WATTWIL: Südamerikanische Glanzlichter

Das diesjährige Fiddlefest, zum zweiten Mal gemeinsam organisiert von der Kantonsschule Wattwil und der Musikschule Toggenburg, vereinigte an die hundert junge Musizierende und zwei Solisten aus Venezuela.

Peter Küpfer
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An die hundert jugendliche Musizierende spielten die triumphale Ouvertüre, am Dirigentenpult Hermann Ostendarp. (Bild: Peter Küpfer)

An die hundert jugendliche Musizierende spielten die triumphale Ouvertüre, am Dirigentenpult Hermann Ostendarp. (Bild: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

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Es traten in der hallenartigen katholischen Kirche Wattwil mit ihrer wuchtigen Innenraumgestaltung alle Generationen der fünfgliedrig organisierten Kinder- und Jugendorchester ABC, Intermezzo, Allegretto, Vivaldissimo und Il Mosaico auf. Sodann wurde zum Vergleich das Jugendmusikwerk «El Sistema» vorgestellt, in dem beide der in Venezuela aufgewachsenen Solisten, Hans Agreda und Allessandro D’Amico, wesentliche Impulse erhalten haben. Und schliesslich wurde in kurzen Gesprächen am Mikrofon mit den Solisten klar, wie stark sich die Ausgangslage für junge Musiker in einem Land wie Venezuela von der in der Schweiz unterscheidet. Und dass es auch überraschende Parallelen gibt.

Präzis und mit viel Freude

Auch das überaus vielseitige Programm gab Anlass zu Begegnungen. Zu Beginn trumpften alle fünf Orchester vereinigt mit einer mächtig brausenden Eröffnung auf (Händel). Dann war die Reihe an den ABC-Streichern, sie meisterten ein beschwingtes Quartett von Mary Cohen. Ebenso beschwingt ging es weiter mit Titeln amerikanischer Komponisten, welche die beiden Orchester Intermezzo und Allegretto gemeinsam intonierten – präzis und mit viel Freude. Auch bei rhythmisch und harmonisch sehr anspruchsvollen Stellen. Die Leitung hatte Ioan Gramatic.

Während der erste Teil des Programms aussereuropäische, insbesondere amerikanische Akzente setzte, ging es im zweiten Teil mit Glanzlichtern der europäischen Musik weiter. Vivaldissimo bestätigte sein grosses Können mit dem wahrhaft «gross» intonierten «Concerto grosso» in F-Dur und vier leidenschaftlichen Tangos (Leitung Hermann Ostendarp). Höhepunkt dieses Programmteils war Vivaldis wunderschönes Konzert für Fagott und Orchester in a-moll. Solist Hans Agreda, heute Kontra- fagottist im Tonhalle-Orchester Zürich, beeindruckte durch ein seelenvolles, nuancenreiches Spiel. Worauf der Solist sich in die Ränge setzte und neben Mit- fagottistin Nidia Hürlimann den Orchesterpart der vier Tangos mitspielte. Den krönenden Abschluss der eindrücklichen Gesamtproduktion gestaltete dann Il Mosaico in seiner bekannten Mischung aus Kontrolle, Präzision und Leidenschaft: Das jubilierende Konzert in a-moll für zwei Violinen und Streicher von Vivaldi mit den orchestereigenen Solistinnen Chiara Wyss und Cinzia Caracciolo, das Divertimento für Marimba und Streicher von Radamés Gnattali mit dem virtuos auftretenden Maturanden Oliver Rutz und, als krönenden Abschluss, Telemanns Konzert in G-Dur für Bratsche und Streicher, mit Solist Alessandro D’Amico, der mit einer wunderbaren Kombination aus technischer Meisterschaft und inspirierter Interpretation vollends zu begeistern und das Orchester mitzureissen wusste.

Mitreissender Schluss

Der letzte Titel, «Dama Antanona» von Francisco de Paula Aguirre in einem Arrangement von Roman Bislin-Wild, vereinigte noch einmal alle fünf Orchester und die beiden Solisten zum mitreissenden Schluss, es zauberte südamerikanische Atmosphäre ins Toggenburg. Das alles konnte nur zum einem führen: zu lang anhaltendem, intensivem und dankbarem Applaus.