«Weinberge wurden Maulbeerhaine»

Nachgefragt

Merken
Drucken
Teilen

Das Museum Wolfhalden öffnet am Sonntag seine Tore. Gezeigt wird die Sonderausstellung «Spulen und Weben im Vorderland». Am Eröffnungstag und an den übrigen Ausstellungstagen wird im Museum von 10 bis 12 Uhr live gewebt. Präsident Ernst Züst erklärt, warum der Museumsverein dieses Ausstellungsthema gewählt hat.

Herr Züst, warum befasst sich das Museum Wolfhalden mit dem Thema Weberei?

Die Weberei war im Vorderland während Jahrhunderten ein wichtiger Nebenerwerb zur Landwirtschaft. Zeitweise waren bis zu 4000 Heimarbeiter damit beschäftigt. Ab dem 16. Jahrhundert wurden Leinenstoffe gewoben, später kamen Mousselines – feine Baumwollstoffe – dazu. Ab 1830 setzte die Seidenweberei ein.

Was ist das Besondere an der Seidenweberei?

Diese Stoffe wurden nicht für Bekleidungszwecke produziert. Sie dienten der Herstellung von Sieben für die Müllerei. Die Siebe erhielten Nummern von 1 bis 20, von fein bis grob. Die groben Stoffe wurden für das Sieben von Griess verwendet. Mit einem ganz feinen Seidentuch war ein guter Weber ein halbes Jahr beschäftigt.

Das Museum Wolfhalden besitzt noch einen seltenen alten Seidenwebstuhl. Kann man diesen auch im Einsatz sehen?

Josef Schmid aus Oberegg hat jahrelang jeden Sonntag im Museum gewoben. Leider kann er dies aus Altersgründen nicht mehr. Es gibt aber einen Film darüber, den man anschauen kann. Zudem haben wir eine Frau aus dem Vorstand, die das Weben von Leinenstoffen demonstriert.

Seide ist kein einheimisches Material. Woher kam dieses?

Um 1830 begann man hierzulande mit der Seidenraupenzucht. Diese Tiere leben von Maulbeerblättern. Dafür wurden Richtung Thal zahlreiche Weinberge gerodet und dort rund 7000 Maulbeerbäume angepflanzt. Billige Importseide und Chemiefasern beendeten um 1900 den Seidenboom. (ker)

Das Museum Wolfhalden ist im Haus Alte Krone, oberhalb der Kirche, untergebracht. Es ist bis Ende Oktober jeweils am Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. www.museumwolfhalden.ch