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Weihnachtsgeschichte: Majo ist da

Die Bauersfrau will soeben ihren Mann und den Knecht zum Nachtessen rufen, als sie feststellen muss, dass die beiden weg sind. Sie sind aber nicht komplett verschwunden, sondern im Stall. Dort geschieht Wundervolles. Eine Weihnachtsgeschichte von Anton Bouvard.
Anton Bouvard
«Wir erleben hier Weihnachten wie damals im Stall in Betlehem, nur ist hier nicht ein Kind, sondern ein Stierlein auf die Welt gekommen.» (Bild: Luca Linder)

«Wir erleben hier Weihnachten wie damals im Stall in Betlehem, nur ist hier nicht ein Kind, sondern ein Stierlein auf die Welt gekommen.» (Bild: Luca Linder)

Es ist 5 Uhr am Morgen. Peter Fritsche steht auf, zieht Hose und Hemd an und steigt schlaftrunken die Treppe hinunter in die Küche. Er dreht den Wasserhahn auf, hält die Hand darunter und wäscht sich ganz kurz das Gesicht.

Peter bewirtschaftet mit seiner Frau Silvia und dem Knecht Franz in seinem Bauernhof etwas abgelegen in der Nähe eines Waldes zwölf Kühe, einige Hühner und Kaninchen. Die Bewirtschaftung des Waldes und der Holzverkauf bringen ihm ein zusätzliches Einkommen.

Er zieht die Stiefel über und macht sich auf den Weg in den Stall. Als er die Türe öffnet, merkt er erst, wie viel Schnee es über Nacht gegeben hat. Er stapft hinüber zum Stall, öffnet die Türe und begrüsst, wie jeden Morgen, seine Kühe. Bei Vreni, die vielleicht heute noch kalbert, bleibt er länger stehen, streichelt sie und meint: «Alles klar, Vreni. Es wird schon gut gehen.» Hoffentlich, denkt er, nicht dass ich am Heiligen Abend noch den Tierarzt rufen muss.

Nun werden der Stall gesäubert, die Melkmaschine angestellt und die Kühe gemolken. Nachdem der Milchverarbeiter die Milch abgeholt hat und im Stall alles erledigt ist, kehrt Peter zurück ins Wohnhaus und stellt freudig fest, dass Franz schon am Schneeräumen ist. Auf ihn kann er sich einfach verlassen. «So, Franz, komm mit rein, zuerst gibt es einmal Frühstück.» «Oho», meint Franz. Er ist nicht sehr redselig.

In der warmen Küche empfängt sie der Duft von frischgebackenem Brot und Kaffee. Peter schaut sich um und sieht einen wunderschön geformten Zopf. Silvia bemerkt es und meint: «Halt, Peter, der Zopf ist erst für den Weihnachtstag!»

Peter setzt sich an den Tisch und streicht etwas missmutig die Butter auf das aufgeschnittene Brot. Bei Franz bewegen sich die Mundwinkel nach oben, es sieht aus wie ein leichtes Schmunzeln, aber sagen tut er natürlich nichts.

Nach dem Essen sagt Peter zu seiner Frau: «Franz und ich gehen noch in den Wald, schneiden etwas Holz und bringen dann eine Ladung Holz herein.»

Zuerst geht Peter in den Stall, um zu schauen, wie es Vreni geht. Im Moment ist alles im grünen Bereich. Er holt den Traktor und zusammen mit Franz hängt er den Ladewagen an. Silvia bringt noch warmen Kaffee und zwei Znünibrote, dann fahren die beiden los. Der Traktor hat etwas Mühe im tiefen Schnee.

Den Weihnachtsbaum aussuchen

Im Wald angekommen, hängen sie den Ladewagen ab und montieren die Spaltvorrichtung an den Traktor. Peter sägt die entasteten Stämme auf einen Meter zusammen, während Franz noch mit dem Entasten beschäftigt ist.

In der Znünipause fragt Peter: «Franz, möchtest du noch einen Weihnachtsbaum suchen für heute Abend?» «Oho», meint Franz, ist aber sehr stolz, dass er den Weihnachtsbaum aussuchen kann.

