WATTWIL: Wie man Vogelstimmen sehen kann

Die Jugendforschungsgruppe Academia der Kanti präsentierte am Mittwoch vor Ostern ihre Forschungsresultate. Es ging um Spinnen, Vögel und auch um Steven Hawking.

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Poster und konkrete Beispiele: Die jungen Forscherinnen und Forscher präsentierten ihre Arbeit und ihre Resultate einem breiten Publikum. (Bild: PD)

Poster und konkrete Beispiele: Die jungen Forscherinnen und Forscher präsentierten ihre Arbeit und ihre Resultate einem breiten Publikum. (Bild: PD)

Die Jugendlichen zeigten die Resultate des vergangenen Forschungsjahres. Höhepunkt des Jahres war die Lagerwoche in den Norden Dänemarks, wo zwölf Projektgruppen den Nationalpark Thy und seine Umgebung gründlich erforschten.

In seiner Einleitung zum Präsentationsabend schlug Rolf Heeb, Leiter der Academia und Physiklehrer an der Kanti, den Bogen von Steven Hawkings über die Naturwissenschaften bis zum Präsentationsabend. Hawking habe nichts wirklich «Brauchbares» geschaffen, welches beispielsweise den Alltag komplett verändere, ebenso wenig wie Franz Schubert, Herman Hesse und Pablo Picasso. Trotzdem möchte man die Werke dieser Künstler nicht missen, so Heeb. Intellektuelle Neugier, ob nützlich oder «nutzlos», sei ein Kulturgut.

Diese Jugendlichen zeigten die zwölf Forschungsprojekte, denen sie in den vergangenen zwölf Monaten nachgegangen sind, den Besucherinnen und Besuchern. Vier Gruppen präsentierten sich mündlich mit einem viertelstündigen Vortrag. Alle Gruppen haben ein Plakat gestaltet, Forschungsmaterial zur Veranschaulichung bereitgelegt und einen wissenschaftlichen Bericht zu ihrem Projekt verfasst.

Es wurden Spinnen beobachtet, Böden und Pflanzen der Dünen- und Heidelandschaften Dänemarks im Feld und im Labor analysiert, ein Atmosphären-Messgerät gebaut oder Pilze gesammelt und auf Schwermetall untersucht. Fachlich begleitet wurden die jungen Forscherinnen und Forscher von vier Lehrkräften der Kantonsschule Wattwil, wobei in der Forschung alle naturwissenschaftlichen Fächer berücksichtigt werden.

Vogelstimmen im Spektrogramm dargestellt

Besonders eindrücklich präsentierte die Projektgruppe «Vögel» ihre Resultate. Da der Nationalpark Thy ein beliebtes Vogel-Beobachtungs-Reservat ist, weil dort viele Zugvögel den Sommer verbringen, beziehungsweise auf ihrem Weg noch weiter in den Norden und zurück eine Rast einlegen, setzte sich die Gruppe zum Ziel, Vögel in Bild und Ton festzuhalten. War der Ton dann einmal auf dem Aufnahmegerät gespeichert, wurde er mit Hilfe einer mathematischen Formel in ein Bild transformiert. Es entstanden sogenannte Spektrogramme, welche es ermöglichen, den Vogelgesang zu visualisieren. Die mitgebrachten Bilder und Tonaufnahmen liessen die Besucherinnen und Besuchern des Präsentationsabends die Vogelstimmen sehen.

Ein aktuelles Thema griff auch die Projektgruppe «Mikroplastik» auf. Sie untersuchten Sandproben vom Strand des Meeres, eines Binnenmeeres und eines Sees in Thy. In allen Proben fand die Gruppe Mikroplastik. An den Meerstränden mehr als am See. Auch im Wasser und sogar in Fischinnereien, welche mit Lauge aufgelöst wurden, wurde die Gruppe fündig: Überall konnten sie eine grosse Anzahl «Filamente» nachweisen, das sind kleine, fadenförmige Plastikteilchen, die aus synthetischen Kleidern stammen und durchs Waschen im Gewässer und in den Fischmägen landeten.

Die Resultate wurde mit jener einer Studie der EPFL (Eidgenössisch Technische Hochschule, Lausanne) verglichen. Im Meer wurde mehr Mikroplastik nachgewiesen als in Schweizer Seen. Die EPFL hatte der Academia ein Schleppnetz für die Untersuchungen ausgeliehen, wie auch an der ETH und bei der ZHAW (Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften) Messungen durchgeführt werden durften. (pd/lim)