WATTWIL: «Mit Risiken kann man Geld verdienen»

Das Marktumfeld für Anlagen ist schwierig. Und wo es gute Möglichkeiten gibt, sind auch die Risiken nicht weit entfernt. Dies war am Finanzapéro der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg zu erfahren.

Ruben Schönenberger
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Thomy Zünd, Senior Portfolio Manager der Notenstein La Roche Privatbank AG, zeigte Tips auf für eigene Anlagen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Thomy Zünd, Senior Portfolio Manager der Notenstein La Roche Privatbank AG, zeigte Tips auf für eigene Anlagen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@­toggenburgmedien.ch

«Momentan ist es eher schwierig, gute Anlagen zu finden», sagte Rolf Brunner gleich zu Beginn des Finanzaperos. Brunner ist Leiter Finanzberatung der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg, die den Informationsanlass in Wattwil zusammen mit der Raiffeisenbank Oberes Toggenburg durchführte. Er zeigte sich deshalb erfreut, mit Thomy Zünd ­einen Spezialisten für die Veranstaltung gefunden zu haben. Zünd ist Senior Portfolio Manager der ebenfalls zum Raiffeisen-Konzern gehörenden Notenstein La Roche Privatbank AG.

Der Ausblick ist positiv, die Wirtschaft wächst

Trotz des schwierigen Marktumfelds konnte Zünd in der Folge den zahlreich erschienenen Gästen nützliche Informationen und auch ein paar Tips für ihre eigenen Anlagen geben. Er arbeite sich dabei vom Allgemeinen zum Speziellen vor. So stieg er in ­seine Erläuterungen mit einem Blick auf die Einkaufsmanagerindizes ein. Diese fassen zusammen, wie die Unternehmen ihre eigene Lage einschätzen. Seit dem zweiten Halbjahr ist hier ein positiver Ausblick zu vermerken, die Wirtschaft wächst. Auch die Befürchtungen bezüglich des Euroschocks hätten sich nicht bewahrheitet. «Wenig erstaunlich», findet Zünd.

Die Schweiz sei sich gewohnt, auch in solchen Situationen kompetitiv zu bleiben. «Der Euro lag ja sogar mal bei 1.65 Franken.» Man müsse aber auch festhalten, dass das Wachstum derzeit durch staatliche Massnahmen unterstützt werde. Ein grosses Thema waren selbstredend die tiefen Zinsen, die viel zum für Anlagen schwierigen Marktumfeld beitragen. Zünd konnte hier keine Entwarnung geben: «Die Zinsen werden noch eine Weile tief bleiben.»

Das sei hauptsächlich der tiefen Inflationsraten beziehungsweise gar der Deflation geschuldet. Die Nationalbank – und auch weitere Zentralbanken – bekämpften dies. Durch deren Gegenmassnahmen komme jedoch mehr Geld ins System und das führe dazu, dass Geld günstiger werde. Bei den Staatsanleihen lässt sich seit Jahren ein Trend zu sinkenden Zinsen beobachten. Allerdings könnte sich hier eine Zinswende abzeichnen. Das liege auch am neuen US-Präsidenten Donald Trump. Wenn er die Produktion ins eigene Land zurückhole, wie er so oft angekündigt habe, dann würden damit auch die Produkte teurer werden. Es ergebe sich ein Inflationsdruck.

Eine Art Risikowarnung

Zum Thema Trump gibt Zünd aber auch eine Art Risikowarnung raus. Die aktuell guten Marktentwicklungen in den USA seien eher Zufall, als dass sie bereits das Resultat der Arbeit des neuen Präsidenten wären. Man müsse im Gegenzug heute aber damit rechnen, dass ein einziger präsidialer Tweet ganze Unternehmen um beträchtliche Werte bringen könne. Das Wort «Risiko» fällt auch sonst immer wieder an diesem Abend. So zum Beispiel, wenn Zünd Obligationen und Aktien gegeneinander abwiegt. Letztere hätten zwar mehr Potenzial, aber eben auch mehr Risiko. Trotzdem seien sie zurzeit sehr beliebt. Das liege vor allem daran, dass sie im Vergleich zu Obligationen historisch günstig seien. Lange waren Aktien auch für sich alleine betrachtet güns­tig, zumindest das scheint sich aktuell aber zu ändern. Bei Aktien versucht Zünd sich möglichst antizyklisch zu verhalten: «Wenn alle davon reden, wie gut eine Aktie ist, ist es vermutlich schon zu spät.» Zu den klassischen Obligationen gebe es aber noch weitere Alternativen als nur Aktien. Zünd erwähnt beispielsweise Schwellenländeranleihen, die nach wie vor relativ sicher seien und gute Renditemöglichkeiten böten. Allerdings, so präzisiert Zünd auf die Nachfrage eines Gastes, müsse man diese gegen Währungsverluste absichern.

Ganz grundsätzlich hält Zünd abschliessend fest: «Ri­siken sind in unseren Köpfen ­negativ assoziiert. Man kann ­ mit ihnen aber auch Geld ver­dienen.»