Wenig später kommt er mit einem wunderschönen Weisstannenbäumchen zurück. Auch Peter findet ihn schön und gratuliert ihm zu diesem Fund.

Die zugeschnittenen Stämme werden noch gespalten und so langsam füllt sich der Ladewagen. Peter beschliesst, nicht allzu viel aufzuladen, da sie sonst beim Zurückfahren im Schnee stecken bleiben könnten. Sie stapeln den Rest auf, decken die Beige zu und fahren zurück zum Hof. Peter schickt Franz in den Stall, um nach Vreni zu sehen.

Als das Essen bereitsteht, geht es los

Nach einer Weile kommt Franz zurück und murmelt: «Ich denke, wir sollten Vreni separieren, sie ist ziemlich unruhig.»

«Gut», sagt Peter, «gehen wir zuerst noch in die Küche, Silvia hat eine warme Suppe parat. Dann führen wir Vreni in den abgetrennten Teil, damit sie ihre Ruhe hat.»

Die Suppe ist schnell gegessen und dann gehen die beiden in den Stall, sperren bei der Türe einen grösseren Teil ab, legen ihn mit frischem Stroh aus und führen Vreni hinein.

«Vreni kalbert sicher noch heute Abend, was meinst du, Franz?» «Oho» ist alles, was Franz zu sagen hat. Dann entladen Peter und Franz den Ladewagen und versorgen das Holz in der Scheune.

Peter geht nochmals in den Stall, während Franz die Geräte reinigt und versorgt. Silvia hat in der Stube einen schönen Tisch hergerichtet und das Abendessen vorbereitet.

Silvia öffnet das Küchenfenster und ruft: «Peter, Franz, das Essen ist fertig!» Aber es meldet sich niemand. «Ach, Vreni wird doch nicht gerade jetzt kalbern, wo das Essen bereitsteht?» Zur Vorsicht stellt sie den Braten in den Ofen, um ihn warmzuhalten und rennt zum Stall hinüber.

Tatsächlich stehen Peter und Franz bei Vreni, die gerade dabei ist, ihr Kalb auf die Welt zu bringen. Peter sagt gerade: «Ich glaube, es kommt gut.» «Oho», murmelt Franz.

Kurze Zeit später hat Vreni die Geburt fast ohne Probleme überstanden und zur Überraschung aller kam ein Stierlein auf die Welt. Peter hat das Neugeborene mit Stroh etwas abgetrocknet und der Mutter hingelegt, die es sofort geleckt hat.

Silvia meint mit heiserer Stimme:

«Wir erleben hier Weihnachten wie damals im Stall in Betlehem, nur ist hier nicht ein Kind, sondern ein Stierlein auf die Welt gekommen. Diesen Heiligen Abend werde ich wohl nicht so schnell vergessen.»

Diesmal meinen Peter und Franz zusammen: «Oho.» Peter fragt: «Hat jemand einen passenden Namen für das Stierlein?»

Zur Überraschung von Peter und Silvia meint plötzlich Franz: «Majo, ich würde ihn Majo rufen.» Silvia fragt stirnrunzelnd: «Majo, wieso gerade Majo?» «Natürlich», meint Franz. «Heute, am Heiligen Abend sind doch Maria und Josef im Stall gewesen.» Peter bemerkt es als Erster.

«Natürlich, Majo ist die Abkürzung von Ma wie Maria und Jo wie Josef. Der Name gefällt mir auch. Was meinst du, Silvia?» Jetzt muss Silvia lachen. «Ja, der Name passt zum heutigen Abend und so wissen wir immer genau, wann Majo auf die Welt gekommen ist. Gehen wir nun in die Stube, dort können wir in Ruhe Weihnachten feiern und auf Majo anstossen.»

Anton Bouvard. (Bild: APZ)

Anton Bouvard. (Bild: APZ)

Anton Bouvard: Geschichtenschreiber aus Herisau

Nicht zum ersten Mal bedient Anton Bouvard die «Appenzeller Zeitung» mit einer eigens geschriebenen Weihnachtsgeschichte. «Seit ein paar Jahren schreibe ich solche für Familie, Freunde und für die Adventsfeier der Pensionierten von Huber und Suhner». Eine von zwei der Redaktion zugespielten Geschichten ist hier abgedruckt. (rf)

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