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WATTWIL/LICHTENSTEIG: Lifte für SBB-Züge geliefert

Zwei Firmen der Högg Holding liefern Liftanlagen zum Einbau in die neuen Doppelstocktriebzüge der SBB. Gewichts- und Platzbeschränkungen erzwingen Spezialkonstruktionen.
Martin Knoepfel
Erste Versuche, ob die Minibar ins Liftgehäuse passt. Die Metallelemente dienen nur dazu, das Gewicht der Minibar zu simulieren. (Bild: PD (Wattwil, 29. März 2013))

Erste Versuche, ob die Minibar ins Liftgehäuse passt. Die Metallelemente dienen nur dazu, das Gewicht der Minibar zu simulieren. (Bild: PD (Wattwil, 29. März 2013))

WATTWIL/LICHTENSTEIG. Im Toggenburg werden die neuen Doppelstocktriebzüge, die die SBB bei Bombardier für den Intercity-Verkehr bestellt haben, wahrscheinlich nie eingesetzt. Aber sie werden dereinst ein Stück Toggenburger Technik durch die ganze Schweiz und, wenn es nach den Plänen der SBB geht, bis nach München fahren.

In den achtteiligen Doppelstocktriebzügen werden Warenlifte, die die Wattwiler Firma Simplify Engineering zusammen mit Bombardier entwickelt hat, eingebaut. Die SBB erhalten von Bombardier insgesamt 53 acht- und 9 vierteilige Doppelstocktriebzüge. Die vierteiligen Züge erhalten keine Lifte.

Für die Montage und die Auslieferung der Liftanlagen ist die Wattwiler Högg Liftsysteme zuständig. Die Lifte werden in Wattwil einbaufertig montiert. Den Einbau besorgt Bombardier. Das Toggenburger Tagblatt sprach mit den Geschäftsführern der Simplify Engineering AG und der Högg Liftsysteme AG, Patrick Gutknecht und Daniel Kressig.

Bistrolifte und Lifte für die Minibars

Zwei Lifttypen werden in die Züge eingebaut. Die 23 Intercity-Triebzüge erhalten Bistrowagen. Sie werden mit Warenaufzügen für Lasten von je 60 Kilogramm ausgerüstet. Diese sind 3,4 Meter hoch und haben Türen, die sich mit einer Hand öffnen lassen. Darauf wird in einem Flyer extra hingewiesen. Die Lifte in den Bistrowagen sind für Geschirr und Speisen gedacht, die zwischen dem oberen und dem unteren Stock transportiert werden.

Daneben werden 53 Minibar-Lifte geliefert. Sie werden in den 53 achtteiligen Doppelstocktriebzügen eingebaut. Die Minibarlifte sind mit einer Nutzlast von 180 Kilogramm deutlich stärker als die Bistrolifte, denn die Minibar wiegt unbeladen 120 Kilo. Von der Tragkraft her könnten die Minibarlifte Menschen befördern, sie sind dafür aber nicht zugelassen. Total werden 76 Liftanlagen geliefert. Zudem gibt es Optionen für weitere 91 Stück.

Platzmangel und Gewichtslimiten

Worin bestehen die speziellen Herausforderungen, wenn man einen Lift in einen Eisenbahnzug einbauen will? Man müsse massgeschneiderte Lösungen anbieten, die an die Anforderungen und Normen der Bahnen angepasst seien, sagen Gutknecht und Kressig. Standardkomponenten könne man nicht verwenden. Ein zentraler Punkt sei der Platzmangel. Zugleich müssten die Anlagen möglichst leicht sein, um Gewicht zu sparen und so den Energieverbrauch zu senken. Die Liftanlagen müssten aber solid gefertigt sein, da sie ständigen Vibrationen ausgesetzt seien. «Diese Lifte fahren mit Tempo 180», sagt Kressig. Weiter müssten sie Temperaturen von –40 bis +80 Grad aushalten. Dazu komme, dass die Lifte die Normen für Liftanlagen und die Normen für Eisenbahnrollmaterial erfüllen müssen, etwa die Brandschutznormen der Bahnen. Und Zulieferer müssten für die Fertigung für Eisenbahnen zertifiziert sein, etwa für die Schweissarbeiten.

Ansprechpartner in drei Ländern und Sprachräumen

Ungewohnt war laut Gutknecht und Kressig die grosse Zahl von Ansprechpartnern auf Kundenseite, total rund 50, oder doppelt so viele, wie die beiden Toggenburger Firmen Mitarbeiter zählen. Die Liftanlagen mussten für den Einbau an drei Orte in drei Sprachräumen geliefert werden, da Bombardier den Auftrag auf verschiedene Werke verteilte. Die ersten fünf Liftanlagen gingen ins ostdeutsche Görlitz. Die Minibarlifte werden im Werk Villeneuve im Waadtland eingebaut. Die Bistrowagen fertigt das Werk in Brugge in Flandern. Das Auftragsvolumen für die Liftanlagen beträgt ohne Optionen rund drei Millionen Franken.

Der Minibarservice bei den SBB endet 2017. Dennoch werden die Minibarlifte eingebaut, da die Doppelstocktriebzüge 30 oder 40 Jahre lang im Einsatz stehen werden und in dieser Zeit das Verpflegungskonzept wieder ändern kann. Die Simplify Engineering war im September erstmals an der Innotrans in Berlin, der wichtigsten europäischen Ausstellung der Bahnindustrie, präsent. Einige Messebesucher hätten Interesse an den Produkten gezeigt, sagt Patrick Gutknecht, der auf neue Aufträge hofft. Nicht aktiv sind die beiden Firmen hingegen im Markt für Lifts in doppelstöckigen Flugzeugen.

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