WEGWERFMENTALITÄT: "Eine Schweinerei": Hahn sollte lebend entsorgt werden

Ein Ehepaar hat einen lebenden Seidenhahn aus der Kadaversammelstelle Wattwil gerettet. Tiere so auszusetzen ist strafbar. Es wurde Anzeige erstattet.

Chiara Weber
Merken
Drucken
Teilen
Der Finder Jürg Schmid zeigt den Seidenhuhn-Hahn, den er in der Kadaversammelstelle gefunden hat.

Der Finder Jürg Schmid zeigt den Seidenhuhn-Hahn, den er in der Kadaversammelstelle gefunden hat.

Es war am Donnerstag, als Astrid Ott Schmid und ihr Mann Jürg Schmid beim Entsorgen in der Kadaversammelstelle ein Gackern hörten. Als sie nachschauten, trauten sie ihren Augen nicht: Ein lebendiges Seidenhuhn trippelte zwischen seinem toten Kameraden und einem toten Kälbchen umher und machte sich bemerkbar. Zusammen mit einem Werkhof-Mitarbeiter, der in der Nähe Arbeiten verrichtete, gelang es ihnen, das Seidenhühnchen herauszuholen. «Es hatte keine Verletzungen und war völlig gesund, einzig die Krallen waren ungepflegt», ärgert sich Astrid Ott Schmid: «Was nicht mehr gebraucht oder gewollt ist, wird einfach entsorgt. Diese Mentalität ist nicht gut.»

Das Ehepaar nahm das Tier nach Hause und versorgte es. Selbst Hühnerhalter, werden sie das Tier behalten. Sie haben Anzeige erstattet und den Tierschutz informiert. «Dem Hahn geht es gut, und er hat Gesellschaft von drei Artgenossen», berichtet Astrid Ott Schmid.

Um jeden Hinweis auf den Täter froh
«Ein lebendes Tier auf diese Weise loszuwerden, ist strafbar und eine Schweinerei», sagt Christoph Schwabe, Tierschutzbeauftragter des Toggenburgs. «Wenn der Täter gefunden wird, erhält er eine Strafe und darf in Zukunft keine Tiere mehr halten.» Es komme leider sehr oft vor, dass Hähne von Züchtern einfach entsorgt würden – bloss weil sie keine Eier legen. «Ich bin um jeden Hinweis froh und werde alles daran setzen, den Täter zu finden», sagt Schwabe. Die Chancen sind intakt, denn es gebe in der Region nicht viele, die diese spezielle Seidenhuhn-Rasse hielten, ergänzt Schwabe; das schränke den Täterkreis ein. Gemäss Tierschutzgesetz, 5. Kapitel, Strafbestimmung, Art. 26 Tierquälerei kann dafür eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen verhängt werden. Zur Rechenschaft gezogen werden kann, wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, vernachlässigt, unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet oder ein im Haus oder im Betrieb gehaltenes Tier aussetzt oder zurücklässt in der Absicht, sich seiner zu entledigen.