Wattwiler Alperösli – Jodel frisch ab Konserve

Für eine neue CD ging das Jodelchörli Alperösli Wattwil zu Alex Eugster vom Trio Eugster ins Tonstudio nach Dübendorf. Das Toggenburger Tagblatt hat die Jodlerinnen und Jodler am Mittwoch während der Aufnahmen begleitet.

Melanie Graf
Merken
Drucken
Teilen
Alex Eugster richtet die Mikrophone ein. Auf das Jodelchörli Alperösli wartet ein hartes Stück Arbeit bei der Aufnahme zu ihrer neuen CD. (Bild: mgr)

Alex Eugster richtet die Mikrophone ein. Auf das Jodelchörli Alperösli wartet ein hartes Stück Arbeit bei der Aufnahme zu ihrer neuen CD. (Bild: mgr)

wattwil/dübendorf. Singen ist ein hartes Stück Arbeit. Davon können die Mitglieder des Jodelchörlis Alperösli Wattwil wahrhaft ein Liedchen singen. Bereits viele Stunden haben sie in ihre neue CD investiert. Am Mittwochnachmittag hatten sie den dritten Termin bei Alex Eugster im Tonstudio. Mit vier Liedern, jeder Menge Lutschbonbons für den Hals, massenhaft Geduld und viel guter Laune fuhren die rund 20 Jodlerinnen und Jodler von Wattwil über den Ricken nach Dübendorf.

Alex Eugster, der mit seinen Brüdern Guido und Vic in den 1970ern grosse Erfolge feierte, führt seit dem Ende des Trio Eugsters ein eigenes Tonstudio an der Bettlistrasse. Nationale und internationale Interpreten produzierten ihre Tonträger bei Alex Eugster, insbesondere viele im Bereich der Schweizer Volksmusik. Und von Volksmusik versteht Alex Eugster jede Menge. Er selbst ist Komponist von volkstümlichen Schlagern und Jodelliedern. Die Jodlerinnen und Jodler haben sich zum Einsingen im Studio im Halbkreis formiert.

Dirigent Röbi Muheim übernimmt die Führung des Chors. Alex Eugster richtet die Mikrophone ein und zieht sich in den Regieraum zurück, macht seinen Arbeitsplatz bereit. Gemischt und geriegelt wird per Mausklick. «So, jetzt gilt es ernst, wir können beginnen», gibt der Leiter des Tonstudios durch ein Mikrophon ins Tonstudio bekannt. Von jetzt an muss jedes Husten und Räuspern unterdrückt werden. Alex Eugster drückt den Knopf zur Aufnahme, der Chor beginnt zu singen.

Gemeinschaftsprojekt

Vor den Jodlerinnen und Jodlern liegt noch ein ganzes Stück Arbeit. 13 Lieder soll die neue CD enthalten. Läuft alles gut, ist im Februar der letzte Aufnahmetermin in Dübendorf angesetzt. Das ganze Projekt steht aber erst am Anfang. Denn der Titel der CD steht noch nicht einmal fest. «Von der Liederauswahl zum Titel, über die Fotos bis zum Text, alles, was die CD enthalten soll, entscheidet der gesamte Jodelchor», sagt Dirigent Röbi Muheim.

Für viele Mitglieder sei die CD-Aufnahme eine neue Erfahrung, gerade mal eine Handvoll Leute sei bei der Aufnahme für die CD des 50-Jahr-Jubiläum im Jahr 1995 dabei gewesen, weiss Röbi Muheim. Welche Lieder in der CD präsentiert werden, wolle er noch nicht verraten. «Ich kann nur sagen, dass es Lieder und Naturjodel von namhaften Komponisten aus dem Toggenburg und aus der restlichen Schweiz sind». Das Geheimnis rund um die CD wird an der CD-Taufe am 29. Oktober 2011 im Restaurant Kongresshaus Thurpark in Wattwil gelüftet.

Spuren mischen

«Stop», ruft Alex Eugster aus dem Regieraum und hebt die Hand, es ist nicht das erste Mal, dass er unterbricht oder wiederholen lässt. Anlass dazu geben Ungereimtheiten in der Feinabstimmung von Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe. Feinheiten, die nur vom geübten Ohr zu erkennen sind. An einer Stelle ist es zu tief, an einer anderen Stelle zu kernig, da zu hart, hier zu leise, die Wortverbindungen sind zu undeutlich, jemand hat den Kopf vom Mikrophon weggedreht, ein anderer hat hörbar Luft geholt.

«Machen wir nochmals», fordert Alex Eugster auf, gibt ein paar Tips und Anweisungen und die Gruppe legt sich wieder mächtig ins Zeug. Auf dem Monitor des Computers sind die Spuren der verschiedenen Stimmen ersichtlich, die von den neun Mikrophonen im Studio auf den PC im Regieraum übertragen werden. Von mehreren Aufnahmen vom gleichen Stück kann er Spurenabschnitte austauschen, laute Töne leiser stellen und andere Abschnitte hervorheben. Um ein einzelnes Lied abzumischen, investiert Alex Eugster einen halben bis zu einem ganzen Tag.

Er lauscht konzentriert dem Jodel, kontrolliert die Spuren und nickt beinahe unmerklich mit dem Kopf, er wirkt zufrieden. Das Stück ist zu Ende. Alex Eugster klickt mit der Maus, schaltet die Aufnahme aus und sagt: «Perfekt. Die Töne waren rein». Pause. Die Mitglieder des Jodelchörlis lösen sich nach gut einer Stunde Aufnahme des gleichen Stücks von ihrer Haltung, vertreten die Beine, greifen zur Mineralwasserflasche, gehen hinaus vor die Türe frische Luft schnappen oder Kaffee trinken.

«Das läuft ja gut, dann können wir ja früher einkehren», sagt eines der Mitglieder und ein anderes entgegnet lachend: «Wart's nur ab, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben».