WATTWIL: Mut und Leidenschaft

Vergangenen Donnerstagabend fand an der Kantonschule Wattwil die Prämierungsfeier der besten Maturaarbeiten und Selbstständigen Arbeiten statt. Ausgezeichnet wurden auch vier Toggenburger Maturanden.

Rino Hosennen
Drucken
Teilen
Bei der Preisverleihung: Prorektor Johannes Horschik und die Preisträger Anja Zahner, Giulia Jacober, Tatjana Kühne, Livia Coretti, Oliver Rutz, Laura Frei, Linn Ehrbar und Jana Tinner (von links). (Bild: Rino Hosennen)

Bei der Preisverleihung: Prorektor Johannes Horschik und die Preisträger Anja Zahner, Giulia Jacober, Tatjana Kühne, Livia Coretti, Oliver Rutz, Laura Frei, Linn Ehrbar und Jana Tinner (von links). (Bild: Rino Hosennen)

Rino Hosennen

rino.hosennen@toggenburgmedien.ch

In der Begrüssungsrede thematisierte Prorektor Johannes Horschik das Spannungsfeld zwischen Meinung und Tatsache, Subjektivität und Objektivität, in welchem sich die Schülerinnen und Schüler während des Entstehungsprozesses einer Abschlussarbeit befinden. Auf der einen Seite der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen und die persönliche Meinung einzubringen. Und auf der anderen Seite die Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit, die eine objektive Herangehensweise und auf Fakten fundierte Schlussfolgerungen verlangen. Er kommt zum Schluss, dass es zwar die wissenschaftliche Grundlage brauche, es aber nicht die objektiven, von Gefühlen und Interesse unbeeinflussten Aussagen, sondern die persönliche Betroffenheit und das grosse Interesse – die in den Arbeiten spürbare Leidenschaft für das Thema – seien, die eine ausgezeichnete Arbeit ausmachten. Der überdies grosse Mut, den die Preisträger mit der Wahl ihres Themas zeigten, und die Leistungen, die oft weit über die Anforderungen einer Maturaarbeit oder Selbstständigen Arbeit hinausgingen, führten zu dieser Auswahl an herausragenden Arbeiten. Dem Prämierungskomitee sei der Entscheid auch dieses Jahr sehr schwer gefallen.

In fünfminütigen Kurzvorträgen stellten daraufhin die Preisträger ihre Arbeiten vor. Lehrkräfte der Kantonschule traten als Laudatoren auf, hoben die besonderen Qualitäten der ausgezeichneten Arbeiten hervor und leiteten mit Anekdoten die Vorträge ein.

Die prämierten Arbeiten im Überblick

Livia Coretti aus Jona produzierte aus einer mit Freunden entwickelten Kindergeschichte das Kinder-Hörspiel «S’Murmeli entdeckt d’Welt». Vom Hörspiel-Skript über den Schnitt bis hin zur CD-Gestaltung machte sie alles selbst.

Giulia Jacober aus Kaltbrunn liess eine tote Sprache wieder aufleben und schrieb ein Plädoyer für die lateinische Sprache. Sie setzte sich mit der Stellung des Lateins an Schweizer Gymnasien auseinander und forschte nach den Gründen für ihren Bedeutungsverlust.

Tatjana Kühne aus Oberhelfenschwil führte eine Analyse einer Vergewaltigung und seiner Folgen durch. In einem Erfahrungsbericht arbeitete sie ausserdem die traumatische Erfahrung ihrer eigenen Vergewaltigung auf. Entstanden ist das Buch «Vergewaltigt.»

Jana Tinner aus Kirchberg forderte ihre Kreativität heraus und schuf eine Eigenkomposition für Klavier. Die «Fantasie in drei Sätzen» thematisiert sowohl die Konflikte als auch das Zusammenspiel von Gegensätzen. Ihr anschliessendes Vorspiel aus der Komposition gab Einblick in ihre eigentliche Arbeit.

Oliver Rutz aus Bächli (Hemberg) wollte mit seiner Arbeit der kunstschaffenden Welt etwas zurückgeben und komponierte ein Stück in Anlehnung an drei Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das Werk heisst «…über Gänse» und wurde am 16. Februar in Wattwil uraufgeführt.

Linn Ehrbar aus Wolfertswil «liess sich vom Blick aus dem Klassenzimmer inspirieren». Sie arbeitete die reichhaltige Vergangenheit des Klosters St. Maria der Engel in Wattwil auf. Dabei analysierte sie die wichtigsten Momente seiner Geschichte, um zu erklären, warum das Kloster bis heute erhalten blieb.

Anja Zahner aus Kaltbrunn begab sich ins Reich der theoretischen Physik und nahm sich Photonischen Kristallen an, Strukturen im Nanometerbereich. Sie beschrieb und berechnete mit einem eigens dafür entwickelten Programm das Reflexionsspektrum der photonischen Kristalle des Morphofalters.

Laura Frei aus Kaltbrunn tauchte ein in die Welt der Taxidermie, «die Kunst das Leben zu konservieren». Die verschiedenen Methoden des alten Kunsthandwerks lernte sie von einem professionellen Präparator oder brachte sie sich selbst bei. Als Endprodukt stellte sie drei Tierpräparate her.

Es folgte die offizielle Preisverleihung und das Ausgangspiel von Haruhi Untersander und Delia von Bechtolsheim am Klavier, die für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen des Abends sorgten. Der anschliessende Apéro bot die Möglichkeit, im persönlichen Austausch mit den Preisträgerinnen und dem Preisträger den Abend ausklingen zu lassen.

Das Toggenburger Tagblatt wird die prämierten Arbeiten aus dem Toggenburg in loser Folge genauer vorstellen.