WATTWIL: Honig statt Schiesspulver

Im alten Schiessstand Schlosswies befindet sich neu ein moderner Lehrbienenstand. Die emsigen Bienen dienen als Lehrtierchen für die (Neu-)Imker und für die Öffentlichkeit. Bereits jetzt riecht es schon nach Honig.

Patricia Wichser
Merken
Drucken
Teilen
Bienenberater Thomas Abderhalden freut sich, zusammen mit den Beraterkollegen das Wissen rund um die Bienen weiterzuvermitteln. (Bild: Patricia Wichser)

Bienenberater Thomas Abderhalden freut sich, zusammen mit den Beraterkollegen das Wissen rund um die Bienen weiterzuvermitteln. (Bild: Patricia Wichser)

Es summt gewaltig und riecht bereits nach Honig. Von Mitte bis Ende April haben 14 Bienen­völker ihr Revier vom Unteren Toggenburg hinter die Yburg gewechselt.

«Sie haben sich gut eingelebt», erzählt Thomas Abderhalden, ausgebildeter Bienenberater. Auch der Verein Lehrbienenstand Toggenburg zeigt sich erfreut, mit der Schlosswies einen idealen Standort für den neuen Lehrbienenstand gefunden zu haben. In diesem Verein sind die fünf Bienenvereine der Sektion Kirchberg-Lütisburg, Mitteltoggenburg, Neckertal, Ebnat-Kappel und der Thurtaler Bienenfreunde beteiligt. «Der Standort ist nicht weit abgelegen vom Dorf Wattwil, und doch finden hier die Bienen genug Nahrung», erklärt Thomas Abderhalden. Der ehemalige Schiessstand ist eingebettet in Wiesen, es hat in der Nähe Wald mit Weisstannen, und gegenüber liegt die grosse steile Nagelfluhwand – ein Gebiet, das weder wald- noch landwirtschaftlich genutzt wird. «Die Bienen werden in einem Radius von drei Kilometern Luftlinie aktiv sein», weiss der Nesslauer. Auf ihrem Höhepunkt Anfang Juni wird der Bienenstand von 20000 auf 40000 Tiere anwachsen. Im Lehrbienenstand leben auch eine Königin und etwa 300 Drohnen pro Volk. Der Bestand von 14 Völkern kann von der Platzkapazität her auf 24 Völker aufgestockt werden. Auch ansonsten bietet die lichtdurchflutete Lokalität viel Raum für die Imker und Besuchergruppen.

Imkern kann bienenfrei beobachtet werden

Der Lehrbienenstand ist mit Schweizer Kästen, Magazinen und Jungvolkkästen ausgerüstet. «Wir möchten den Jungimkern so die verschiedenen Betriebsweisen aufzeigen», gibt Thomas Abderhalden Aufschluss. Die Schweizer Kästen werden verwendet, wenn ein Bienenhaus vorhanden ist. Die Magazine können im Freien aufgestellt werden, wenn sie mit einem Blechdach aufgerüstet werden. Ein moderner Schleuderraum ist vollständig ausgerüstet, um die Bienenhoniggewinnung zu zeigen. Bei den baulichen Massnahmen, wurde darauf geachtet, dass alles leicht zu reinigen ist. Fliessend Warm-Kalt-Wasser und auch ein Wachsschmelzbehälter vervollständigen die Einrichtung. Eine grosse Glasfront trennt den Bienenraum vom Schleuderraum. So können auch Besucher, die Angst vor Bienen haben, das Imkern bienenfrei beobachten. In Rollkästen sind leere Waben verstaut und können als Arbeitsfläche bei Kursen eingesetzt werden. Ein Lift führt zum Estrichraum. Hier werden Vorräte wie Zucker gelagert.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 80000 Franken. «Das Projekt nahm am Jubiläumswettbewerb der St. Galler Kantonalbank teil, der mit bis zu 100 000 Franken pro eingereichtem Projekt dotiert war. Wir erhielten sehr viele Stimmen und landeten auf dem siebten Platz», erklärte Abderhalden. Doch für den finanziellen Zustupf reichte es dann doch nicht. Nichtsdestotrotz leisteten die Mitglieder der beteiligten Bienenvereine über 400 Stunden Fronarbeit. Gesponsert wurde der Lehrbienenstand von Gemeinden, Firmen, Privatpersonen und Institutionen oder Stiftungen. «Der Lehrbienenstand hat nicht das Ziel, gewinnbringend zu sein, sondern sich kostendeckend zu halten», macht der Bienenberater klar. Im Vordergrund stehen die Aus- und Weiterbildung der Imker und die Öffentlichkeitsarbeit. «Seit der Film ‹More than Honey› im Kino lief, hat das Interesse an den Bienen und der Imkerarbeit zugenommen», weiss Thomas Abderhalden. Schon bald nach dem Tag der offenen Tür wird der erste Imkergrundkurs mit zwölf Teilnehmern starten, und auch die Ferienpass-Kinder des Mittleren Toggenburgs gewannen in den Frühlingsferien einen Einblick in die Bienenwelt.