Wattwil senkt den Steuerfuss

Der Gemeinderat von Wattwil geht von einem ausgeglichenen Budget fürs laufende Jahr bei Einnahmen von 43,5 Millionen Franken aus. Die Schulgemeinde Wattwil-Krinau hat einen Finanzbedarf von 17 Millionen Franken.

Martin Knoepfel
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Letztmals in dieser Zusammensetzung an der Bürgerversammlung: Gemeinde- und Schulrat Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

Letztmals in dieser Zusammensetzung an der Bürgerversammlung: Gemeinde- und Schulrat Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

WATTWIL. Lag es an den harmonischen Melodien des Harfenduos Melanie Bernhardsgrütter und Patricia Meier, die vor Beginn der Schulbürgerversammlung und in der Überleitung zur Bürgerversammlung in der katholischen Kirche erklangen? Oder an der vorösterlichen Stimmung? Kontroversen blieben am Mittwoch aus. Die Rechnungen 2015 und die Budgets 2016 der Schulgemeinde Wattwil-Krinau sowie der Politischen Gemeinde Wattwil wurden diskussionslos und einstimmig genehmigt. 207 von 5529 Schulbürgern waren gekommen. Bei der Politischen Gemeinde waren es 205 von 5390 Stimmberechtigten.

Veränderung im Zentrum

Die Zahl der Einwohner und der Arbeitsplätze steige wieder, und die Finanzlage habe sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, sagte Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. In den nächsten 10 bis 15 Jahren dürfte der Kanton alles in allem rund 350 Millionen Franken in Wattwil investieren. Der Gemeinderat wolle das Kantonsschulprojekt möglichst rasch in trockene Tücher bringen. Das sei aber erst mit der kantonalen Volksabstimmung der Fall, sagte der Gemeindepräsident. Er erwartet zudem, dass sich die Struktur des Zentrums mit der Umfahrung, mit der Entwicklung im Rietwis, mit der Bahnhofüberbauung und mit dem Neubau der Kantonsschule verändern wird.

Von tiefen Zinsen profitiert

Die Besserstellung der Rechnung 2015 ist teilweise auf Nachzahlungen von Steuern und auf Selbstanzeigen zurückzuführen. Ein weiterer Faktor war, dass Firmen mehr Steuern ablieferten als erwartet. Andererseits erhielt Wattwil weniger Mittel aus dem Finanzausgleich als budgetiert.

Die tiefen Zinsen führen dazu, dass Wattwil neue Fremdmittel zinsfrei oder für weniger als einen Prozent Zins erhält. «Investieren war noch nie so schön wie heute», freute sich der Gemeindepräsident. Einige der für letztes Jahr geplanten Projekte erlitten dagegen Verzögerungen durch Rechtsmittelverfahren. Der Überschuss von fast 3,2 Millionen Franken in der Rechnung wird weitgehend für Abschreibungen verwendet.

Fürs dieses Jahr geht der Gemeinderat von einem ausgeglichenen Budget mit Einnahmen von 43,5 Millionen Franken aus. Mit der Zustimmung zum Budget senkte die Bürgerversammlung den Steuerfuss um 2 auf 143 Prozent. Allerdings warnte der Gemeindepräsident, es sei noch unklar, welche finanziellen Folgen die Unternehmenssteuerreform III und die währungsbedingt tieferen Margen der Firmen zeitigten. Dieses Jahr will der Gemeinderat netto gut zehn Millionen Franken investieren. Eventuell beginnt man mit der Sanierung von Schiessanlagen. Der Bund subventioniert solche Projekte noch bis 2020.

Nicht ganz kostenneutral

Schulratspräsident Norbert Stieger wies unter anderem darauf hin, dass der neue Berufsauftrag trotz grossem Verwaltungsaufwand ohne grosse Probleme umgesetzt werden konnte. Unschön sei aber, dass das Departement versprochen habe, die Einführung sei kostenneutral. Das gilt offenbar nur, wenn man den Anstieg der Lohnsumme um 0,8 bis 1 – an einigen Orten 2 – Prozent noch als kostenneutral ansieht. Froh ist Norbert Stieger über den Personalpool für Lektionen. Das ermögliche in einem gewissen Rahmen den Erhalt der guten Schulstruktur mit Mehrjahrgangsklassen in den Aussengebieten. Wattwil ist hier eine von acht Pilotgemeinden.

Dass die Rechnung der Schulgemeinde besser ausfällt als budgetiert, kommt den Politischen Gemeinden Wattwil und Gommiswald zugute. Im Budget 2016 steigt der Personalaufwand gegenüber 2015 um rund 0,4 Millionen Franken. Gründe sind unter anderem der automatische Stufenanstieg und höhere Einstiegslöhne für Lehrkräfte sowie die Übernahme der Kosten für die heilpädagogische Förderung. Der Finanzbedarf der Schule beträgt 17,1 Millionen Franken. Auf Wattwil entfallen 16,8 und auf Gommiswald 0,3 Millionen.