WATTWIL: «Ein verrückter Mann»

Walter Hums bestreitet Marathons aus Leidenschaft. Mit seinen 71 Jahren hat er die Ziellinie in seiner Alterskategorie schon mehrmals als Erster überschritten. In Zukunft soll der Genuss im Vordergrund stehen.

Beat Lanzendorfer
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Walter Hums mit Ehefrau Rosy im Zielgelände nach seinem Kategoriensieg beim Zürich Marathon im Jahre 2014. (Bild: PD)

Walter Hums mit Ehefrau Rosy im Zielgelände nach seinem Kategoriensieg beim Zürich Marathon im Jahre 2014. (Bild: PD)

Auf die Frage, was sie vom Hobby des Ehemannes hält, kommen Rosy Hums drei Wörter über die Lippen: «Ein verrückter Mann.» Tatsächlich muss man schon etwas verrückt sein, wenn man mit Jahrgang 1946 für die 42 Kilometer lediglich zwischen dreieinhalb und vier Stunden benötigt. Das Erstaunen wird noch grösser, als Walter Hums fast etwas beiläufig bemerkt: «Den ersten Marathon bin ich erst vor sieben Jahren gelaufen».

Die Premiere war erst im Jahre 2010

2009 war es Andi Schröder, der schweizweit wohl grösste Fan von Borussia Mönchengladbach, mit Wohnsitz in Wattwil, der ihm den Vorschlag unterbreitete: «Komm, wir nehmen gemeinsam an einem Marathon teil.» Im Jahr darauf war es so weit, die beiden Kollegen gehörten zu den Teilnehmern des Winterthur Marathon. Während Andi Schröder durch eine Verletzung bei Halbzeit das Rennen beenden musste, überquerte Walter Hums in 3:36 Stunden die Ziellinie. Das Lauffieber hatte ihn definitiv gepackt.

«Ich laufe seit Jahrzehnten, aber anfangs nicht in der Intensität der vergangenen Jahre.» Er legt von Herbst bis im Frühjahr wöchentlich in drei Trainings rund 60 Kilometer zurück. Hinzu kommen zwei Besuche im Fitnessstudio zwecks Krafttraining. Seine bevorzugte Laufstrecke ist Wattwil–Ebnat-Kappel. Wenn er noch einige Höhenmeter einbauen möchte, geht es von Lichtensteig Richtung Krinau und über das Aeuli zurück zum Ausgangspunkt. Im Sommer ist der Bewegungsmensch dann auf dem Rennrad unterwegs. «Früher waren es jährlich 8000 bis 10 000 Kilometer, heute nur noch 2000 bis 3000 Kilometer.»

Dem Freizeitsportler macht es auch nichts aus, auf Eis oder Schnee zu laufen. «Die Natur zeigt sich im Winter von seiner schönsten Seite, am liebsten bin ich dann draussen und fahre Ski oder unternehme Skitouren.» Seine Reisen in nördliche Gefilde wie Alaska, Schottland oder Norwegen mit Sohn Christoph bestätigen die Vermutung, dass er kühlere Temperaturen bevorzugt. Auf die Frage, ob ihn als gebürtigem Wiener der Vienna City Marathon nicht speziell reizen würde, huscht ein Lachen über sein Gesicht: «Klar würde mich dies reizen, meine Verwandten und Freunde leben alle noch dort. Ich befürchte, dass ich mich selber zu sehr unter Druck setzen würde, daher lasse ich es bleiben – zumindest vorläufig.»

Unter Druck setzen lässt sich der 71-Jährige nicht mehr. Dazu gehört auch, dass er weniger auf die Uhr schaut. «In Zukunft möchte ich es geniessen, es muss ein einmaliges Gefühl sein, die Anfeuerungsrufe der vielen tausend Zuschauer in der Zürcher Bahnhofstrasse bewusst wahrzunehmen. Es ist allerdings noch nicht sicher, ob ich beim nächsten Zürcher Marathon am 9. April überhaupt am Start sein werde. Nach den widrigen Bedingungen im letzten Jahr mit viel Regen, nehme ich die Strapazen nur noch auf mich, wenn es trocken ist.» Apropos anfeuern. An ein Erlebnis erinnert sich Walter Hums gerne zurück. «Vor ein paar Jahren erlitt ich in Zürich einen Krampf – ich musste stehen bleiben. Spontan eilte eine Zuschauerin herbei und massierte meine Wade so lange, bis die Schmerzen nachliessen und ich das Rennen fortsetzen konnte.» Vorerst verhält sich der vierfache Marathon-Kategoriensieger, dreimal Winterthur, einmal Zürich, aber wie ein Teilnehmer, und hier lautet sein Motto in Vorfeld eines Grossanlasses: «Kein Marathon ohne seriöse Vorbereitung – diese beginnt jeweils zehn bis zwölf Wochen vor dem Anlass.» Der Einsatz würde sich lohnen, als einer, der im Vorjahr als Dritter auf dem Podest stand, bekommt er das Startgeld geschenkt.

15. Zürich Marathon: Sonntag, 9. April 2017