Wechselschritt üben, üben und üben

Junge Frauen und Männer lernen freiwillig Tanzschritte. Sie wollen inskünftig bei Volksmusikveranstaltungen nicht mehr abseits stehen. Bald schon drehen sie sich im richtigen Tempo und im richtigen Takt und sie wollen noch mehr, nämlich eine eigene Tanzgruppe gründen.

Adi Lippuner
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Tanzleiterin Erika Koller (links) zeigt den jungen Kursteilnehmern wie die «Krebspolka» getanzt wird. (Bild: Adi Lippuner)

Tanzleiterin Erika Koller (links) zeigt den jungen Kursteilnehmern wie die «Krebspolka» getanzt wird. (Bild: Adi Lippuner)

Wattwil. Wer Polka und Schottisch tanzen will, kommt um den Wechselschritt nicht herum. Das erfahren die 16 Teilnehmenden am Dienstagabend beim Volkstanzkurs der Region Ostschweiz. Und so geht's kurz nach 19 Uhr so richtig zur Sache: «Schottisch und Polka sind Geschwister, die Schritte werden nur anders betont», lässt Tanzleiterin Erika Koller, Appenzell, die Kursteilnehmer wissen. «Im Rhythmus der Musik zwei Schritte links, zwei Schritte rechts, zwei vor, zwei zurück, so erhält ihr das Gefühl für den Wechselschritt.»

Und weil auch beim Tanzen der Humor nicht zu kurz kommt fügt sie hinzu: «Heute Abend sind die Frauen dran, ihr dürft euch einen Tanzpartner aussuchen.» Dann folgen Anweisungen, dass zum Tanzen auch eine gewisse Körperspannung gehört, «energieloses Dastehen wird vom Partner gespürt», erklärt die Tanzleiterin.

Musik im Originaltempo

Ob zur «Bireweggepolka» oder zur «Krebspolka», die Schritte kommen zu Beginn noch etwas zaghaft, doch nach den Trockenübungen geht's im Originaltempo über die Thurpark-Bühne. Angefeuert und ermuntert durch Erika Koller wagen die einzelnen Tanzpaare immer mehr, drehen sich im Kreis und zeigen, dass der Wechselschritt sozusagen in «Fleisch und Blut übergeht». Oder wie es zu Beginn heisst: «Üben, üben und nochmals üben, erst dann macht es so richtig Spass.»

Damit auch alle mit den Schrittfolgen und den Wechselschritten zurecht kommen, verfolgt die Tanzleiterin die Bewegungen aufmerksam und greift da und dort mit Anleitungen ein. Zudem werden alle immer wieder angefeuert: «Gas geben und auf dem Platz rund herum, das macht doch Spass.»

Auch der Wechsel zwischen raschen Drehungen und kurzen Erholungsphasen wird gezeigt und so gelingt es nach rund einer Stunde problemlos, die geübten Wechselschritte in verschiedenen Tempi fast perfekt aufs Parkett zu legen.

Junge wollen wieder tanzen

Für Erika Koller ist Bewegung zur Musik einfach etwas Herrliches. Sie gibt die Freude gerne weiter und stellt ihrer Gruppe ein gutes Zeugnis aus. «Es ist der vierte Tanzabend und alle haben seit Beginn grosse Fortschritte gemacht. Vor allem die Freude ist spürbar und beim Tanzen geht mehr über die Freude als über den Kopf.» Die motivierten jungen Frauen und Männer sind für die engagierte Tanzleiterin eine grosse Freude: «Es ist doch einfach schön, wenn Junge wieder tanzen wollen.»

Offenbar hat die St. Gallische Trachtenvereinigung mit dem Kurs in Wattwil voll ins Schwarze getroffen. Die jungen Kursteilnehmer wollen nach Möglichkeit einen Fortsetzungskurs buchen und eine eigene Tanzgruppe gründen. «Wie wir genau vorgehen, ist noch offen, aber die Kursleiterin wäre bereit, uns weiter zu begleiten, erklären die beiden Initiantinnen Andrea Dobler, Flawil und Angelika Zehnder, Hemberg.