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WATTWIL: Ein weiter Weg bis Hollywood

Unter dem Titel «Vivaldissimo goes Hollywood» spielte das Toggenburger Jugendensemble erfolgreiche Titel aus der Barockzeit, der Wiener Klassik und zeitgenössischer Filmmusik – alles mit Bravour.
Peter Küpfer
Die nüchterne Vorhalle in der Kanti Wattwil hat sich stimmungsvoll verwandelt und zeigte sich für die klassischen Hits dicht besetzt. (Bild: Peter Küpfer)

Die nüchterne Vorhalle in der Kanti Wattwil hat sich stimmungsvoll verwandelt und zeigte sich für die klassischen Hits dicht besetzt. (Bild: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

redaktion@toggenburgmedien.ch

Hermann Ostendarp, musikalischer Leiter und Seele des von ihm vor Jahren mitgegründeten Jugendensembles der Kantonsschule und der Musikschule Toggenburg, sagte bei der der Begrüssung augenzwinkernd: «Von Venedig Vivaldis bis zu den Filmstudios in Hollywood ist es ein weiter Weg.» Die Filmmusik sei deshalb erst nach der Pause programmiert, eingeschworene Filmfans im Publikum müssten noch etwas Geduld haben. Die wurde hingegen nicht strapaziert. Der klassische Teil des Konzerts an der Kanti Wattwil schlug ebenso ein wie die Musik aus erfolgreichen Hollywoodfilmen. Das garantierte nicht nur das Programm, sondern auch die Spielfreude und das Können des jugendlichen Ensembles.

Beschwingtes Tempo eingefordert

Das Konzert wurde schwungvoll mit Arcangelo Corellis D-Dur-Sonate eröffnet, einem bezaubernden frühen Werk des Komponisten. Ostendarp leitete es wie die anderen Programmteile in der Halle stehend, von seiner vollklingenden Violine aus, wobei der Bogen bruchlos in den Dirigentenstab überging und umgekehrt. Von Beginn an schlug er ein beschwingtes Tempo an und forderte es auch ein, wobei ihm Solistinnen und Ensemble nichts schuldig blieben.

Schwung und Eleganz prägten auch das darauf folgende Konzert F-Dur von Vivaldi, die Nr 7 aus dem schon damals sich schnell zum Hit entwickelnden op. 3, für vier Violinen, Violoncello und Orchester komponiert. Den glänzenden Violin-Solopart übernahmen Rhea Bürgi, Nina D’Intino, Chiara Tinner und Lena Eberhard, am Cello war als Solist Pascal Schuppli. Ensemble wie Solisten überzeugten durch ein sicheres, wach auf einander bezogenes Zusammenspiel.

Ein musikalischer Höhepunkt war schon damals Mozarts Klavierkonzert in F-Dur (KV 242) für zwei Klaviere und Orchester, das sogenannte Lodron-Konzert. Es war ursprünglich von Mozart für die Salzburger Gräfin Antonia Lodron als Auftragsarbeit für drei Klaviere komponiert worden (siehe Kasten). An den beiden Flügeln sassen Katharina Böck und Delia von Bechtoldsheim, beides Schülerinnen von Musiklehrerin und Pianistin Claudia Dischl. Es war eindrücklich mitzuverfolgen, mit welcher Hingabe die zwei blutjungen Pianistinnen das anspruchsvolle musikalische Geschehen zwischen den beiden Soloinstrumenten und dem hellwach mitgehenden Orchester nicht nur bewältigten, sondern auch gestalteten: eine reife Leistung.

Emotionaler Code und beseeltes Spiel

Nach der Pause dislozierten Musizierende und Publikum in die Aula, wo das Konzert mit Highlights der Filmmusik zu Hollywood-Produktionen weiterging. Vom Jurassic Park über Pearl Harbor, Titanic und Fluch der Karibik bis zur Mission impossible war vieles da, auch Aussenseiter wie Forrest Gump und Spezielles wie Pink Panter. Video-Einspielungen aus den genannten Filmen begleiteten als visuelles Element die live gespielte Musik auf der Bühne, möglich gemacht durch ausgeklügelte und perfekt gehandhabte Technologie. Hier traten durch den Auftritt des aktuell sechsköpfigen Klarinetten-Ensembles der Kantonsschule (Leitung David Jud) weitere Tonfärbungen hinzu. In Mission impossible zehrten schrill dissonante Klänge der Hochtoninstrumente an den Nerven. Jubelnde Violinen, singende Klarinetten und der harmonische Klangteppich der tieferen Saiteninstrumente betonten dagegen fast hymnisch die trügerische Harmonie einer vom Menschen noch nicht gestörten Ur-Welt.

Trotz der zeitweiligen Übermacht der visuellen und akustischen Reize von der Riesenleinwand herab machten die Jugendlichen Instrumentalisten durch ihr beseeltes Spiel eines bewusst: Auch visuelle Hightech-Scheinwelten wollen nicht auf Orchestermusik mit klassischen Instrumenten verzichten. Offenbar kann nur sie die grossen Emotionen wecken.

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