WECHSEL: Ein Haus mit Geschichte

Ende Februar wird der Polizeiposten in Walzenhausen geschlossen. Das markante Gebäude im Ortszentrum zeichnet sich durch eine höchst wechselvolle Geschichte mit vielen Nutzungen aus.

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Das stattliche Haus Dorf Nr. 91 hat in der Vergangenheit auf unterschiedlichste Art immer der Öffentlichkeit gedient. (Bild: PE)

Das stattliche Haus Dorf Nr. 91 hat in der Vergangenheit auf unterschiedlichste Art immer der Öffentlichkeit gedient. (Bild: PE)

Seit einem guten halben Jahrhundert ist das Gebäude Dorf Nr. 91 in Walzenhausen im Eigentum von Edgar Künzler-Bänziger. Mit seiner Gattin Irma bewohnt er die Immobilie auch. Das in Sandstein gehauene Wappen mit zwei gekreuzten Schlüsseln über dem Kellereingang trägt die Jahreszahl 1818, und die Initialen «BK» lassen Angehörige der Familie Keller vermuten, die als Stickereifabrikanten zu Geld und Ansehen kamen. Ab den 1860er-Jahren wurde im Haus eine Bäckerei betrieben.

Im Jahr 1890 erwarb mit Alois Märchy der Urgrossvater mütterlicherseits von Edgar Künzler das stattliche Gebäude. Märchy richtete hier das Postbüro ein, das später ins unweit entfernte Türmlihaus verlegt wurde.

Im Jahr 1937 wurde das Haus von Erwin Künzler-Keller und damit vom Vater des heutigen Besitzers Edgar Künzler-Bänziger erworben. Dieser erklärt: «1940 wurden die Räume an das bekannte Rheinecker Kaufhaus von Theo Lange-Deissenrieder vermietet. Später führte die ortsansässige Familie Werder das Ladengeschäft.»

Dem Laden der Werders folgte von 1963 bis 1967 die Druckerei des ungarischen Einwanderers Paul Kameras. Im folgenden Jahr, 1968, hielt mit der Ausser-rhoder Kantonalbank abermals eine neue Mieterin Einzug.

Mit dem Bau des neuen Walzenhauser Bankgebäudes standen die Räume im Haus Dorf Nr. 91 erneut leer, was Mitte 1987 die Einrichtung des Polizeipostens möglich machte. Nun steht auch diese Ära vor dem Aus und damit abermals ein Wechsel bevor. Ende Februar wird der Polizeiposten geschlossen. Noch ist über die Zukunft der freiwerdenden Räume im auffälligen Gebäude nicht entschieden.

Peter Eggenberger

redaktion@appenzellerzeitung.ch