WC-Lösung für Uganda gefunden

Hygienische Toilettenlösungen für Entwicklungsländer sind es, die Rahel Künzle aus Heiterswil beschäftigen. Die junge Umweltingenieurin ist an der Entwicklung eines neuartigen, von Zu- und Abwasserleitungen autarken WCs beteiligt.

Nadine Rydzyk
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Der Prototyp der neuen WC-Lösung wurde direkt in Uganda getestet. (Bild: pd)

Der Prototyp der neuen WC-Lösung wurde direkt in Uganda getestet. (Bild: pd)

HEITERSWIL. Über 2,6 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen. Die hygienischen Missstände, die vor allem die arme Bevölkerung in den dicht besiedelten, städtischen Randgebieten, den so genannten Slums, betreffen, führen zu schweren Durchfallerkrankungen, an denen jährlich 1,8 Millionen Menschen sterben.

Ein autarkes WC

Das Wasserforschungsinstitut Eawag führt das von der Bill & Melinda Gates Stiftung finanziertes Projekt «Reinvent the Toilet Challenge» in Partnerschaft mit dem Wiener Designstudio EOOS und der Makerere Universität in Uganda durch. Mit in dem interdisziplinären Team vertreten ist auch eine junge Frau aus dem Toggenburg, Rahel Künzle. Die 26-Jährige ist gemeinsam mit dem Projektleiter Tove Larsen für die Entwicklung einer Lösung zum ressourcenorientierten Abwassermanagement verantwortlich. «Das Besondere ist, dass das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf direkt im WC mittels einer Membran wieder aufbereitet wird», erklärt sie. Damit hat man eines der wichtigsten Projektziele erreicht, denn Wasserzu- und -ableitungen wie in der Schweiz kennt man nicht überall.

Vor Ort den Prototypen getestet

Die neuartige Toilette soll den Bedürfnissen der Armen in städtischen Gebieten in Entwicklungsländern, speziell in den Slums, entsprechen. Benutzerfreundlichkeit, eine komplette Aufbereitung der Abwasser-Ressourcen sowie die Unabhängigkeit von der ohnehin zumeist nicht vorhandenen Infrastruktur wie Wasserleitungen, Kanalisation und Elektrizität sind die grossen Herausforderungen des Projektes. Wie wichtig solche Projekte sind, hat Rahel Künzle kürzlich direkt vor Ort erlebt. Mit dem Prototypen der «Reinvent Toilet» war das Team in Uganda und hat es hier an verschiedenen Orten getestet, um mögliche Schwachstellen und Verbesserungspotenzial zu eruieren. «Wir haben festgestellt, dass die Toilette vor allem robuster werden muss», resümiert die junge Umweltingenieurin. Die Akzeptanz der Menschen vor Ort sei erfreulicherweise hoch gewesen. Dass sich eine junge Frau mit Toiletten und dem Abwasser befasst, ist nicht nur für die Menschen in Uganda nicht alltäglich gewesen. Rahel Künzle aber wusste schon früh, dass für sie nur ein technischer, naturwissenschaftlicher Beruf in Frage kommt, erzählt sie.

«Ich schätze die Vielseitigkeit»

Nach ihrem ETH-Studium konnte sie direkt bei der Eawag in ihrem Kernbereich der Wasser- und Abwasserthematik Fuss fassen. Was sie hierbei und insbesondere an dem Projekt «Reinvent the Toilet Challenge» interessiert, ist die Abwechslung bei ihrer Arbeit. Denn sie ist nicht nur eine «Schreibtischtäterin», sondern packt auch tatkräftig mit an. «Ich schätze es, dass die Arbeit so vielseitig ist und ich sowohl handwerklich arbeiten kann wie auch in der Entwicklung und Datenauswertung.»

Man gewöhnt sich an Luxus

Obgleich Rahel Künzle durch einen Volunteer-Einsatz und im Zuge ihrer Masterarbeit bereits zwei Mal in Kenia war und ihr bewusst war, dass das Leben gerade in hygienischer Sicht nicht überall so unbeschwert einfach wie in ihrer Heimat ist, ist sie doch immer wieder berührt. «Man kann sich gar nicht vorstellen, wie die Menschen leben müssen, und weiss die Bedingungen hier dann noch mehr zu schätzen», erzählt sie. «Doch man gewöhnt sich auch schnell wieder an den Luxus und muss sich ins Gedächtnis rufen, dass dieser nicht selbstverständlich ist», räumt sie ein. Nach zweieinhalb Monaten in Uganda, wo sie vor Ort am Test des Prototypen beteiligt war, ist sie seit rund zwei Wochen wieder zurück in der Schweiz. Nun geht es an die Weiterentwicklung der Toilette, die dann voraussichtlich im kommenden Jahr nochmals in Afrika getestet werden wird.

Der Prototyp der neuen WC-Lösung wurde direkt in Uganda getestet. (Bild: pd)

Der Prototyp der neuen WC-Lösung wurde direkt in Uganda getestet. (Bild: pd)