Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WATTWIL: Lebhafte Diskussion über No-Billag

Befürworter und Gegner der No-Billag-Initiative kreuzten bildlich gesprochen die Klingen an einer Veranstaltung der Jungfreisinnigen. Die Gegner warnen vor einem Qualitätsverlust. Für die Befürworter ist die Wahlfreiheit der Menschen wichtig.
Martin Knoepfel
Die Podiumsteilnehmer an der No-Billag-Debatte der Jungfreisinnigen in Wattwil (von links): Noah Menzi, Olivier Kessler, Ramiz Ibrahimovic (Diskussionsleiter), Thomas Ammann und André Moesch. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Podiumsteilnehmer an der No-Billag-Debatte der Jungfreisinnigen in Wattwil (von links): Noah Menzi, Olivier Kessler, Ramiz Ibrahimovic (Diskussionsleiter), Thomas Ammann und André Moesch. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Jungfreisinnigen des Kantons St. Gallen (JFSG) präsentierten ein prominentes Podium für ihre Diskussion über die No-Billag-Initiative. Für «No-Billag» setzten sich der Präsident des Initiativkomitees, Olivier Kessler, und der Präsident der Jungfreisinnigen des Kantons St. Gallen, Noah Menzi, ein. Dagegen sprachen Nationalrat Thomas Ammann (CVP, St. Gallen) und André Moesch, Geschäftsführer der Sender TVO und FM1. Diskussionsleiter Ramiz Ibrahimovic, Vizepräsident der JFSG, trug mit teils provokanten Fragen zu einer lebhaften Debatte bei. Knapp 30 Personen kamen am Donnerstagabend in den Wattwiler Thurpark.

Eingangs stellte Ruben Schuler die No-Billag-Initiative vor. Er sagte, dass sie die Empfangsgebühren – aktuell 451 und ab 2019 365 Franken pro Jahr – abschaffen will. Simon Seelhofer, designierter Präsident der FDP Toggenburg, erinnerte daran, dass die FDP Schweiz und die FDP Kanton St. Gallen Nein-Parolen gefasst haben. Er verglich die SRG mit einem Mammutbaum, den man eher zurechtstutzen als ganz fällen sollte.


Bleibt bei einem Nein alles beim Alten?

Olivier Kessler ist es egal, ob privat finanzierte Medien links oder rechts sind. Im Print- und Online-Bereich gebe es eine grosse Medienvielfalt. Im Radio- und im TV-Bereich erhalte heute ein Monopolist 90 Prozent der Empfangsgebühren, sagte er. Kessler ist sicher, dass Medien, die nur «plumpe Propaganda» verbreiten, beim Schweizer Publikum nicht ankommen. Wenn man jedem Haushalt aus dem Medienbudget 451 Franken nehme, fehle einem Teil der Haushalte das Geld für Printmedien, sagte Kessler. Vor ausländischen Investoren hat er keine Angst. Ein Investor könne nur Geld verdienen, wenn er die Bedürfnisse der Kunden berücksichtige. Die Solidarität als Argument für die Empfangsgebühr lässt Kessler nicht gelten. Der Wohlstand komme von der wirtschaftlichen Freiheit.

Für Noah Menzi ist zentral, dass der Medienkonsument wählen kann, was er kaufen will. Er illustrierte das mit dem Beispiel des Brotes. Die Empfangsgebühr sei als Kopfabgabe asozial, kritisierte er. Gerade Linke sollten für die Abschaffung sein, findet Menzi. Die Jungen würden vom Angebot der SRG nicht angesprochen. Viele seiner Bekannten seien bereit, für Netflix zu zahlen. Netflix habe die Kosten im Griff und leiste sich dennoch Eigenproduktionen. Die SRG erhalte blanko 1,2 Milliarden Franken im Jahr und habe keinen Anreiz zu sparen, sagte Menzi. Wenn die No-Billag-Initiative abgelehnt werde, werde nichts passieren, ist er überzeugt. Ein Ja zur Initiative sei ein Ja zu Freiheit und Digitalisierung.


Gibt es nur Sex, Sport und Spielfilme?

Thomas Ammann befürchtet, dass ausländische Investoren bei der Annahme der Initiative Konzessionen kaufen und dass Gebiete wie das Toggenburg unter der Entwicklung leiden. Für Ammann ist klar, dass bei einer Annahme der Initiative die Qualität der Sendungen leidet und dass es keine super-recherchierten Informationen mehr gibt. SSS – also Sex, Sport und Spielfilm – funktionierten in rein werbefinanzierten TV-Sendern, warnte er. Es sei zudem unklar, wie nach der Annahme der Initiative die Lösung für das Radio aussehe. Ganz abgesehen davon geht der Trend laut Ammann in Richtung einer weiteren Senkung der Empfangsgebühren auf rund 300 Franken pro Jahr.

Für André Moesch ist klar, dass die Menschen ein Bedürfnis nach Informationen haben. Regionalfernsehen sei aber nur mit Werbung nicht finanzierbar. Die Hälfte des TVO-Budgets seien Subventionen, sagte er. TVO habe bis 2009 keine Subventionen erhalten und 20 Millionen Franken Defizit angehäuft, sagte er. Damals habe das «Tagblatt» das bezahlt. Heute sei das undenkbar. Dass der freie Markt alles super richte, ist für Moesch ein Märchen. «Ohne Geld vom Staat würde ich SSS machen». FM1 sei einer der erfolgreichsten Radio-Sender der Schweiz und erhalte kein Geld aus dem Gebührentopf, sagte Moesch. Er selber sei kein Freund der SRG. «Die SRG ist zu gross». Der einzige Verdienst der Initiative besteht für ihn darin, dass sie eine Diskussion ausgelöst hat. In den oberen Etagen der SRG seien viele erschüttert, dass nicht alle alles gut finden, was die SRG tut.

TVO und FM1 gehören wie das «Toggenburger Tagblatt» zu den Tagblatt Medien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.