Weihnachten feiern – und dies gemeinsam statt einsam

APPENZELLERLAND. «Oh du fröhliche…» tönt es in der Heiligen Nacht. Doch nicht alle können auf die Geborgenheit einer Familie zählen. Gemeinsame Weihnachtsfeiern wie in Speicher oder Appenzell sorgen dafür, dass am Weihnachtsabend niemand alleine zu Hause sitzen muss.

Roger Fuchs
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Die vier Lichter am Adventskranz deuten darauf hin: Weihnachten, das Fest der Liebe, steht vor der Tür. (Bild: rf)

Die vier Lichter am Adventskranz deuten darauf hin: Weihnachten, das Fest der Liebe, steht vor der Tür. (Bild: rf)

Der katholische Pfarrer Josef Manser aus Speicher ist an Heiligabend nie alleine. Wenn sich in den Häusern und Blocks Familien um den Christbaum versammeln, dann öffnet der Pfarrer seine Wohnungstür für Menschen, die niemanden haben, sowie für solche, die er das Jahr über kennengelernt hat und die gerne Weihnachten bei ihm verbringen würden. «Wir sind jeweils zwischen zwei und acht Personen», erzählt Manser. Über die Jahre hinweg habe sich auch eine Stammkundschaft entwickelt.

Die Feier bei Josef Manser dauert zwei bis drei Stunden; im Vorfeld schmückt er den Tannenbaum. Sitzen seine Gäste beisammen, erzählt er die Weihnachtsgeschichte, anschliessend wird gemeinsam gegessen.

Wie Jesus es wollte

«Solche Feiern braucht es», sagt Manser. «An Heiligabend sollte niemand alleine sein, es sei denn, man wolle dies ganz bewusst.» Als Grund für sein Engagement nennt der Pfarrer die Weihnachtsgeschichte: Es sei ein grosses Anliegen von Jesus gewesen, dass die Menschen in Gemeinschaft leben könnten – auch solche am Rande der Gesellschaft sollen sich angenommen fühlen dürfen.

Mansers Gästeschar an Weihnachten ist oft bunt gemischt. So sassen beispielsweise schon Menschen an seinem Tisch, die er durch seine Tätigkeit als Gefängnisseelsorger kennengelernt hatte. Auch Leute aus muslimischen Ländern feiern bei Pfarrer Manser Weihnachten. «Die Anwesenden sind stets sehr offen und erzählen gerne aus ihrem Leben», so Josef Manser. Und mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre hält er fest, dass in seiner Pfarrei, in der die sozialen Aspekte hoch- gehalten würden, die Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen abgenommen habe. Nachbarn schauten heute eher zueinander als früher.

Einsame auch in Innerrhoden

Gemeinsam Weihnachten gefeiert wird an Heiligabend auch in Appenzell. Von 18 bis 22 Uhr lädt die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Appenzell sowohl Alleinstehende wie auch Familien und Paare, die Heiligabend einmal etwas anders verbringen möchten, in den Pfarrsaal ein. Das Angebot findet gemäss dem evangelischen Pfarrer Andreas Schenk bereits zum sechsten Mal statt. Zusammen mit der Crew seien sie jeweils um die 15 bis 20 Personen, was den Pfarrer zur Aussage verleitet, auch «Appenzell Innerrhoden ist keine Heile Welt».

Wie in Speicher so gibt es ebenso in Appenzell Stammgäste. Und mit von der Partie ist jeweils auch Schenks Familie. «Es ist eine Bereicherung zu erleben, dass sich Weihnachten nicht nur in der Familienstube abspielt», so Andreas Schenk. Im Anschluss an die gemeinsame Weihnachtsfeier kann um 22.30 Uhr die Christnachtfeier in der evangelisch-reformierten Kirche oder um 23 Uhr in der Pfarrkirche besucht werden. (Anmeldung zur Feier: evangelisches Pfarramt, 071 787 12 43)