Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WATTWIL: Schnell, präzis und schreiend

In der Kampfsportart Kendo sind Rituale, Körperbeherrschung, Disziplin und die Achtung des Gegners zentral. Die Schweizer Meisterschaft vom Samstag hat die Lebensphilosophie der «japanischen Fechter» illustriert.
Urs Huwyler
Der weisse und rote Bändel am Rücken des Kämpfers zeigt, für wen der Schiedsrichter wertet. (Bild: Urs Huwyler)

Der weisse und rote Bändel am Rücken des Kämpfers zeigt, für wen der Schiedsrichter wertet. (Bild: Urs Huwyler)

Wer als Laie einen Kendo-Wettkampf wie die Schweizer-Meisterschaft in der Grüenau-Halle Wattwil besucht, sollte mehr Zeit einplanen als für einen Fussballmatch. Die erste Stunde wird der Unwissende in der fremden, exotisch anmutenden Welt beobachtend und zwischen vorwiegend blau – und selten weiss - gekleideten Kendokas ungläubig staunend unterwegs sein. Vor allem die ohrenbetäubenden Schreie der Aktiven wirken beim Eintritt in die Arena irritierend.

Schon das Anziehen der Maske entspricht vor dem Kampf mit dem «Shinai» einem Ritual. (Bild: Urs Huwyler)

Schon das Anziehen der Maske entspricht vor dem Kampf mit dem «Shinai» einem Ritual. (Bild: Urs Huwyler)

Nach dem ersten Überblick gilt es sich in der zweiten Stunde an Fachleute heranzupirschen. Der Ledenschurz erleichtert einiges. Darauf sind Name des Clubs und der Kampfkünstler zu finden. Die Reaktionen der zuvor aggressiv kämpfenden, nun aber friedlichen Neuzeit-Samurais fällt immer gleich aus: Zuerst quittieren sie die Fragen mit einem Lachen und dem Trostpreis-Satz, sie könnten verstehen, dass Mann nicht verstehe, was da abgehe.

Immerhin wird klar: Das Bambus-Schwert der japanische Traditionssportart Kendo (Weg des Schwerts) heisst «Shinai». Mit dem sollte der Gegner am Unterarm, Kopf, an der Hand, der Kehle oder dem Rumpf getroffen werden. Drei Richter signalisieren durch das Zeigen der roten oder weissen Fahnen demokratisch, ob der Treffer zählt. Nach zwei Punkten oder maximal fünf Minuten verbeugen sich die Kämpfer. Der intensive Kampf ist vorbei.

Gezielter Schrei signalisiert Bereitschaft

Der Augenkontakt durch die Maske ermöglicht eine psychologische Kampfführung. (Bild: Urs Huwyler)

Der Augenkontakt durch die Maske ermöglicht eine psychologische Kampfführung. (Bild: Urs Huwyler)

Das System ist erkannt. Ein Problem allerdings bleibt: Die Bewegungen der in allen Tonlagen schreienden Kendokas sind zu schnell, zu präzis ausgeführt, um die Treffer mit ungeschultem Auge zu erkennen. Spannend bleibt es trotzdem. Den Schrei setzten jugendliche Kämpfer und Kinder ebenso gezielt ein wie Internationale. Um einzuschüchtern, die eigenen Bereitschaft zu signalisieren, um Spannung aufzubauen und um das Ziel des Angriffs auszurufen. Wiederholt blockieren sich die Kämpfer Maske an Maske, können sich Auge um Auge mustern. «Psychologische Kampfführung»? Möglich. Wieder ist Staunen angesagt. Bei Team-Schweizer-Meister Zürich hat im Final eine Frau die Basler Männer das Fürchten gelehrt. «Es kommt nicht nur auf die Kraft, sondern vor allem die Technik, Taktik, das Reaktionsvermögen, die Erfahrung an», erklärt Daniela Kimura, deren japanischer Mann und der landesweite Kendo-Förderer, ihre Kinder und der 70-jährige Vater ebenfalls Kendo kämpfen.

Wie bei den meisten Kampfkunst-Sportarten handelt es sich nicht nur um einen Sport, sondern eine (Lebens)-hilosophie. Rituale gehören dazu. Wer die Halle betritt, zieht die Schuhe aus, verneigt sich, Jubelposen nach einem Treffer sind verpönt.

Der respektvolle Umgang miteinander ist eine Grundvoraussetzung. Entscheide der Schiedsrichter werden von den Zuschauern auch ohne Videobeweis diskussionslos akzeptiert. Über Disziplin wird nicht diskutiert, sondern sie wird gelebt. Und wer sich nicht daran hält? Die Antwort fällt in Form eines alles aussagenden Lächelns aus.

Kendo ist im Toggenburg im Aufbau

Organisiert wurde die Schweizer-Meisterschaft in Wattwil durch die Sektion Kendo der Kampfkunstschule Xing Wu Guan von Peer Steinkellner unter Leitung von Andreas Hnatek, einem Förderer der Toggenburger Kampfsportszene. In Wattwil befindet sich die Kendo-Szene im Aufbau. An der Schweizer-Meisterschaft haben die Trainer Oliver Harder und Andreas Kammerer, sowie dessen Ehefrau und Kinder aktiv teilgenommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.