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Wege eines Bonsai Züchters

NESSLAU. Luciano Benic beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Aufzucht von Bonsai Bäumchen. Der gebürtige Kroate lebt in Nesslau. Die Pflege eines Bonsai setzt ein grosses Wissen voraus und beansprucht viel Zeit. Eine Herausforderung ist es, einen passenden Baum zu finden.
Christiana Sutter
Luciano Benic mit drei Lärchen, die er in einer flachen Schale zu Bonsai Bäumchen gezüchtet hat. (Bild: Christiana Sutter)

Luciano Benic mit drei Lärchen, die er in einer flachen Schale zu Bonsai Bäumchen gezüchtet hat. (Bild: Christiana Sutter)

«Der Bonsai ist eine Oase des menschlichen Herzens. Das Arbeiten mit den Bonsai gibt mir Zeit zum Anhalten und Nachdenken», sagt der Bonsai-Züchter Luciano Benic aus Nesslau. Für ihn sei der Weg zum Ziel sehr wichtig, sei es nun im Leben oder bei der Aufzucht eines Bonsai.

1993 ist Luciano Benic in die Schweiz gekommen. Er hat sich mit seiner Familie das Toggenburg als neue Heimat ausgesucht. Sein erster Arbeitgeber war das Pflegeheim Heimetli in Krummenau, wo er als Hausabwart arbeitete. Nach kurzer Zeit verabschiedete er sich, um in der Metallverarbeitung zu arbeiten. Heute arbeitet er als Mediator. Zum Abschied im Pflegeheim, hat er von den Arbeitskollegen seinen ersten Bonsai erhalten. «Nach zwei Monaten ist dieses Bäumchen eingegangen», erzählt Luciano Benic mit einem Schmunzeln und fügt an: «Da ich mich sowieso für die östliche Philosophie und Kunst interessiere, habe ich mir Literatur zur Aufzucht der Bonsai gekauft.» Der Kroate ist ein wissbegieriger Mensch. Daher besuchte er anschliessend einen Kurs zum Thema «Aufzucht der Bonsai». Damit war der Startschuss für sein intensives Bonsai-Hobby gefallen.

Viele Wege führen zum Bonsai

Bei dieser fernöstlichen Gartenkunst werden Sträucher und Bäume in kleine Gefässe gepflanzt, um den Wuchs zu begrenzen. «Das ist grundsätzlich das ganze Geheimnis», sagt Luciano Benic. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es aber handwerkliches Geschick. Das ist bei Luciano Benic kein Problem, denn nach der Hausabwartsstelle in Krummenau, war er in der Metallbearbeitungs-Branche tätig.

Für das Finden des richtigen Baumes zur Aufzucht gibt es verschiedene Wege. Der Langsamste sei das Pflanzen von Setzlingen. «Es dauert mehrere Jahre, bis ein Baum die richtige Grösse hat», sagt Luciano Benic. Der schnellere Weg – derjenige den er für seine Aufzucht gewählt hat – ist, dass man nahe der Baumgrenze sucht. Wenn man Glück habe, finde man ein einsames, kleines Bäumchen. Die Suche nach Bäumen verbindet Luciano Benic mit Wanderungen. Dabei kann er seinen Gedanken freien Lauf lassen und er ist an der frischen Luft. «Bei einer solchen Wanderung, habe ich meine erste Lärche gefunden», erzählt der Bonsai Züchter. Wenn sich der Baum auf einem Privatbesitz befindet, müsse zuerst eine Bewilligung für dessen Entfernen eingeholt werden. Die dritte Möglichkeit, an einen passenden Baum zu kommen, sei der Kauf einer Pflanze in einer Baumschule. Bei jeder Methode muss sich der Baum an die neue klimatische Umgebung gewöhnen, bevor er seine zukünftige Form erhält. «Das ist wie wenn ein Mensch eine neue Heimat findet, der muss sich auch erst eingewöhnen», sagt Luciano Benic.

Symmetrie ist eine Beleidigung

Bevor dem Baum eine neue Form verpasst wird, gewährt man ihm zwei bis drei Jahre Ruhe. Es gibt viele Formen für die Bonsai, die Technik der Formgebung ist immer dieselbe. Zuerst wird dem Baum die Spitze schräg geschnitten und anschliessend wird die neue Silhouette geformt. «Ein Bonsai muss immer asymmetrisch sein. Die Japaner finden symmetrische Formen eine Beleidigung für das Auge», erklärt Luciano Benic. Im nächsten Schritt werden die störenden Äste heraus geschnitten. Die übrig gebliebenen werden verdrahtet und nach oben gerichtet. Die Form des Bonsai bestimmt zum Teil der Züchter, wobei es klassische Vorgaben gibt. Da ist zum Beispiel die Kaskadeform – auf Japanisch Kenjai genannt. «Bei dieser Form ist die Baumkrone tiefer als der Wurzelansatz, wie bei einer Hängepflanze», sagt der Züchter. Weiter sei auch die windgepeitschte Form – Japanisch Fukinagashi genannt – eine sehr attraktive Form.

Interessant ist auch der Bonsai auf einem Stein, analog zum Baum auf einem Felsen in der Natur. Diese Form heisst auf Japanisch – Ishisuki.

Ein Bonsai ist nie vollkommen

Nach der Formgebung wird der Bonsai in eine flache Schale gepflanzt. «Für runde, weibliche Baumformen, wird eine runde Schale benutzt.» Die Bonsai-Pflege sei ein Ganzjahres-Job. «Täglich bekommen die Bäume eine optimale Pflege mit frischem Wasser und Mineralien», sagt Luciano Benic. Im Februar werde, wenn nötig, umgepflanzt und neue Erde hinzugefügt. Weiter brauche es einen Blattschnitt, um die Blattform klein zu halten. Diese Arbeit wird im Juni erledigt. Dabei wird der Schnitt unterhalb des Blattes ausgeführt. Mit dieser Technik wachsen neue, kleinere Blätter nach. Die Pflege des Bonsai ist nie beendet, denn ein Bonsai ist nie vollkommen. Luciano Benic besitzt 30 Bonsai. Da sind Apfelbäume, Felsenbirnen, Birken und vor allem Lärchen dabei. «Die Lärche ist mein Lieblingsbaum. Sie ist im Frühling zart grün, im Sommer sind ihre Nadeln dunkelgrün, gelb werden sie im Herbst und im Winter verliert sie alle Nadeln.» Aus jeder Baumsorte könne ein Bonsai entstehen, erklärt der Züchter. Allerdings gebe es Ausnahmen: «Es ist noch niemandem gelungen, eine Bonsai-Tanne zu züchten.» Die Äste der Tanne seien widerspenstig und biegen sofort in ihre Ursprungsform zurück.

Wissen für Bonsai und Mensch

Auch wenn Luciano Benic viel Zeit mit seinen Bonsai verbringt, sind ihm die Menschen wichtig. Daher hat er sich entschlossen, sich beruflich einen Wunsch zu erfüllen. Er habe sich schon immer berufen gefühlt, mit Menschen zu arbeiten und seine Erfahrungen in eine Tätigkeit einzubringen, die all diese Faktoren beinhalte. Daher gab er seine Arbeit in der Metallverarbeitung auf. Vor einiger Zeit absolvierte der Kroate eine Ausbildung zum Interkulturellen Mediator und ist seit längerer Zeit als Dolmetscher für fast alle Balkansprachen tätig. Seit Anfang August arbeitet Luciano Benic als Berater und Mediator im sozialen Bereich, wo er Menschen unterstützt, die sich an neue Umstände in neuen Umgebungen gewöhnen müssen, genau wie ein Bonsai.

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