WATTWIL: Raumkonzept wird überarbeitet

Die Region Toggenburg entwickelt das Raumkonzept weiter und gibt es in die Vernehmlassung bei ihren Mitgliedern. Ein Immobilienfachmann rät dazu, vor allem Firmen anzusiedeln, die günstiges Land brauchen.

Martin Knoepfel
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Diejenigen Toggenburger Gemeinden wachsen, die für den Individual- und für den öffentlichen Verkehr gut erschlossen sind. Ein Beispiel ist Bütschwil. (Bild: Anina Rütsche (18. Februar 2016))

Diejenigen Toggenburger Gemeinden wachsen, die für den Individual- und für den öffentlichen Verkehr gut erschlossen sind. Ein Beispiel ist Bütschwil. (Bild: Anina Rütsche (18. Februar 2016))

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch

An ihrer Herbstversammlung am Montagabend im Thurpark stellte die Region Toggenburg die Nullversion des Raumkonzepts vor. Es wurde erarbeitet, weil die anderen Regionen des Kantons St. Gallen in Agglomerationskonzepte eingebunden sind.

Das bisherige Modell der Raumplanung sei an Grenzen gestossen, sagte der Präsident der Vereinigung, Alois Gunzenreiner. Eine fürs Toggenburg gefährliche Entwicklung sieht er bei immer strengeren Regelungen für das Bauen ausserhalb der Bauzonen. Man müsse fordern, dass bisherige Streusiedlungsgebiete sinnvoll genutzt und landschaftsverträglich erneuert werden könnten. Es liege im Interesse des Toggenburgs, sich hier einzubringen. Die Streusiedlungen zählten zum kulturellen Erbe und zum Landschaftsbild. Zeitgemässes Wohnen in bestehenden Objekten brauche Spielräume, sagte Alois Gunzenreiner und wies darauf hin, dass fast 30 Prozent der Bevölkerung der Region nicht in den Bauzonen leben. Schliesslich forderte er, die Sanierung der Wasserfluhstrasse im nächsten Strassenbauprogramm mit der Priorität A aufzuführen. Den Zustand der Strasse bezeichnete er als «desolat».

Preisvorteil des Toggenburgs bleibt erhalten

Der Wahlkreis Toggenburg habe seit 2008 ein Bevölkerungswachstum von 0,5 Prozent zu verzeichnen. Im Kanton St. Gallen seien es neun und in der Schweiz zwölf Prozent, sagte Dominik Matter, einer der Gründer der Firma Fahrländer Partner Raumentwicklung. Erst seit 2013 steige die Bevölkerung im Toggenburg. Seit 2015/2016 sei das Bevölkerungswachstum etwa gleich stark wie im übrigen Kanton. Wachstum sei dort zu finden, wo die Erschliessung auf der Strasse und mit dem öffentlichen Verkehr gut sei, sagte Dominik Matter. Zuzüger kämen vor allem aus der Region Wil und aus den anderen ans Toggenburg angrenzenden Gebieten bis nach Winterthur. Grund für den Umzug ins Toggenburg sind laut Dominik Matter die günstigeren Einfamilienhaus-Preise und Mieten. Eine gute Nachricht fürs Toggenburg sei laut Dominik Matter, dass sich die Preise im Grossraum Zürich und im Toggenburg weiterhin parallel entwickeln – seit 2016 sind sie rückläufig –, sodass das Toggenburg weiterhin billiger bleibe als die Region Zürich und die Zuwanderung anhalten dürfte. Bei Auszonungen im Toggenburg könnte der Preisvorteil der Region verschwinden.

«Tiefes Preisniveau als wichtiger Standortvorteil»

Arbeitsplätze sind wichtig fürs Bevölkerungswachstum. Die Arbeitsplätze im Toggenburg liegen laut Dominik Matter überwiegend in wenig zukunftsträchtigen Branchen. Allerdings seien seit 2008 Arbeitsplätze in wertschöpfungsschwachen Branchen zu Gunsten von Jobs in wertschöpfungsstärkeren Branchen verschwunden. Nach Ansicht des Referenten wird es dem Toggenburg nicht gelingen, Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung – IT, Hedge Funds oder Medtech-Industrie – anzuziehen. Ratsam sei es, dass das Toggenburg sich auf Firmen mit tieferer Wertschöpfung konzentriere, die günstiges Land brauchten.

Fahrländer Partner habe mit dem eigenen Modell bis 2040 fürs Toggenburg ein Wachstum von 9000 Personen errechnet. Der Kanton komme mit seinem Modell nur auf 4000 Personen, betonte der Referent. Das vom kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation verwendete Prognosemodell sei nach Ansicht von Dominik Matter mit einer klaren Lenkungsabsicht konstruiert worden und habe nichts mit dem Markt zu tun. Es funktioniere nur, wenn es gelinge, 81 000 Personen im Kanton dort unterzubringen wo der Kanton es wünscht.

Solange der Kanton nicht zeige, dass das gelinge, seien Auszonungen im Toggenburg sinnlos, denn die Menschen würden sich in anderen Kantonen niederlassen. Entscheidend sei, ob die Ausnützungsreserven konsumiert werden. Nach den Erfahrung in der Stadt Zürich bezweifle er das, sagte Dominik Matter. «Zögern Sie Auszonungen so weit als möglich hinaus, denn Wiedereinzonungen sind nicht möglich.» Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem Kanton Aargau riet der Referent, eine S-Bahn-Verbindung ohne Umsteigen nach Zürich anzustreben.

Joëlle Zimmerli ist Inhaberin des Planungsbüros Zimraum. Im Toggenburg gebe es – Stand 2015, ohne Kirchberg und Lütisburg – 12 510 Arbeitsplätze , umgerechnete auf Vollzeit-Äquivalente. Von 1995 bis 2001 sei die Zahl der Arbeitsplätze um 10 Prozent gesunken. Dann habe sie sich stabilisiert, und seit drei Jahren wachse die Zahl der Arbeitsplätze. Das Toggenburg ist laut Joëlle Zimmerli eine Region der produzierenden Unternehmen. Stark sei die Entwicklung wissenschaftlicher und technischer Kleinfirmen und Dienstleister. Sie böten rund 1000 Arbeitsplätze an. Die Inhaber wohnten auch im Toggenburg, sagte die Referentin. Chancen für Arbeitsplätze sieht sie in der Milch- und Fleischproduktion sowie in der Holzverarbeitung. Starke Pendlerströme gebe es vor allem im Norden, mit den Regionen Wil, St. Gallen und Hinterthurgau, sagte Joëlle Zimmerli.

«Die eigenen Stärken hervorheben»

Man müsse die hohe Lebensqualität betonen, damit Pendler das Toggenburg anschauten, wenn sie einen Wohnsitz suchten. Das forderte Daniel Blatter, Geschäftsführer der Region Toggenburg. Zudem müsse man darauf hinweisen, dass es im Tal qualifizierte Arbeitskräfte gebe und dass die Region von allen Seiten her gut erreichbar sei. Generell gelte es, statt zu jammern die eigenen Stärken hervorzuheben. «Das Toggenburg ist keine Randregion.» Daniel Blatter nannte als Beispiele die Nähe zur A1. Weiter sei das Toggenburg die zum Flughafen Zürich nächstgelegene Region, in welcher dank der «Lex Bonny» Steuervorteile bei der Ansiedlung von Unternehmen winken würden. Konkret schlug Daniel Blatter vor, einen Leitfaden für den Um- und Neubau landwirtschaftlicher Bauten ausserhalb der Gemeinde zu erarbeiten. Das nütze allen.