WATTWIL: Die Bienen sind eingezogen

Der Lehrbienenstand Toggenburg nimmt Gestalt an: Die Bienenzüchter gehen demnächst die Umbauarbeiten an ihren neuen Räumen im ehemaligen Schützenhaus Schlosswis an, das erste Bienenvolk ist bereit, dort zu überwintern.

Olivia Hug
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Peter Bürge gibt das Bienenvolk in ein Magazin. Es wird als erstes im neuen Lehrbienenstand überwintern und im Frühling auf Nektarsuche gehen. (Bilder: Olivia Hug)

Peter Bürge gibt das Bienenvolk in ein Magazin. Es wird als erstes im neuen Lehrbienenstand überwintern und im Frühling auf Nektarsuche gehen. (Bilder: Olivia Hug)

WATTWIL. Die Bienen wissen gar nicht um die Ehre, die ihnen zuteil wird. Vier Tage haben sie in ihrer Kiste in Peter Bürges Keller verbracht, nun holt sie der Imker ans Sonnenlicht. Sie sollen ihr neues Zuhause beziehen. Es ist das erste Volk, das den Bienenstand im ehemaligen Schützenhaus Schlosswis besiedelt. Der Imker nimmt die kleine Box mit der Königin drin zur Hand. Langsam fügt er sie dem Volk hinzu. Ein symbolischer Akt vor den Augen seiner Kollegen, denen die Freude ins Gesicht geschrieben steht. Soeben haben die Männer, alle Mitglieder des noch jungen Vereins Lehrbienenstand Toggenburg, ihre künftige Ausbildungsstätte offiziell eingeweiht. Das junge Bienenvolk soll schon im kommenden Frühling eifrig Pollen und Nektar sammeln.

Imker von Kirchberg bis Nesslau

Nachdem die Toggenburger Bienenzüchter fünf Jahre nach einer Liegenschaft gesucht haben, um Räumlichkeiten für die Ausbildung der Nachwuchsimker zu schaffen, sind sie im alten Schützenhaus unterhalb der Yburg in Wattwil fündig geworden.

Am 16. Februar dieses Jahres haben die Bienenzüchtervereine Kirchberg, Neckertal, Mitteltoggenburg, Ebnat-Kappel und Thurtaler Bienenfreunde (Nesslau) mit je zwei Vertretern den Verein Lehrbienenstand Toggenburg gegründet, um einen langersehnten Wunsch Gestalt werden zu lassen. Künftig sollen für die Aus- und Weiterbildung der Imker aus den fünf Sektionen eigene grosszügige, moderne Praxisräume in unmittelbarer Nähe zu einem Theorieraum (Schützenstube) zur Verfügung stehen. Noch aber gibt es baulich viel zu tun, um das Abteil im Schützenhaus auf die Bedürfnisse der Imker und der rund 15 Bienenvölker auszurichten. Der Verein hat die benötigten Mittel auf 72 000 Franken budgetiert. Bereits haben die Toggenburger Gemeinden, der Kanton via Lotteriefonds sowie private Gönner und Firmensponsoren ihre Unterstützung zugesichert.

Mietvertrag über 20 Jahre

Augenfälliges Element werden die Lamellenfenster dort sein, wo einst die Schützen ihre Schüsse abgaben. An der Flugfront können die Bienen ungehindert ein- und ausfliegen, zudem fällt genügend Licht in den Raum. Dieser muss mittels Seitenwänden und einer Decke abgetrennt werden. Diese Rohbauarbeiten übernimmt der Vermieter der neuen Räumlichkeiten, Max Kappler, gleich selber. Er freut sich über die Mieterschaft, hält viel von der Bienenzucht: «Die Imker leisten einen wertvollen Beitrag an die Natur», sagt er. Darum habe er nicht zögern müssen, als die Imker auf ihn zukamen. Ähnliche Anfragen habe er schon mehrere gehabt, doch gepasst habe es bislang nicht. «Hinter diesem Projekt kann ich stehen», sagt Kappler.

Aus diesem Grund habe er sich für die Mietvertragslaufzeit von 20 Jahren entschieden. Eine Bedingung aber gab es: So hatten die Bienenzüchter vergangenes Jahr einen Probelauf mit einigen Bienenvölkern durchführen müssen. Denn Kappler wohnt gleich nebenan und wollte sicher sein, dass es nicht von Bienen wimmelt auf seinem Gartensitzplatz. Abgesehen von ihm gibt es nicht viele Nachbarn. «Die Lage ist toll. Nicht im Siedlungsgebiet gelegen und doch zentral im Toggenburg», schwärmt Thomas Abderhalden von den Thurtaler Bienenfreunden, «zudem ist die Landschaft ökologisch wertvoll für die Bienen.» Der Lehrbienenstand muss nicht nur den steigenden Anforderungen der Ausbildungen genügen, er soll auch Ort für Anlässe, Führungen und Schulklassenbesuche werden.

400 Stunden Fronarbeit

Interessant für diese dürfte der geplante Schleuderraum werden. Einzig eine grosse Glasscheibe soll den geschlossenen Raum von den Gästen vor der Scheibe und dem Imker dahinter trennen. So können auch jene sorglos dem Fachmann beim Weiterverarbeiten des Honigs zusehen, die sich vor Bienenstichen fürchten. Im Frühjahr 2017 könnten schon Anlässe stattfinden, zumal die ersten Grundkurse für angehende Imker ab diesem Zeitpunkt angeboten werden sollen. Bis dahin rechnet Vereinspräsident Kilian Schönenberger mit 400 ehrenamtlichen Bauarbeitsstunden durch die Mitglieder. Und: Imkereiutensilien müssen noch angeschafft werden. «Und diese stellen einen grossen Kostenpunkt dar.» Spenden sind willkommen.

Die Königin wird ihrem Volk hinzugefügt.

Die Königin wird ihrem Volk hinzugefügt.