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Selbstversuch am Schützenfest: weder angeschossen noch angefressen

Seit Freitag läuft das 12. Ausserrhoder Kantonalschützenfest. Aus der ganzen Schweiz werden Schützinnen und Schützen erwartet. Doch wie gehen Pazifisten damit um?
Philipp Wolf
«Schau einfach, dass du nur auf deine Scheibe schiesst», lautete die Anweisung des Helfers. (Bild: Philipp Wolf)

«Schau einfach, dass du nur auf deine Scheibe schiesst», lautete die Anweisung des Helfers. (Bild: Philipp Wolf)

Erste Male können ganz schön laut sein. Beim Gästeschiessen in Teufen zur Eröffnung des 12. Appenzeller Kantonalschützenfests wird mir das schlagartig bewusst. Als der Schützenmeister das Feuer frei gibt, bin ich der Einzige in der Anlage, der noch keinen Pamir trägt. Mein Puls schnellt nach oben. Ich hechte zum nächsten Gehörschutz und setzte ihn gerade noch rechtzeitig auf. Eine Sekunde später und dieser Erfahrungsbericht würde sich um eine Tinnitusbehandlung drehen.

Als die Ohren geschützt sind, geht alles ganz schnell. Ich, der Pazifist, der zuvor noch nie eine Waffe in den Händen hielt, erhalte ein Sturmgewehr. Nun schaue ich meinen Einweiser erwartungsvoll an, bereit, seiner Schulung zu folgen. Doch dieser sagt lediglich: «Schau einfach, dass du nur auf deine Scheibe schiesst.»

Meine Scheibe ist die 7. Ich tue, wie mir geheissen. Während ich durch die verschiedenen Zielhilfen hindurch die 300 Meter entfernte Tafel anzuvisieren versuche, entsichert der Einweiser das Gewehr. Nun bin ich tatsächlich schussbereit. In einer geborgten Schiessjacke liege ich da, und frage mich, was als Nächstes kommt. Ich fühle Anspannung, Nervosität, ein wenig Unbehagen und doch auch eine Prise Neugier. Durch meine Atmung und meinen schnellen Herzschlag tanzt das Ziel in der Ferne auf und ab. Hoffentlich treffe ich die Scheibe, sind meine letzten Gedanken. Dann betätige ich den Abzug.

Immerhin einmal eine Zehn

Natürlich wusste ich davor,dass die Schussabgabe nicht geräuschlos erfolgt und dass das Gewehr nicht einfach an Ort und Stelle bleibt. Doch als ich den Knall höre und den Rückstoss spüre, erschrecke ich doch ein wenig. Immerhin, mein erster Schuss hat die Scheibe getroffen, die eigene. «Ah, da müssen wir noch ein wenig kalibrieren», meint mein Einweiser und dreht mit einem Fünfzigrappenstück an verschiedenen Schrauben des Gewehrs herum. Der zweite Schuss sitzt schon besser. Und der Dritte erst: Eine Zehn! Während mir der Helfer weitere Tipps und Anweisungen gibt, bewegt sich Scheibe nach wie vor auf und ab.

So wird mir das Sportliche am Schiessen bereits nach einigen Schüssen bewusst. Möglichst genau zielen, möglichst viele Punkte holen. Dass Waffen töten können, rückt beim Eifern nach Genauigkeit in den Hintergrund. Doch erinnern nur schon die vielen Sicherheitsvorschriften und -vorkehrungen in der Schiessanlage daran.

Nach zehn Schüssen und höchstens fünf Minuten ist das Ganze vorbei. Das Unbehagen vor dem ersten Schuss, war beim letzten noch genau so gross. Gerne überlasse ich das Gewehr wieder meinem Einweiser. Mein erstes Mal verarbeitend schaue ich den Jungschützen, der mir mein Resultat aushändigt, bedröppelt an. «Ist doch gar nicht so schlecht», meint er. Immerhin tinnitusfrei, denke ich mir, als ich die Anlage verlasse und den Pamir abgebe.

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