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WATTWIL: Heute schon Plastik vermieden?

Die Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg lädt zu einer erlebnisreichen Kino- und Aktions-Soirée zum Thema «Sauberes Wasser und mehr Meer» ins Kino Passerelle ein. Einer der Akteure stellt sich den Fragen.
Cecilia Hess-Lombriser
Für die Realisierung des Films arbeitet Andreas Tanner ein halbes Jahr. Die Tiere modellierte und bemalte er zuerst. (Bild: PD)

Für die Realisierung des Films arbeitet Andreas Tanner ein halbes Jahr. Die Tiere modellierte und bemalte er zuerst. (Bild: PD)

Kurzfilme, Interviews und ein Markt der Handlungsmöglichkeiten gehören zum Inhalt des Programms, das am Samstag, 17. Februar, um 17 Uhr im Kino Passerelle angeboten wird. Den Auftakt macht der Animationsfilm «It’s a plastic world» von Andreas Tanner, der bis vor zweieinhalb Jahren in Wattwil gewohnt hatte und jetzt mit seiner Familie in Schänis lebt. Der etwas mehr als vier Minuten dauernde Film war Teil seiner Bachelorarbeit zum Thema «Die Auswirkungen des computergenerierten Sensibilisierungsfilms auf den Zuschauer». Andreas Tanner hat Multimedia Production studiert und im Jahre 2014 mit der Bestnote seines Jahrgangs am Institut für Multimedia Production IMP der HTW Chur abgeschlossen.

Andreas Tanner, mit wie vielen Plastikverpackungen hatten Sie es heute zu tun?

Andreas Tanner, Animationsfilmer. (Bild: PD)

Andreas Tanner, Animationsfilmer. (Bild: PD)

Wahrscheinlich mit rund zehn verschiedenen, angefangen von der Zahnpastatube über den Joghurtbecher bis zu Nahrungsmittelverpackungen.

Und was davon hätten Sie vermeiden können?
Das Joghurt kaufen wir wenn möglich in der Molkerei im Glas, aber sonst hätte ich keine Chance gehabt, Plastikverpackungen einzusparen. Wenn man in der Nähe keinen Nachfüll-Laden hat, wird es schwierig. Mit dem eigenen Glasgeschirr Fleisch einzukaufen ist an vielen Orten gar nicht möglich, auch wenn es einen Offenverkauf gibt.

Sie haben den Film 2014 aus persönlicher Betroffenheit produziert. Haben Sie Ihr Verhalten seither verändert?
Ja, in den Ferien haben wir Strände gesehen, die mit Plastikabfällen verschmutzt waren. Das war der Auslöser für das Filmthema und hat unser Verhalten verändert. Wir kaufen Joghurt im Glas, schleppen keine Getränke in PET-Flaschen nach Hause, trinken nur Wasser, verwenden Zahnpasta und Duschmittel ohne Mikroplastik und wir kaufen mit den eigenen Taschen und Stoffsäcken ein. Für unsere zwei Kleinkinder kaufen wir vor allem Holzspielzeug.

Was möchten Sie mit dem Film erreichen und was haben Sie bereits erreicht?
Ich möchte, dass ihn möglichst viele Menschen sehen und ein Umdenken stattfindet. In einigen Ländern sind Plastiksäcke verboten worden. Fachlich ist der Film für mich zum Sprungbrett geworden. Der Film ist auf Vimeo und Youtube verbreitet worden, der Zoo in Zürich hat ihn gekauft, um ihn permanent laufen zu lassen, er ist an Filmfestivals gezeigt worden und ich habe Jobangebote erhalten. Nebst meiner Arbeit als 2D und 3D Motion Designer bei Guave Motion, doziere ich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und erteile in Bern Motion Design Kurse.

