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WATTWIL: Gereifte Weine zum Entschleunigen

Seit rund 30 Jahren führen Ruedi und Sonja Steiner die Steiner Weine AG in fünfter Generation. Wo früher vor allem Geschick beim Einkauf nötig war, ist heute Verkaufstalent gefragt. Die Branche hat sich in 30 Jahren stark gewandelt.
Ruben Schönenberger
Ruedi und Sonja Steiner stossen auf 30 Jahre als Geschäftsführer der Steiner Weine AG an. (Bild: Ruben Schönenberger)

Ruedi und Sonja Steiner stossen auf 30 Jahre als Geschäftsführer der Steiner Weine AG an. (Bild: Ruben Schönenberger)

Zum Jahreswechsel wird bei der Steiner Weine AG nicht nur auf das neue Jahr angestossen werden. Ruedi und Sonja Steiner dürfen sich just am 1. Januar 2017 über 30 Jahre Geschäftsführung freuen. Die Geschichte des Unternehmens in der Wattwiler Scheftenau ist jedoch viel älter.

«Eigentlich war es nur ein Zufall», sagt Ruedi Steiner über die Anfänge der Weinhandlung. Vor 177 Jahren hätte sein Ururgrossonkel Friedrich eine Frau geheiratet, die in der Nähe von Amriswil wohnhaft war. Deren Vater betrieb in der Region unter anderem Weinbau. Ein grosser Jahrgang stellte ihn vor Probleme. «Damals wurde noch nicht so sorgfältig ausgewählt. Was an den Reben hing, das wurde auch verwertet», sagt Steiner. Platz war für den entstandenen Wein im Thurgau nicht ausreichend vorhanden. Also bat der Thurgauer Weinbauer um Lagerplatz im Toggenburg. Das Gebäude der Familie Steiner war dafür bestens geeignet. Die Gewölbekeller waren zuvor schon für die Lagerung von Lebensmittel verwendet worden. «Meinem Vorfahren wurde gesagt, wenn er mal ein Fass von dem Wein verkaufen könne, sei das kein Problem», erklärt Steiner die Anfänge der Weinhandlung.

Alle Fässer verkauft

Dass im Toggenburg alle Fässer einen Abnehmer finden würden, davon ging niemand aus. «Der Schwiegervater meines Vorfahrens kam dann ein halbes Jahr später mit Pferd und Wagen ins Toggenburg, um die verbliebenen Fässer abzuholen. Nur: Den Wagen hätte er eigentlich zu Hause lassen können.» Friedrich Steiner hatte alle Fässer verkauft. Offenbar war der Weinhandel im Toggenburg ein lohnendes Geschäft.

Von der Ostschweiz übers Südtirol nach Apulien

Die Familie Steiner blieb beim Weinhandel, betrieb diesen zuerst aber nur neben der Landwirtschaft. In der zweiten Generation wurde das Sortiment zum ersten Mal erweitert. Weitere Ostschweizer Weine kamen dazu. In der dritten Generation stellte die Familie dann endgültig um. Durch die Möglichkeiten der Bahn wurde der Import einfacher, weshalb immer mehr Südtiroler Weine den Weg ins Sortiment fanden. «In der vierten Generation, also bei meinem Vater, wurden diese zum grossen Geschäft. Sie machten über die Hälfte des Sortiments aus», beschreibt Ruedi Steiner heute den Verkaufsschlager in der Zeit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute kommen die beliebtesten Weine nicht mehr aus dem Südtirol. «Wir haben uns noch weiter Richtung Süden verschoben. Die beliebtesten Weine stammen heute aus dem Süden Italiens», sagt Steiner. Dass er heute mit seiner Frau die Weinhandlung in fünfter Generation weiterführt, war nicht von Beginn weg klar. Er absolvierte eine technische Lehre, bildete sich danach im kaufmännischen Bereich weiter und besuchte anschliessend eine Weinfachschule. 1987 übernahm er das Geschäft.

In den 30 Jahren hätte sich sehr viel verändert, sagt Steiner. Am einschneidendsten: Früher war der Import von Weinen kontingentiert. Für die Weinhandlungen stellte sich nie die Frage, wie man den vorhandenen Wein unter die Leute bringen konnte. Viel eher mussten sie sich bemühen, genügend Wein einkaufen zu können. Entsprechend war der Einkauf das grosse Thema. Marketing war lange Zeit ein Fremdwort. «Heute ist das komplett anders», stellt Steiner fest. Noch etwas habe sich geändert, sagt der Weinhändler: «Auf Konsumentenseite ist heute weniger mehr. Das Geschäft läuft stärker über die Qualität als über die Quantität.» Die Kunden würden heute lieber etwas mehr für einen qualitativ hochstehenden Wein ausgeben, auch wenn sie dafür etwas weniger Menge erhielten.

Gezwungen zur Entschleunigung

Auch wenn die Branche früher vielleicht etwas lukrativer gewesen sei, beklagen könnten sie sich auch heute nicht, sagt Steiner. Nicht nur deshalb ist er nach wie vor gerne Geschäftsführer einer Weinhandlung. «Mir gefällt Wein als eines der ältesten und gesündesten Naturprodukte. Gewachsen und gereift durch alle vier Jahreszeiten ist der Rhythmus gegeben. Das zwingt zur Entschleunigung. Ich schätze das sehr. Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit.»

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