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WATTWIL: Flüchtlings-Film: "Man kommt anders aus dem Kino, als man hineingegangen ist"

Im Kino Passerelle fand am Sonntag eine Matinee zu Markus Imhoofs neuem Film «Eldorado» statt. 100 Gäste diskutierten im Beisein des Schweizer Filmregisseurs und Drehbuchautors.
Das einzige Gold, welches die Migranten auf der Suche nach ihrem Eldorado finden, sind die Wärmedecken der Flüchtlingshilfe. (Bilder: PD)

Das einzige Gold, welches die Migranten auf der Suche nach ihrem Eldorado finden, sind die Wärmedecken der Flüchtlingshilfe. (Bilder: PD)

«Wir haben heute eine Direktverbindung von Berlin nach Wattwil. Fehlt nur noch der eigene Flugplatz». Mit diesen Worten eröffnete Peter Bötschi am Sonntag die erste Matinee in diesem Jahr im Kino Passerelle. Der Geschäftsleiter hatte den Schweizer Filmemacher und Wahlberliner Markus Imhoof, bekannt von den Filmen «Das Boot ist voll» oder «More than Honey» eingeladen. Das Thema: Imhoofs neuer Film «Eldorado», ein sehr persönlicher, erschütternder Einblick in die aktuelle Migrationskrise. Gestärkt vom Brunch setzten sich später die über 100 Zuschauerinnen und Zuschauer in den Saal. Der Brunch sollte dann während des Films manchem im Halse stecken bleiben.

Konsumverhalten und Verzicht als Lösungsansatz?

Peter Bötschi meinte im Vorfeld, dass man anders aus dem Film kommen würde, als man hineingegangen sei. Er sollte recht behalten, denn Imhoofs Dokumentation ist keine leichte Kost. «Hätte ich einen Unterhaltungsfilm gemacht, dann würde ‹Eldorado› sicher ein grösserer finanzieller Erfolg werden. Aber ich will etwas bewegen», sagte Markus Imhoof während der Fragerunde. Er illustrierte damit geschickt das Vorurteil, dass Flüchtende einseitige wirtschaftliche Interessen hätten – denn auch der Norden hat diese, es ist ein Henne-Ei-Problem.

Markus Imhoof, Regisseur.

Markus Imhoof, Regisseur.

So diskutierte die Gruppe dann auch lange die Frage, welchen Einfluss das Konsumverhalten auf die Situation der Flüchtenden hat. «Ich glaube, dass wir Konsumenten durchaus Macht haben», meinte Imhoof. Ein Boykott sei aber schwierig umzusetzen, denn Wirtschaft und Politik seien stark verstrickt und international verästelt. Als Beispiel nahm er die italienischen Tomatenplantagen, die der Film zeigte. Wenn diese in der Schweiz boykottieren würden, dann verdiente ganz am Ende der Kette ein asiatischer Konzern weniger Geld. Den abgewiesenen Flüchtenden in Italien jedoch, die auf diesen Plantagen illegal arbeiten müssten, wäre damit wenig geholfen. Für seinen Film reiste Markus Imhoof auf Schiffen des «Mare Nostrum»-Programms, aber auch in der Schweiz und in Italien drehte er über viele Monate. «Eldorado» zeigt den Irrsinn der Situation, in der sich Migranten auf dem Weg in den Norden befinden, in oft nur schwer zu ertragenden Bildern. Der Zynismus des Nordens, der zum Beispiel abgewiesene Asylbewerber auch mal als Milchbauern zurück nach Afrika schickt, nur um dann den Export überschüssiger Milch in genau diese Länder zu fördern, machte die anwesenden Zuschauer besonders nachdenklich. Aber der Film ist viel mehr als blosse Betroffenheitsbewirtschaftung, seine zentralen Fragen stellt er ohne übertriebenes Moralisieren: Was ist ein «ich», was bedeutet ein «uns», und wo verlaufen die Grenzen dazwischen? Und sind solche Grenzen real? Selbst wenn die Migration aus rein wirtschaftlichen Interessen geschehen würde – in wiefern unterscheidet sich das von unserer Berufspendlerei oder der Landflucht, die insbesondere auch das Toggenburg schwer beschäftigt? «Eigentlich ist jeder Pendler auch ein Wirtschaftsflüchtling», sagte Imhoof nur halb im Scherz. «Aber wir sind halt reich und weiss.»

Als eine Notwendigkeit bezeichnete Markus Imhoof das Schaffen sicherer Flucht- und Migrationswege. Denn die Migration liesse sich nicht «lösen», wir müssten damit leben lernen. Konsequenterweise brachte er Petitionsformulare der HEKS und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe mit nach Wattwil. Die Formulare füllten sich beim abschliessenden Apéro schnell, und rasch ging es auch für Imhoof weiter: Seine eigene Reise sollte an diesem Sonntag von Berlin über Wattwil bis nach St. Gallen führen.

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