WATTWIL: Zu wenig Fett gibt Abzug

Am alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellungsmarkt für Mastkälber in der Toggenburger Markthalle laufen viele Fäden zusammen. Der Ausstellungsmarkt für Mastkälber kurz erklärt.

Anna Gasser
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Jedes der Mastkälber ist mit einem ausführlichen Beschrieb über seine Herkunft, den Mastbetrieb oder Kategorie ausgestellt. (Bilder: Anna Gasser)

Jedes der Mastkälber ist mit einem ausführlichen Beschrieb über seine Herkunft, den Mastbetrieb oder Kategorie ausgestellt. (Bilder: Anna Gasser)

Anna Gasser

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Zwischen der Ankunft der drei bis vier Monate alten Kälber der Mastrassen Limousin, Angus, Charolais und Blonde d’Aquitaine sowie Original Braunvieh und deren Aufladen auf die Transportfahrzeuge, werden die rund 27 schlachtreifen Tiere gewogen und geschätzt. Sie werden gepunktet, ausgestellt und versteigert. Was nach einem vollen Tagesprogramm tönt, geht an diesem Montagmorgen in der Markthalle innerhalb von drei Stunden über die Bühne.

Ein Tier auf den Tag ausmästen ist eine Herausforderung

Finanziert wird der Markt durch die Auffuhr-Gebühren, mit Beiträgen der betreffenden Kantone und Kälbermästerverbände, Sponsorengeldern sowie Bandenwerbung. Die Tiere wiegen zwischen 200 und 250 Kilogramm und kommen aus Betrieben der Kantone St. Gallen und beiden Appenzell. Hand in Hand arbeiten Jakob Schnyder aus Netstal, Präsident Verein Kälbermarkt Wattwil, Wendelin Jud und Walter Frischknecht, Präsidenten der Kälbermästerverbände St. Gallen und beider Appenzell, sowie Ernst Rutz, Präsident der Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft zusammen, damit die Käuferschaft unter Auktionator Armin Raschle die Tiere zu den von der Branchenorganisation Pro Viande festgesetzten Marktpreisen ersteigern kann.

Welche Motivation hat der Kälbermäster, seine Tiere der Labels Qualitätsmanagement Schweizer Fleisch (QM), IP-Suisse oder Terra Suisse an diesem Tag in Wattwil versteigern zu lassen? Denn die Kälber genau auf den Stichtag auf das verlangte Gewicht zu bringen, sodass auch das Höchstalter von 160 Tagen und das zulässige Höchstgewicht je nach Qualitätseinschätzung durch die Pro Viande erreicht werden, ist eine Herausforderung. Es hängt von verschiedenen Faktoren auf den Mastbetrieben ab. Der Mäster kann sowohl Einzeltiere als auch eine Gruppe von mindestens vier Tieren verkaufen. Einerseits ist da das Bekanntwerden des eigenen Betriebs interessant für den Mäster, welcher im besten Fall höchstens 100 Tage braucht, um ein Tier optimal auszumästen. Andererseits erhält er für die beste Rangierung seiner Tiere eine Prämie.

Geringer Aufmarsch und wenig Spielraum

Nach dem Ausladen werden die Tiere gewogen und von zwei Experten der Pro Viande nach dem System «CH-TAX» geschätzt. Dabei steht jeder der Buchstaben für eine Qualitätsstufe des Schlachttieres. Die maximale Punktzahl beträgt 20 Punkte bei einer Taxierung in der höchsten Stufe C 3. Dieses Tier ist vollfleischig und hat eine mittlere gleichmässige Fettabdeckung. Punkteabzug gibt es für jedes Merkmal, das nicht dem Optimum entspricht, etwa Taxierung, Ausmastgrad, das heisst Fettanteil, Gewicht, Hautschäden und Alterslimite. So dürfen Tiere der Taxationsstufe C und H nicht mehr als 140 Kilogramm Schlachtgewicht auf die Waage bringen, während bei der Stufe T die Limite bei 130 Kilogramm liegt. Der Erlös des Mästers berechnet sich aus dem Gewicht des Tieres multipliziert mit dem an der Versteigerung erzielten Kilopreis pro Schlachtgewicht. Um 10 Uhr begann die Veranstaltung mit der Begrüssung durch Wendelin Jud und dem Vorlesen der Kaufbedingungen. Dann folgte die Versteigerung der Tiere. Sie liess bei mässigem Publikumsaufmarsch wenig Spielraum für Überraschungen offen. Schnell waren sich der Auktionator, der die Liste mit den von der Pro Viande bestimmten Preisen als Basis für das erste Angebot nahm, und Käuferschaft einig. Bei zwei Tieren, von zwei ruhigen Helfern vorgeführt, wurde zugeschlagen. Im Gegensatz zum Grossvieh hat der Kälbermäster keine Mindestpreisgarantie auf den von der Pro Viande festgesetzten Preis, sodass auch Tiere unter dem vom Auktionator verkündeten Preis zugeschlagen wurden.

Auffällig waren die Unterschiede bei Tieren, welche beispielsweise ein Gewicht von 200 Kilogramm in 140 Tagen erreicht hatten, während andere in derselben Zeit bereits 50 Kilogramm schwerer waren. Nach der Versteigerung wurden die Kälber in die Fahrzeuge verladen. Am Schluss erhielt jeder Aussteller einen Preis und seine Prämie.