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WATTWIL: Felix vor dem Jüngsten Gericht

"Irgendwo im Nirgendwo" ist bereits die neunte Produktion des Theatervereins Toggenburg. Am Samstag gab das Ensemble des Theato die Premiere des turbulenten Stücks mit der überraschenden Wende.
Michael Hug
Frau Düvell (Julia Schmucki, links) reibt sich die Hände, Schwiegervater (Jürg Weilenmann), Felix (Michael Heeb) und Katrin (Luzia Abächerli) zanken sich. (Bild: Michael Hug)

Frau Düvell (Julia Schmucki, links) reibt sich die Hände, Schwiegervater (Jürg Weilenmann), Felix (Michael Heeb) und Katrin (Luzia Abächerli) zanken sich. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@toggenburgmedien.ch

Plötzlich steht Felix Walther vor dem Jüngsten Gericht: Wohin geht der Weg, hinauf in den Himmel oder runter in die Hölle? Felix braucht eine Weile, bis er kapiert, dass hier über sein Leben, nein vielmehr über sein Leben nach dem Tod, entschieden wird. Frau Düvell, die Pförtnerin der Hölle, will ihn ihrem Chef liefern, Herr Engelen, ihr «Kollege» gegenüber, möchte ihn in sein Wolkenrefugium hieven.

Wie Felix realisiert, dass er tot ist und zu dieser Entscheidung nichts mehr beitragen kann, ist den beiden Schiedsrichtern aber gar nichts klar. Denn Felix ist ein Grenzfall, er hat im Leben nicht allzu viel falsch gemacht, nicht viele Gutes angestellt, aber auch nicht viel Ungutes. Für die Hölle reicht es nicht – aber für den Himmel auch nicht. Und so wird Felix auf die Erde zurückgeschickt.

Leben und sterben in einer sauberen Familie

Aus diesem Setting lässt sich natürlich einiges anstellen. Der Hamburger Autor Wolfgang Binder hat den Hauptakteur Felix Walther – oder Felix, Walther, wie sich später herausstellt – im Stück «Irgendwo im Nirgendwo» in eine gutbürgerliche, «saubere» Familie verpflanzt – und sterben lassen. Viel zu früh ging der junge Mann, unbemerkt von der Familie zwar, aber für Felix dennoch fatal, scheint der Vorgang unumkehrbar.

Doch weil er eben noch viel zu jung ist, gibt er dem Jüngsten Gericht im Nirgendwo die Chance, unkonventionell zu entscheiden. Und so lässt der Autor Felix zu seiner Familie zurückkehren. Für einen Tag nur und um einen Test zu bestehen, um dem Gericht bessere Entscheidungsgrundlagen zu verschaffen. Herr Engelen (Urs Heeb) und Frau Düvell (Julia Schmucki) machen Felix Walther (Michael Heeb) deutlich: «Jetzt kommt es drauf an, was Sie daraus machen!»

Bravourös besetzt und umgesetzt

Die jungen Laienregisseure des Theatervereins Toggenburg Theato, Larissa Baer und Beat Thalmann, haben Binders Komödie bravourös besetzt und umgesetzt. Mit Luzia Abächerli (Felix’ Freundin), Jürg Weilenmann und Susanne Grob (Schwiegereltern in spe) sowie Barbara Tapasco und Edy Heeb (Schwager und Schwägerin in spe) spielen sechs weitere Laienschauspieler aus der Region von hier und ennet dem Ricken die Nebenrollen.

Unkonventionell ist die Vorgeschichte – das Jüngste Gericht – umgesetzt: sie spielt vor dem Vorhang. Etwas langatmig ist zwar dieses Vorspiel geraten, doch schliesslich braucht Felix seine Zeit, bis ihm klar wird, was da läuft mit ihm – derweil das Publikum schon längst begriffen hat. Nachdem der Vorhang aufgeht und sich die Szenerie ins Wohnzimmer der künftigen Schwiegereltern verlegt, wird es recht turbulent.

Da entpuppt sich die «saubere» Familie als doch nicht ganz so sauber. Da kommen Seitensprünge und Lügen auf den Tisch, es wird gestritten und gedroht – und Frau Düvell reibt sich die Hände. «Alles potenzielle Kandidaten für mein Institut», grinst sie. Der Vertreter des Himmels hat es schwer in diesem giftigen Possenspiel, doch setzt er sich wenigstens bei Felix durch. Der, mit dem «letzten Zwick an der Geissel», schwört sich, nie mehr zu lügen, und bringt damit noch mehr Chaos in die Familie.

Angenehmer Plot, der sich abhebt

Mit ihrer neunten Produktion hat das Theato wiederum eine turbulente Komödie auf die Bühne im Wattwiler Thurpark gebracht. «Eine etwas andere Geschichte» hat Christian Heeb, Gründerpräsident, versprochen. Tatsächlich hebt sich der Plot angenehm von den sonst ländlich-kleinbürgerlich geprägten Drehbüchern ab. Schade nur um die schwierigen Akustikverhältnisse im Thurparksaal, ein bekanntes Problem bei Theateraufführungen, das sich leider nicht einfach lösen lässt.

«Irgendwo im Nirgendwo» wird nächstes Wochenende nochmals aufgeführt: Am 23. März um 19.30 Uhr und am 24. März um 15 und um 19.30 Uhr, die Vorführungen sind jeweils im Thurparksaal in Wattwil.

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