WATTWIL: Mit Geduld und ohne Hauruck

Langläufer Beda Klee bereitet sich nach Absolvierung der Spitzensport-RS mit dem Swiss-Ski-Kader vorwiegend im nationalen Langlaufzentrum Davos auf die Saison 2017/18 vor.

Urs Huwyler
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Beda Klee (vorne) und Gian-Flurin Pfäffli skaten im Gleichschritt ins Dischmatal. Auf dem Laufband im Kraftraum trainiert Klee später auch die klassische Technik. (Bild: Urs Huwyler)

Beda Klee (vorne) und Gian-Flurin Pfäffli skaten im Gleichschritt ins Dischmatal. Auf dem Laufband im Kraftraum trainiert Klee später auch die klassische Technik. (Bild: Urs Huwyler)

Am Supporter-Abend vor einem Jahr waren sich die beiden Beda Klee-Förderer Christoph Eigenmann und Reto Hänni wie ihre Mitstreiter einig: Das Wattwiler Talent des SC Speer Ebnat-Kappel werde nach dem Wechsel zur Elite zuerst hinten anstehen müssen, hiess es. Schliesslich sei der Schritt vom talentierten Nachwuchsathleten zum Elite-Spitzenläufer riesig. «Allerdings», schränkten Eigenmann und Hänni ein, «Beda bringt neben den körperlichen Voraussetzungen auch sonst alles mit, um erfolgreich zu sein.»

Zwölf Monate später liess der B-Kaderathlet aus Wattwil die letzten Monate Revue passieren. Vielen dürfte erst im Restaurant Bodega Lichtensteig bewusst geworden sein, wie sich der nationale Hoffnungsträger bei den Grossen auf Anhieb in Szene gesetzt hat. Rang elf für den 21-Jährigen an der U 23-WM, Top-10- Klassierungen im Continental-Cup, Platzierungen vor erfahrenen Weltcup-Läufern, Silber an der 15-km-Schweizer-Meisterschaft, zwei Minuten Rückstand auf Dario Cologna über 50 Kilometer, die Erfolgsliste fiel beeindruckend aus.

Inzwischen richtet sich Beda Klees Blick wieder nach vorne. Während der Spitzensport-RS schaffte er bei optimalen Bedingungen in Magglingen die athletische Basis. «Am Ende war ich müde, inzwischen habe ich mich gut erholt und die Vorbereitung verläuft programmgemäss», kann der über alle Distanzen laufende Allrounder eine positive Zwischenbilanz ziehen.

Gefährliche Abfahrt aus dem Dischmatal

Ein Tag in Davos sieht beispielsweise so aus: Morgens rund zweieinhalb Stunden bergjoggen, nachmittags vor dem Krafttraining vom Langlaufzentrum aus 75 Minuten aufwärts Richtung Dürrboden ins Dischmatal rollen. Zusammen mit Kollege Gian-Flurin Pfäffli geht’s bei Sonnenschein in einer wunderschönen Gegend zügig skatend bergauf. Die Anstrengung ist dem Duo kaum anzusehen. Biker staunen über das Tempo, Wanderer und Autofahrer ebenso. Bergan hält sich das Risiko auf den wackligen Rollskis immerhin in Grenzen. Abwärts heisst es mehrmals Atem anhalten und wegen des motorisierten Gegenverkehrs, Busse an engen Passagen, auf die vereinigten Schutzengel vertrauen. «Unten haben wir bis zu 60 Stundenkilometer drauf.» Mit diesen Worten sorgt Beda Klee zusätzlich für Hühnerhaut. «Ungefährlich ist es nicht. Doch wir kennen die gefährlichen Stellen inzwischen.» Damit bleiben Klee und Pfäffli gelassener als der Beobachter. Wie den Radprofis an der Tour de Suisse ist es unmöglich, den nur mit einem Helm geschützten Langläufern zu folgen.

Haben sie die Abfahrt überstanden, folgt die Trainingseinheit im Kraftraum von Swiss Ski. «Den haben wir nicht zuletzt den Erfolgen von Dario Cologna zu verdanken», sind sich dessen mögliche Nachfolger einig. Im hellen Raum stehen auch zwei Spezial-Laufbänder, auf denen mit Rollskis trainiert werden kann.

Heim-WM statt Olympische Spiele 2018

Wofür die U 23-Hoffnungsträger schwitzen, ergibt sich aus dem Terminkalender: Die U 23-WM findet vom 28. Januar bis 3. Februar 2018 im Goms statt. «Der Druck und die eigene Erwartungshaltung wird an der Heim-WM grösser sein, als wenn die Titelkämpfe im Ausland stattfinden», weiss der U 20-WM-Vierte Beda Klee. «Momentan geht es vor allem darum, Kilometer abzuspulen, um die athletische Grundlage zu schaffen.» Andere Nationen wiesen in diesem Bereich Vorteile auf, den es auszugleichen gelte. Derzeit läuft Beda Klee mit Cologna und Co. acht Tage lang auf der rund 1800 Meter langen Loipe in der Schneehalle von Oberhof (De) rundherum, bekommt damit die Chance, sich mit der Weltklasse zu vergleichen. «Solche Indoor-Trainingslager gehören auch dazu», weiss der viel gelobte Toggenburger. «Aber nach einer Woche reicht es jeweils.»

Neben der WM-Selektion verfolgt er weitere Ziele. Die Etablierung im Continental-Cup gehört ebenso dazu wie der Blick nach oben. Sollte Beda Klee gesund bleiben, müsste er von der Leistungsfähigkeit her im Winter 2017/18 zu seinen ersten Weltcup-Einsätzen kommen. Die Olympischen Spiele in Pyoengchang sind kein Thema. 2022 soll dies anders sein. Er wird, wie die gleichaltrige Micarna-Teamkollegin Selina Büchel, mit Geduld und ohne Hauruck-Aktionen kontinuierlich Schritt für Schritt aufgebaut. Nicht nur dabei sein ist das Ziel, sondern Platzierungen in den Weltcup-Punkterängen.