WATTWIL: Weihnachten mit viel Licht

Die Wattwiler Familie Zemp feiert Weihnachten unkonventionell, aber nicht weniger freud- und lichtvoll. Dies mit verschiedenen Installationen, einer Geschenkverlosung und einem Kerzenring als Christbaum.

Patricia Wichser
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Klaus Zemp zündet die Kerzen an, die auf einem grossen Ring aus Eisen befestigt sind. Der 69-Jährige aus Wattwil findet: Weihnachten soll so gefeiert werden, dass es für die Menschen innerlich stimmt. (Bild: Patricia Wichser)

Klaus Zemp zündet die Kerzen an, die auf einem grossen Ring aus Eisen befestigt sind. Der 69-Jährige aus Wattwil findet: Weihnachten soll so gefeiert werden, dass es für die Menschen innerlich stimmt. (Bild: Patricia Wichser)

Patricia Wichser

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«Das ist unser Christbaum», erklärt Klaus Zemp und zeigt auf den grossen Eisenring, welcher an der Decke befestigt und mit Kerzen bestückt ist. Vielleicht wird in die Mitte doch noch ein kleines Tännchen gestellt und der Ring mit ein paar Christbaumkugeln für die Grosskinder verziert. Das ist momentan noch offen. «Ich habe eine konservative und eine progressive Seele», meint der 69-Jährige schmunzelnd. Bis vor 15 Jahren stapelten sich jeweils zu Weihnachten noch im selben Raum 160 bis 200 Geschenke. Alle schenkten sich ein, zwei oder drei Sachen. Veronika und Klaus Zemp, die vier Töchter und zwei Pflegetöchter, alle Gotten und Göttis, Grosseltern und liebe Bekannte.

Glück und Zufriedenheit über die Festtage

Die Kinder wurden grösser und leben nun in ihrem eigenen Zuhause. An Weihnachten bringt jeder drei Päckli mit einem Wert zwischen fünf und zehn Franken. «Ein lustiges, ein nachdenkliches und eines für andere Menschen, beispielsweise eine Spende», erklärt Klaus Zemp. Die Geschenke verlosen die Familienmitglieder mit einem Spiel und verhandeln danach noch. Den Geschenke-Einkaufsstress kennt die Familie Zemp somit nicht. «Oftmals werden die kleinen Geschenke während dem Jahr eingekauft, wenn man etwas Schönes sieht», erzählt Klaus Zemp. Viele Leute entwickeln eine regelrechte Abneigung, jemandem zu Weihnachten etwas zu schenken. Zu den Geschenke-Gegnern gehört Klaus Zemp nicht. «Es ist etwas Schönes, jemandem etwas ‹z’lieb tuä›», begründet der Psychotherapeut.

Die Besonderheit, wie die Familie Zemp Weihnachten feiert, ist aber tiefgründiger. Die Zemps haben es geschafft, Weihnachten so zu feiern, wie sie es innerlich möchten, und empfinden dadurch Glück und Zufriedenheit. Schon als junger Mann mochte es Klaus Zemp, wenn die Tage länger wurden und der Frühling ­näherrückte. Die Sonnenwende ist am 21. Dezember. «Es ist ein tiefer Wunsch aller Menschen, dass es wieder mehr Licht gibt», erklärt der Wattwiler. Darum werden an Weihnachten Lämpchen montiert und Kerzen angezündet.

Identität von innen und von aussen

Klaus Zemp ist inzwischen Meister des Fachs «kreatives Lichterschauspiel». Jedes Jahr lässt er sich eine Lichter-Installation einfallen. «Meistens kommt die Inspiration in den letzten zehn Tagen vor Weihnachten», blickt er schmunzelnd zurück. «Das ist ein höchstes Vergnügen und ich bin weit weg von ‹das muss ich noch erfüllen›», meint er. «Es ist ein grosses Glück, wenn ein Mensch seine Phantasien in Wirklichkeit entstehen lassen kann, also dass sie dann mit der Wirklichkeit übereinstimmen», erklärt der Wattwiler. Das könne bei anderen Menschen aber auch ein wunderbares Essen oder sonstwas sein, so Klaus Zemp. Die Umsetzung gibt die Identität von innen und aussen, das ist es, was die Menschen glücklich und zufrieden macht. Bei der Familie Zemp sind es die Licht-Installationen. Die Töchter sind jeweils immer ganz gespannt, welcher Event wohl dieses Jahr auf die Familie wartet. Einmal war es ein Christbaum aus Holzbrettern und die Kerzen waren Holzwolle-Sticks. Einmal befestigte Klaus Zemp einen Vulkan an einer Installation, welche sich durch Antrieb einer Bohrmaschine im Kreis drehte. Ein anderes Mal war es ein grosser Holzstern mit vielen farbigen Lämpchen, der sich schnell drehte. Einen besonderen Effekt hatten zwei Leuchtstäbe, welche sich drehten und so für das menschliche Auge eine farbige Scheibe ergaben. «Das Fest des Lichtes soll im Herzen bleiben», sagt Klaus Zemp.

Der Holzstern mit den farbigen Lämpchen wird maschinell schnell ­gedreht. (Bild: Klaus Zemp)

Der Holzstern mit den farbigen Lämpchen wird maschinell schnell ­gedreht. (Bild: Klaus Zemp)

Dieser Vulkan dreht sich im Kreis und bringt Licht in die dunkle Dezembernacht. (Bild: Klaus Zemp)

Dieser Vulkan dreht sich im Kreis und bringt Licht in die dunkle Dezembernacht. (Bild: Klaus Zemp)