WATTWIL: Thur verlor Schlaufe

Vor 110 Jahren begann die Arbeit an der Thurkorrektion in Wattwil, bei der unter anderem der Flusslauf begradigt wurde.

Martin Knoepfel
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1841 zeichneten die Schüler von Reallehrer Johann Wiget eine Katasterkarte. Der Ausschnitt zeigt den Raum Wattwil (unten) bis Lichtensteig.

1841 zeichneten die Schüler von Reallehrer Johann Wiget eine Katasterkarte. Der Ausschnitt zeigt den Raum Wattwil (unten) bis Lichtensteig.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Im Zusammenhang mit den Plänen des Kantons für die Thur­sanierung in Wattwil lohnt sich ein Blick auf die Vorgeschichte der Thurkorrektion. Diese wurde in den Jahren 1907 bis 1914 realisiert. Diesem Grossprojekt ist ein Kapitel im 1997 gedruckten Buch «Wattwil. Zentrumsgemeinde im Toggenburg» gewidmet.

Erste Projekte für eine Thurkorrektion gehen auf die 1880er-Jahre zurück. Vor der Korrektion schlängelte sich die Thur durch die Ebene. Auf Wattwiler Gebiet war sie 9,2 Kilometer lang. Die Korrektion begradigte und verkürzte den Flusslauf um 650 Meter, was das Gefälle erhöhte. Erst nach der Thurkorrektion wurde das Gebiet Thurau überbaut.

Sehr gross waren die Eingriffe im Raum Rietwis-Rietstein. Wie man dem erwähnten Buch entnehmen kann, bog die Thur vor der Korrektion in der Färch scharf nach rechts ab und strömte in Richtung der erhöht verlaufenden Ebnaterstrasse. Ungefähr am Ort der heutigen Bushaltestelle Rietwis beschrieb die ThurAABB22– wieder in Fliessrichtung gesehen – eine Linkskurve und wechselte auf die andere Talseite in den Raum Rollenstrasse. Von dort querte die Thur die Ebene bis zum Rietstein-Areal.

Diese Schlaufen wurden bei der Korrektion abgeschnitten. Dann strömte die Thur in Richtung Lichtensteig. Bei der Einmündung des Schmidenbachs wurde die scharfe Kurve des Flusses gestreckt, damit die Thur die Strasse nicht unterspülte.

Dämme sanieren und Flussbett ausweiten

Vor der Korrektion stieg der Grundwasserspiegel in der Ebene an. Wiesen versumpften. Dafür war nicht nur der mäandrierende Fluss verantwortlich, sondern auch die Wehre, die an fünf Stellen das Wasser für Fabrik­kanäle stauten. Sie wurden bis 1914 fast alle entfernt. Von 1870 bis 1900 überflutete die Thur mehrfach die Ebene. Eine weitere Überschwemmung folgte 1910 und beschädigte die neuen Dämme in der Schomatten. 1937 und 1977 verursachten die Thur und Seitenbäche neue Überschwemmungen. 1990 trat die Thur zwar nicht über die Ufer, beschädigte aber den Damm in der Schomatten, der notfallmässig verstärkt werden musste.

Der Kanton will nicht nur die Dämme aus der Zeit der Thurkorrektion sanieren. Zugleich will er das Flussbett dort ausweiten, wo es nicht im Siedlungsgebiet verläuft (siehe Ausgabe vom 25.AABB22November 2016). Der Sanierungsabschnitt beginnt etwa 200 Meter oberhalb der Thurbrücke der Bahn zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel. Er erstreckt sich über fünf Kilometer zur Floozbrücke.

Weitere Informationen

www.thursanierung-wattwil.ch