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WATTWIL: Tagsüber Federer, nachts Rigozzi

44 Jahre, davon 34 in Wattwil, hat Theo Bannwart den Menschen bei der Steuererklärung auf die Finger geschaut. Ende Juli legt der Leiter des Steueramtes den Stift zur Seite und geht in Pension.
Beat Lanzendorfer
Theo Bannwart blickt auf ein ausgefülltes Berufsleben zurück. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Theo Bannwart blickt auf ein ausgefülltes Berufsleben zurück. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Herr Bannwart, Leiter des Steueramtes – erklären Sie uns Ihre Tätigkeit.

Das Gemeindesteueramt ist ein Dienstleistungsbetrieb. Ich bin für den Bürger da und habe mich gegenüber ihm immer verpflichtet gefühlt. Viele Fragen tauchten häufig im Zusammenhang mit den Steuern auf. Die Kunst war, zu erkennen, wo dem Bürger der Schuh drückt. Ich glaube, ich habe diese Gabe. Zuhören und Verstehen war dabei eminent wichtig.

Haben Sie einmal gezählt, wie viele Steuererklärungen Sie im Verlaufe Ihrer Karriere begutachtet haben?

Ich bin jetzt seit 34 Jahren auf dem Wattwiler Steueramt. Multipliziert man die Jahre mit der Anzahl erledigter Steuerveranlagungen, komme ich auf über 50 000.

Wann lachen Sie am Morgen eigentlich erstmals?

Ich bin ein positiv denkender Mensch und lache spätestens dann, wenn ich das Büro betrete. Mir war es immer ein Anliegen, mit aufgestellten Menschen zusammenzuarbeiten, die ihre Arbeit auch mit Freude verrichten.

Gibt es ein Steuergesetz, das immer wieder zu Diskussionen geführt hat?

Da fällt mir spontan das sogenannte «Stichtagsprinzip» ein. Als Beispiel der Kinderabzug: Ein Kind ist bis im November in der Ausbildung und geht danach einem Beruf nach. Während elf Monaten sind die Eltern für die Ausbildungskosten noch aufgekommen. Weil das Kind am 31. Dezember (Stichtag) nicht mehr in der Ausbildung war, ­können der Kinderabzug und die Ausbildungskosten auf der Steuererklärung nicht mehr geltend gemacht werden. Dies ist ein Widerspruch zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, auf der die Steuerveranlagung basiert. Ich habe immer gesagt, wenn mir die «Steuer-Firma» gehören würde, hätte ich das zu Gunsten der Steuerzahler angepasst.

Füllen Sie Ihre Steuererklärung eigentlich selber aus?

Aber selbstverständlich übernehme ich diese Aufgabe persönlich.

Wie lange benötigen Sie dafür?

Ich bin gut organisiert, sobald ich alle Unterlagen zusammengetragen habe, schaffe ich es in ein bis zwei Stunden. Ich bin ein Lohnbezüger und kein selbstständig Erwerbender, da ist das Ausfüllen etwas leichter.

Ist es auch schon vorgekommen, dass jemand aus Protest die Rechnung mit Fünfräpp­lern bar bezahlen wollte?

Aus meiner Amtszeit ist mir ein solches Ereignis nicht bewusst. Wer bezahlt schon gerne Steuern? (lacht)

Welches war das lustigste Erlebnis Ihrer Amtszeit?

Grundsätzlich besteht ein Steuergeheimnis, aber diese Anekdote darf ich sicher erzählen. Ein älterer Herr, er lebt nicht mehr, konsultierte mit seiner Katze den Tierarzt. Die Kosten hat er in seiner Steuererklärung unter den Krankheitskosten zum Abzug gebracht. In einem Telefonat habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, dass dies leider nicht geht. Darauf erwiderte er: Herr Bannwart, dann nehmen Sie die Kosten in den Liegenschaftsunterhalt, weil mir die Katze beim Mausen gute Dienste erweist. Natürlich war ein Abzug auch bei dieser Interpretation nicht möglich.

Gibt es auch Steuererklärungen, an denen Sie nichts zu beanstanden haben?

Die gibt es. Rund 20 Prozent aller Steuererklärungen sind korrekt und gut ausgefüllt. Bei den übrigen 80 Prozent müssen wir nachfragen oder es erfolgen begründete Korrekturen.

Wie viel Geld haben Sie der Gemeinde Wattwil gesichert, in dem Sie ein zweites Mal hingeschaut haben?

Ich sehe solche Sachen auf den ersten Blick, dazu braucht es kein zweites Hinschauen.

Mal angenommen, Sie dürften die Steuererklärung von Roger Federer unter die Lupe nehmen oder Christa Rigozzi beim Nachtessen näher kennenlernen. Für was entscheiden Sie sich?

Die Steuererklärung von Roger Federer schaue ich mir tagsüber an. Somit bleibt genug Zeit für das Nachtessen mit Christa Rigozzi. Aber ganz abgesehen davon: Es wäre natürlich schön, wenn Roger Federer seinen Wohnsitz hier bei uns in Wattwil hätte.

Versucht der Leiter des Steueramtes auch zu «bescheissen»?

Nein, «bescheissen» lohnt sich nie. Es gibt jedoch auch legale Steueroptimierungen. Meine Steuererklärung wird vom kantonalen Steuerkommissär geprüft.

Wann wussten Sie erstmals, dass Steuerbeamter Ihr Traumjob ist?

Das war bereits in meiner Lehre. Die Verbindung mit den Menschen und seinen Steuern schätze ich besonders. Es gibt ja nicht nur Einkommens- und Vermögenssteuern. Es gibt auch Erbschafts- oder Grundstückgewinnsteuern und viele weitere Steuerarten. Hier den Einwohnerinnen und Einwohnern bei Fragen behilflich zu sein, empfinde ich als sehr befriedigend. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Materie auch gar nicht trocken, sondern sehr interessant.

Bei Kindern und Jugendlichen sind Pilot oder Feuerwehrmann immer noch Traumjobs. War das für Sie nie eine Option?

Pilot wäre durchaus eine Option gewesen. Ich habe mit sechzig noch mit Gleitschirmfliegen angefangen. Vor dem Erwerb des Brevets reifte in mir dann aber die Erkenntnis, dass ich wahrscheinlich doch zu alt bin. Die Fliegerei hat mich aber schon gereizt.

Was müssen Sie vor Ihrem letzten Arbeitstag im Büro unbedingt noch erledigen?

An meinem letzten Arbeitstag wird ein Abschied organisiert. Das muss «unbedingt» erledigt werden, weil es mir ein Anliegen ist, mich von all meinen Mitarbeitenden im Gemeindehaus persönlich zu verabschieden. Wir hatten es über die Jahrzehnte immer sehr gut miteinander.

Was macht der Chef des Steueramtes, wenn er sich nicht mehr mit Zahlen oder Steuererklärungen befassen muss?

Das lasse ich auf mich zukommen. Reisen, Singen und Sport nehmen einen grossen Stellenwert ein. Als Tennisfreak bin ich sehr oft auch auf den Tennisplätzen in Mosnang und Bütschwil anzutreffen. Ich möchte mich weiter verbessern.

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