WATTWIL: Ungebrochene Faszination des Hackbretts

Der zehnte Schweizer Hackbrett-Tag fand am Sonntag im Thurpark statt. Der Anlass bestätigte die anhaltende Popularität des Instruments und seine Vielseitigkeit.

Peter Küpfer
Drucken
Teilen
Ein Ausschnitt aus dem Hackbrett-Jugendorchester Schweiz, geleitet von Dirigent Urs Bösiger. (Bilder: Peter Küpfer)

Ein Ausschnitt aus dem Hackbrett-Jugendorchester Schweiz, geleitet von Dirigent Urs Bösiger. (Bilder: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

redaktion@toggenburgmedien.ch

Der Verband Hackbrett Schweiz organisiert den Schweizer Hackbrett-Tag alle zwei Jahre. In seiner zehnten Ausgabe fand der Anlass zum ersten Mal im Toggenburg statt. Den Besuchern bot der Tag viel: Workshops, ein Nachwuchskonzert am Nachmittag, eine Hackbrett-Ausstellung sowie ein Abendkonzert mit markanten Formationen.

Ab 11.30 konnten Angemeldete an zeitlich gestaffelten Workshops teilnehmen. Sie standen unter der Leitung von namhaften Musikern und Musikpädagogen. Die angebotenen Themen deckten ganz verschiedene Interessen ab und wandten sich sowohl an Anfänger und Interessierte als auch an Fortgeschrittene. So leitete Urs Bösiger, Dirigent des Hackbrett-Jugendorchesters Schweiz, ein Atelier zum Thema Zusammenspiel für Anfänger, während dessen Christoph Pfändler Tricks zeigte, wie man die ersten Schritte zur freien Improvisation wagen kann.

Hackbrett überzeugte auch beim Rock ’n’ Roll

Das Nachmittagskonzert zeigte auf, dass das Hackbrett sich nach wie vor grosser Beliebtheit erfreut, gerade auch bei Jugendlichen. Auf der Bühne konzertierten an die 25 Hackbrettspieler, unter ihnen auch bemerkenswert viele Hackbrett-Instrumentalistinnen. Die Darbietungen waren von den entsprechenden Lehrkräften vorbereitet worden und standen unter deren Leitung, oft im Zusammenspiel mit ihren Schülerinnen und Schülern. Die Darbietungen zeichneten sich durch fröhlichen Schwung und beachtliches Können aus. Begeisterung weckte auch der das Konzert abschliessende Auftritt des Hackbrett-Jugendorchesters Schweiz unter der Leitung von Urs Bösiger und Sofus Gleditsch. In den gespielten Titeln zeigte sich die ganze Vielfalt des Instruments, das auch bei Ausflügen in die Welt der Klassik überzeugte, sogar beim mitreissenden Rock ’n’ Roll.

Im Dialog mit dem Kontrabass

Ein grosses Abendkonzert schloss das Festival ab und bestätigte die Vielfalt des Instruments nun auf professionellem Niveau. Dabei traten drei namhafte Gruppierungen auf, mit ganz verschiedenen Schwerpunkten und Stilen. Zunächst überraschte die Gruppierung Hammer Sichel Unruh in einer mehr als halbstündigen Performance mit ungewohnten Klängen. Vier Hackbretter traten in einen Dialog mit dem Kontrabass und einer aufwendigen Perkussion. Die sechs Musiker erzeugten dabei himmlische bis höllische Klänge und imitierten zum Abschluss instrumental einen Wolkenbruch mit Windböen, die einem durch Mark und Bein fuhren.

Lieblicher ging es zu bei der Gruppe Drumlin, welche zu einer Fahrt von der Ostschweiz über Irland bis zum Hillbilly-Sound einlud. Schliesslich klang der Abend ruhiger, aber nicht weniger spannend aus mit der hiesigen Brandhölzer Striichmusig, welche im traditionellen Trachtengewand aufspielte.

Hackbrett – ein uraltes Instrument

Die Ursprünge des Hackbrettes liegen im Dunkeln. Studien orten die ersten Hackbretter in Persien, um das Jahr 1000. Untersuchungen von Reliefs aus Assyrien, zwischen dem neunten und dem siebten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstanden, zeigen ein Instrument, das mit grosser Wahrscheinlichkeit als ein Vorgänger des Hackbretts bezeichnet werden kann. Somit wäre das Hackbrett eines der ganz alten Instrumente der Welt. Die heute in Mitteleuropa gespielten Instrumente sind durchwegs chromatisch, d. h. alle Ganz- und Halbtöne sind vorhanden, und zwar über etwa drei Oktaven. Es gibt kaum eine Gegend der Welt, wo das Hackbrett nicht gespielt wurde.

Nur sehr alte Bäume eignen sich für den Werkzeugbau

Am Hackbrett-Festival in Wattwil waren im Ausstellungsraum prächtige Instrumente aktueller Hersteller zu bewundern, unter ihnen Marc Ramser und der Urnäscher Werner Alder. Wie Alder erklärte, muss das für ein Hackbrett verwendete Holz sorgfältig ausgewählt werden. Es eignen sich dazu nur sehr alte Bäume. Für ein Hackbrett, das Alder von A bis Z selbst fertigt, rechnet er an die 200 Stunden Arbeitszeit.