Weiterleben nach dem Ableben

Längst ist Facebook für viele Menschen zur Heimat geworden – manchmal sogar zu einer, in der man alles präsentiert, was in der realen Welt kaum jemand wagt.

Roger Fuchs
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Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Längst ist Facebook für viele Menschen zur Heimat geworden – manchmal sogar zu einer, in der man alles präsentiert, was in der realen Welt kaum jemand wagt. Nur so lässt sich erklären, dass es zur Mode geworden ist, auf Facebook auch mit Verstorbenen zu posieren. Vorgestern war wieder ein solcher Tag. Mit James Last ist einer der grössten Bandleader unserer Zeit verstorben. Eine Meldung, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Unzähligen Menschen ist James Last im Verlauf seines Lebens begegnet. Und manch eine oder manch einer bekam dabei Gelegenheit, sich vor oder nach einem Konzert mit ihm ablichten zu lassen. Sein Tod wird nun dazu benutzt, nach diesen Fotos zu graben. Wie stolz man doch ist, dass sich der Star einst Kopf an Kopf und eng aneinander geschmiegt ablichten liess. Um der ganzen Welt zu zeigen, dass man den Verstorbenen kannte, wird das Foto auf Facebook gepostet. Das Ganze noch mit einem Kommentar und Dank für die Begegnung würzen, oder mit der Botschaft «Ruhe in Frieden» verbinden. Irgendwie bizarr. So sehr man einem Menschen die ewige Ruhe gönnen mag, so sehr scheint es mit dieser in den sozialen Medien im Moment des Todes vorbei zu sein.

Und ich überleg mir, wen ich selbst nach dem Ableben nochmals der ganzen Welt präsentieren könnte. Ich will ja nicht bluffen, aber Francine Jordi, Beni Thurnheer, Stixi & Sonja, Claudio Zuccolini, Roman Kilchsperger, Semino Rossi oder René Rindlisbacher, sie alle standen schon zusammen mit mir vor der Kamera – fehlt eigentlich nur noch Helene Fischer. Ihnen allen wünsche ich natürlich noch ein langes Leben, schliesslich habe ich nun in dieser Kolumne bereits zu deren Lebzeiten kundtun dürfen, dass ich dann noch ein Foto hätte…