WATTWIL: Zweite Generation bekommt Flügel

2018 kann der Rigolo Swiss Nouveau Cirque sein 40-Jahre-Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass erlebt die letzte Produktion «Wings» eine Wiederaufnahme in St. Gallen. Zudem kommt es zu einem Generationenwechsel.

Michael Hug
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2014 feierte der Rigolo Swiss Nouveau Cirque mit «Wings» internationale Erfolge. Das Stück wird im Herbst erneut aufgeführt. (Bild: Urs M. Hemm)

2014 feierte der Rigolo Swiss Nouveau Cirque mit «Wings» internationale Erfolge. Das Stück wird im Herbst erneut aufgeführt. (Bild: Urs M. Hemm)

Michael Hug

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2014 war es eine Weltpremiere, und sie fand in St. Gallen statt: Die Produktion «Wings» («Flügel») des Wattwiler Rigolo Swiss Nouveau Cirque. Rund 50000 Zuschauer haben «Wings» in der Folge auf der Tour durch halb Europa gesehen. Es hätten noch mehr sein können, meint Mädir Eugster, Gründer des Rigolo, «aber es ist schwierig, geeignete Spielorte, sprich Hallen, für diese Produktion zu finden». Zudem haftet am Rigolo der Ruf, nicht exakt fassbar zu sein, nicht in eine Genre-Schublade zu passen. Ein «normaler» Zirkus ist es nicht, ein «normales» Theater auch nicht. Die Show, die Bilder, die Dramaturgie gehen tiefer als übliche Artistik und Klamauk beim Zirkus oder Handlung und Darstellung im Theater. Der Rigolo war nie so richtig fassbar, und zu erklären, was man eigentlich macht, war schwierig. Erst als der kanadische «Cirque du Soleil» mit zunehmendem Erfolg durch die Welt tourte, kam auch der Name für dieses Genre auf: Nouveau Cirque.

Doch im 40. Jahr seiner Existenz muss der Rigolo sich nicht mehr erklären. «Wings» machte viele Fans des «Nouveau Cirque» zu Rigolo-Fans – und umgekehrt. Doch die steigende Nachfrage konnte in der ersten Spielzeit nicht erfüllt werden. «Deshalb», so Nuria Eugster, «führen wir ‹Wings› anlässlich unseres Jubiläums nochmals auf und starten wieder in St. Gallen.» Nuria Eugster ist die zweite Tochter des Rigolo-Gründerpaars Lena Roth und Mädir Eugster. Sie steht für den Generationenwechsel beim Rigolo: «Meine Eltern wollen sich aus dem betrieblichen Teil zurückziehen, das Künstlerische liegt ihnen aber immer noch sehr am Herzen.» So hat Nuria Eugster mit dem St. Galler Kulturfestival-Produzenten Walti Boss die Rigolo GmbH gegründet, die «Wings» produziert und international vermarktet. «Die Firma produziert und verkauft die Show, mein Vater bleibt künstlerischer Leiter und gestaltet die Inhalte. Die Show bleibt die gleiche, auch die Darsteller sind die selben wie 2014».

Dass alle wieder dabei sein wollten, hätte sie erstaunt und berührt, sagt die Rigolo-Tochter: «Dabei sind diese Künstler mittlerweile weltbekannt und hätten auch andere Engagements annehmen können.» Zum Beispiel werde die Sanddorn-Balance mittlerweile von sieben internationalen Artisten weltweit aufgeführt, unter anderen auch von Lara Jacobs, der ältesten Tochter. Jacobs zeigt die Balance ab Ende Juli auf der Südamerika-Tournee des Cirque du Soleil. Bei «Wings» werde es wieder Marula Eugster, die Dritte im Eugster-Drei-Mädel-Haus, sein, die die Balance macht und damit auch die Hauptrolle im Stück spielt. Nuria Eugster: «Wir werden an der Show noch da und dort etwas optimieren, aber im grossen Ganzen bleibt ‹Wings› so, wie es vor drei Jahren uraufgeführt wurde.» Eugsters Plan ist langfristig ausgelegt: «Wir sind derzeit dabei, weitere Aufführungsorte zu suchen, das beschränkt sich nicht nur auf die Schweiz.» Schon «Wings I» ging ins Ausland – es wurde in Schottland und Deutschland aufg eführt.

Wiederaufnahme im Herbst in einer Olma-Halle

Für die Wiederaufnahme von «Wings» vom 16. November bis 17. Dezember 2017 hat Eugster eine Olma-Halle gebucht: «Das zeigt die Schwierigkeit bei ‹Wings›: Wir brauchen grosse, vor allem hohe Hallen, solche gibt es nicht übermässig viele in der Schweiz.» Man möchte zudem nicht mehr selber veranstalten, sondern nur spielen, meint die neue Rigolo-Managerin: «Ich stelle mir vor, dass ein Veranstalter die Show kauft und sich darum kümmert, dass die Sitzplätze verkauft werden. So wie ein Theaterhaus ein Theaterstück inklusive Ensemble oder ein Open Air die Bands engagiert.» Selbst zu veranstalten sei eben auch eine Frage der personellen Kapazität, sagt Eugster: «Da braucht es eine ganze Reihe von Spezialisten.»

20 öffentliche Vorstellungen sind in St. Gallen geplant. Gerade richtig zur Einstimmung während der Vorweihnachtszeit. «Wings» sei aber auch privat buchbar, so Eugster: «Zum Beispiel als Höhepunkt bei einem Firmen-Weihnachtsessen.»