familien das Überleben. Viele zahlen einen hohen Preis: ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, körperliche und sexuelle Gewalt.

Das Titelbild schuf die junge philippinische Künstlerin Rowena «Apol» Laxamana-Sta. Rosa. Sie lenkt das Augenmerk auf die Unterschiede auf den Philippinen: In grauen Tönen stellt sie die technisch hoch entwickelte urbane Zivilisation dar, wo es auch Armut gibt. Auf der anderen Seite zeigt die Künstlerin idyllische, beinahe paradiesische Szenen aus ländlichen, von der modernen Zivilisation scheinbar unberührten Regionen. In der Mitte dominiert eine Frau. Sie hat ein verschleiertes Auge und eine Waage in der Hand und stellt Gerechtigkeit dar, angelehnt an die Figur der Justitia. (pd)

www.wgt.ch