Was finden Sie aufgrund Ihrer Recherchen am schlimmsten an der bedenklichen Plastikkreislaufgeschichte?
Am schlimmsten sind wahrscheinlich die Weichmacher und die Flammschutzmittel in Lebensmittelverpackungen. Diese gehen auf die Lebensmittel über. Und noch schlimmer ist, dass die Verpackungshersteller und die Nahrungsmittelindustrie von sich aus nichts unternehmen. Sie warten, bis der Beweis erbracht ist, dass es so ist. Schlimm ist auch, dass das Meer komplett verschmutzt ist und was ich damals noch nicht wusste, dass der ganze Pneu-Abrieb letztlich auch im Meer landet. Er macht sogar den grössten unsichtbaren Anteil der Meeresverschmutzung aus.

Welche Rückmeldungen haben Sie zum Film erhalten?
Durchwegs positive. Hunderte von E-Mails sind eingegangen, in Blogs ist der Film geteilt, das Thema von Fachzeitschriften aufgenommen worden. Einzig ein Ingenieur brachte eine fachliche Kritik an.

Wissen Sie von konkreten Massnahmen aufgrund des Kurzfilms?
Ich habe selber zwei Umfragen gemacht. Von 1000 Personen, die geantwortet haben, haben rund 65 Prozent versprochen, dass sie ihr Verhalten, vor allem beim Einkaufen, verändern wollen.

Sie werden für den Abend der Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg nach Wattwil zurückkehren. Was werden Sie den Interessierten erzählen?
Das weiss ich noch nicht, denn Maja Bretscher, tätig in der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Umwelt und Energie der technischen Betriebe der Stadt St. Gallen, wird mich interviewen. Die Fragen kenne ich nicht.

Zum Film: Wie sind Sie vorgegangen, wie haben Sie sich zum Thema informiert?
Ein Jahr lang habe ich Material gesammelt und Interviews geführt, wobei mir auch andere halfen. Dann habe ich die Unterlagen ausgewertet, innert drei Wochen die Dramaturgie geschrieben und einen Zeitplan erstellt. Anschliessend folgte die aufwändige Arbeit des Modellierens und das Bemalen und Animieren der Figuren das Berechnen der Bilder in einer Renderfarm, das Schneiden und Besprechen in Deutsch und Englisch. Der Film ist inzwischen in mindestens zehn Sprachen übersetzt worden. Insgesamt habe ich rund eineinhalb Jahre daran gearbeitet.

Haben Sie von irgendwelchen Organisationen Unterstützung erhalten?
Finanziell nicht, aber rund 20 Organisationen stützen die Fakten und ich durfte ihr Logo verwenden. Ausserdem sind Dutzende von Anfragen für Filmaufführungen gekommen. Ich habe damals mit dem Film ins Schwarze getroffen, weil es noch nichts Vergleichbares gab.

Warum sollen die Menschen unbedingt an den Anlass der VLT und des Kinos Passerelle kommen?
Man kann den Horizont erweitern und erfahren, wie man die Welt ein bisschen besser machen kann.

«Mehr Meer» im Kino Passerelle

Die Kino- und Aktions-Soirée der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg (VLT) ist reich befrachtet. Es gibt verschiedene Filmbeiträge und Interviews. Befragt wird auch Sigrid Lüber, Gründerin und Leiterin von OceanCare. Seit 1989 engagiert sich OceanCare für die Ozeane und ihre Bewohner. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Kampagnen, Umweltbildung sowie dem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Seit 2011 ist OceanCare UN-Sonderberaterin für Fragen im Meeresschutz. Am «Markt der Möglichkeiten» ist der Bio+Fair-Laden Wattwil vertreten sowie Urs Corradini vom ZAB Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid mit dem Thema Kunststoffsammlung. Barbara Bretscher, Vorstandsmitglied der VLT, spürt den Möglichkeiten als Konsumentin nach, Plastik im Haushalt zu vermindern. Der Abend bietet genug Raum für Fragen und den Austausch. Zum Abschluss gibt es Suppe und Brot und wer will, kann sich anschliessend zu den üblichen Bedingungen den Abendfilm des Kinos, «Whale Rider», ansehen. (hlo)

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