«Welchen Vorteil haben wir denn noch?»

Margrit und Kurt Grünenfelder wollen das Bauvorhaben einer Deponie für Aushubmaterial und Bauabfälle in unmittelbarer Nähe eines Wohnquartiers nicht einfach hinnehmen. Sie wünschen sich, dass möglichst viele Einwohner rekurrieren, wenn das Projekt öffentlich aufgelegt wird.

Olivia Hug
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Eine Deponie im Spitol würde die Lebensqualität eines ganzen Dorfes beeinträchtigen, finden Margrit und Kurt Grünenfelder. (Bild: Barbara Anderegg)

Eine Deponie im Spitol würde die Lebensqualität eines ganzen Dorfes beeinträchtigen, finden Margrit und Kurt Grünenfelder. (Bild: Barbara Anderegg)

NEU ST. JOHANN. «Der Standort Spitol wird nicht aus dem Richtplan gestrichen», lautete Ende Oktober die deutliche Antwort des Kantons im Vernehmlassungsbericht über die Richtplan-Anpassung 2012. Margrit und Kurt Grünenfelder sowie 52 Mitunterzeichnende hatten die Streichung des Standorts Spitol in Neu St. Johann als Deponie beantragt. Das Ehepaar, das neben dem Gelände wohnt, auf welchem nicht verwertbare mineralische Bauabfälle und Aushubmaterial abgelagert werden sollen, wehrt sich seit über zwei Jahren gegen die geplante Deponie. Mitte 2010 wurden Grünenfelders wie wenige weitere Nachbarn erstmals an ein Gespräch mit den damaligen Gesuchstellern für den Betrieb der Deponie eingeladen. «Mit unseren Bedenken hatten wir keine Chance. Im Gegenteil, wir hatten das Gefühl, dass die Sorgen der Anwohner nicht ernst genommen werden», blickt Margrit Grünenfelder zurück.

Nicht mehr lebenswert

Bezweckt habe ihr Widerstand bis zum jetzigen Zeitpunkt aber doch einiges, finden Margrit und Kurt Grünenfelder. «Das erste Deponieprojekt wurde bekanntlich Ende 2011 zurückgezogen und die Grob Kies AG übernahm die Deponie Spitol AG», sagt Kurt Grünenfelder. Ferner habe man erreicht, dass die Bevölkerung an einer öffentlichen Veranstaltung informiert wurde: Im Juni 2012 präsentierte Jacques Grob, Verwaltungsratspräsident der Deponie Spitol AG, das überarbeitete Projekt und stellte sich persönlich den Fragen der Anwesenden. «Uns war wichtig, dass die Bevölkerung überhaupt informiert und das Projekt nicht stillschweigend durchgebracht wird. Denn es betrifft alle, nicht nur die Anwohnerschaft», betont Margrit Grünenfelder. Auch die vielen Unterschriften zur Sammelbeschwerde zum Vernehmlassungsbericht wertet sie als Erfolg: Dies zeige, dass viele Betroffene das Projekt ablehnen.

Seit der Informationsveranstaltung im Büelensaal ist ein halbes Jahr vergangen, während dem man nichts mehr vom Projekt oder den Betreibern gehört hat. Weder zum konkreten Inhalt der Neuauflage noch über die Betriebsbewilligung der Gemeinde Nesslau. Dass die Sache damit längst nicht vom Tisch ist, wollte das Ehepaar Grünenfelder den Anwohnern noch einmal vor Augen halten: Es kreierte Ende 2012 einen Flyer, den man an die Mitunterzeichnenden verteilte. Der Flyer titelt: «Lebenswertes Neu St. Johann?» und listet erneut die Gründe auf, weshalb man sich gegen eine Deponie wehren soll. Margrit und Kurt Grünenfelder rufen die Adressaten auf, sich mittels Rekurs gegen das Vorhaben einzusetzen, sobald es öffentlich aufliegt.

Nicht der beste Standort

Dass sich Grünenfelders nach der Infoveranstaltung nicht beschwichtigt zeigen, liege daran, dass das überarbeitete Betriebskonzept Verschlechterungen gegenüber dem ersten Projekt beinhalte – trotz Zusicherung durch Jacques Grob, dass eine Radwaschanlage für Lastwagen sowie Schutzwände errichtet würden. «Wir stützen uns ja auch nur auf das, was uns erzählt wurde und wissen es nicht bis ins Detail. Wir wissen aber, dass die Rede stets von sauberem Aushub war. Dann wurden wir informiert, dass hier auch nicht verwertbarer Bauabfall abgelagert werden soll», sagt Margrit Grünenfelder. Das gebe dem ganzen Betrieb eine neue Dimension, fürchtet sie: Ein erweitertes Kundensegment und damit mehr Lastwagen, mehr Lärm, mehr Staub und Schadstoffe sowie womöglich erweiterte Betriebszeiten. Von bis zu 50 Lastwagen an Spitzentagen sei gemäss Jacques Grob die Rede. Und das während einer Betriebsdauer von rund 23 Jahren. «Und wenn dem so ist? Was spricht denn noch für diese Wohnlage? Welchen Standortvorteil geniessen wir noch, wenn wir an Lebensqualität einbüssen? Der Steuerfuss kann es ja wohl nicht sein.» Margrit Grünenfelder ist überzeugt, dass diese Einbusse für viele Anwohner, die nicht in der Region arbeiten oder für ältere, die nicht mehr arbeiten, ein Grund für einen Wohnsitzwechsel sein kann.

Nicht, dass das Ehepaar Grünenfelder die Notwendigkeit einer Deponie für Aushubmaterial nicht sieht, betont es. «Wir fragen uns bloss, weshalb so eine Deponie nicht an einem Standort errichtet wird, der nicht direkt an ein Wohngebiet grenzt und weshalb deren Grösse nicht entsprechend der Grösse unserer Gemeinde geplant wird», sagt Kurt Grünenfelder. Er wünscht sich, dass sich die Gemeinde mit allen Mitteln für ihre Bewohnerinnen und Bewohner einsetzt und geeignetere Standorte evaluiert. Zudem wünschen sich Margrit und Kurt Grünenfelder eine Stellungnahme der einstigen Regionalplanungsgruppe sowie etwa der hiesigen Schulbehörde, des Gewerbevereins oder der ehemaligen Gemeindepräsidenten. «Es ist unverständlich, wie der damalige Gemeindepräsident von Krummenau im Gebiet Gerli/Spitol Bauland hat erschliessen und gleichzeitig den Standort Spitol als geeigneten Deponiestandort hat ausweisen können», sagt Margrit Grünenfelder.

Nicht sicher für Kinder

Sie befürchtet, dass die Bevölkerung von Nesslau und Neu St. Johann Opfer eines profitorientierten Bauunternehmens wird. Gerade auch die Sicherheit der Kleinsten würde darunter leiden. Die Schulwege der Neu St. Johanner Kinder nach Nesslau seien bereits jetzt nicht optimal. «Zu diesem Schluss ist man ja offenbar gekommen, weshalb im Rahmen des Projekts <Gemeinde bewegt> die Sicherheit auf den Schulwegen verbessert werden soll. Wie sicher sind unsere Kleinsten denn noch, wenn hier bis zu 50 Lastwagen pro Tag verkehren?», wendet Margrit Grünenfelder ein.

Sollte bald eine öffentliche Planauflage erfolgen, würden sie sich wieder wehren.

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