WATTWIL: Unsichtbare Mittelstufenschüler

Mit der Aktion «Toter Winkel» macht die Kantonspolizei St. Gallen Mittelstufenschüler im Toggenburg auf die Gefahr für Velofahrer und Fussgänger im Strassenverkehr aufmerksam.

Rino Hosennen
Drucken
Teilen
Sehen und gesehen werden: Der Blickkontakt zwischen Velofahrer und Chauffeur ist entscheidend. (Bild: Rino Hosennen)

Sehen und gesehen werden: Der Blickkontakt zwischen Velofahrer und Chauffeur ist entscheidend. (Bild: Rino Hosennen)

Rino Hosennen

rino.hosennen@toggenburgmedien.ch

«Polizisten der Abteilung Verkehrsinstruktion der Kantonspolizei St. Gallen kommen alle drei Jahre für die Aktion zum Thema ‹Toter Winkel› ins Toggenburg», sagt Wachmeister Urs Bär. Vergangenen Donnerstag startete die Demonstration beim Schulhaus Hofjünger in Wattwil. Die letzten Klassen an diesem Morgen, Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse des Schulhauses Krinau, sahen Urs Bär nicht zum ersten Mal. «Die Aktion ist Teil des verkehrserzieherischen Unterrichts, der in Kindergärten und Schulen von der Polizei durchgeführt wird», erklärt Bär, der als Verkehrspolizist regelmässig in Schulen unterwegs ist. Für diese Lektion sei die Mittelstufe der optimale Zeitpunkt. «Da ab diesem Alter viele Schüler mit dem Fahrrad zur Schule kommen und auf dem Radweg oder auf der Strasse unterwegs sind, sollten sie für diese grosse Gefahr im Strassenverkehr sensibilisiert werden. Auch wenn es nicht viele sind, gibt es deswegen immer wieder Unfälle.» Und der Name «toter Winkel» kommt nicht von ungefähr: «Die Unfälle enden für Fussgänger oder Fahrradfahrer meistens tödlich», betont Bär.

Abstand und Blickkontakt halten

«Der ‹tote Winkel› ist der Bereich, der trotz der vielen Spiegel für den Fahrzeuglenker nicht einsehbar ist», erklärte Bär im theoretischen Unterricht im Klassenzimmer. Die Schüler lernten die unbekannte Grösse Lastwagen kennen, erfuhren aber auch, dass es bei jedem Fahrzeug für den Fahrer schwer überblickbare Stellen gibt. Mit Bildern wurde dieses eingeschränkte Blickfeld aufgezeigt und verdeutlicht, wie Velofahrer neben und Fussgänger vor dem Lastwagen darin verschwinden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, erläuterte Bär die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen.

Im folgenden Anschauungsunterricht demonstrierte Verkehrspolizist Peter Weber die «toten Winkel» an einem Sattelschlepper, der neben dem Schulhausgebäude parkte und wie jedes Jahr vom Unternehmen Thomann Nutzfahrzeuge AG zur Verfügung gestellt wurde. Während ein Schüler langsam mit dem Fahrrad dem Lastwagen entlang nach vorne fuhr, durfte sich ein Zweiter in die Lage des Chauffeurs versetzen und beobachten, wie der Mitschüler im «toten Winkel» unsichtbar wurde. Im Führerhaus sitzend konnten die Kinder sehen, was der Führer sieht, oder eben nicht sieht. «Ich wusste, dass der Fahrer nicht überall hinsehen kann, aber es war erstaunlich, was ich alles nicht gesehen habe», sagt Schüler Simon. «Es kommt an», meint Bär. Die Erfahrung verhelfe zu einem besseren und bleibenden Bewusstsein. «Es bleibt einem besser, wenn man es selbst erleben kann.» Zum Schluss fanden selbst beide Klassen Platz im «toten Winkel» vor dem Lastwagen und verschwanden komplett aus dem Gesichtsfeld der Lehrerin Nadine Imhof auf dem Fahrersitz. «Ich finde es super, dass den Schülern die Gefahrenzone eins zu eins am Fahrzeug aufgezeigt wird.»

Abstand halten, laute die Devise, sei es hinter, neben oder vor dem Fahrzeug. Ebenso wichtig sei der Blickkontakt unter den Verkehrsteilnehmern: «Wenn ihr den Fahrer sehen könnt, sieht er euch auch», sagt Weber zum Schluss und hofft, dass die Schüler in Zukunft den «toten Winkel» erkennen und meiden.