WATTWIL: «Das Ziel ist dasselbe geblieben»

20 Jahre hat sich Hans Jörg Fehle aus Wattwil ehrenamtlich für die Familienhilfe und die Spitex engagiert, davon 15 als Vizepräsident. Heute abend tritt er an der Hauptversammlung der Spitex Mittleres Toggenburg von seinem Amt zurück.

Anina Rütsche
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Schnürt die Schuhe für weitere Stationen des Lebenswegs: Hans Jörg Fehle aus Wattwil wird sich nach seinem Rücktritt aus der Spitex Mittleres Toggenburg vermehrt eigenen Projekten widmen. (Bild: Anina Rütsche)

Schnürt die Schuhe für weitere Stationen des Lebenswegs: Hans Jörg Fehle aus Wattwil wird sich nach seinem Rücktritt aus der Spitex Mittleres Toggenburg vermehrt eigenen Projekten widmen. (Bild: Anina Rütsche)

WATTWIL. Der heutige Abend ist für Hans Jörg Fehle ein besonderer. Nach zwei Jahrzehnten verlässt er an der Hauptversammlung den Vorstand der Spitex Mittleres Toggenburg, um sich neuen Projekten zuzuwenden. «Ich trete mit Freude zurück, nicht mit Wehmut», sagt der freischaffende Pfarrer, der in Wattwil wohnt und sich künftig vermehrt mit Projekten zum Reformationsgedenken im Obertoggenburg befassen wird. Seine Zeit bei der Spitex wird er auf alle Fälle in guter Erinnerung behalten, hebt der scheidende Vizepräsident hervor. Er habe es schön gefunden, Teil einer dynamischen Entwicklung in diesem Bereich zu sein.

Mitten in der Entwicklung

Hans Jörg Fehle erinnert sich noch gut daran, wie er am 7. März 1996 in den Vorstand der Familienhilfe Wattwil-Lichtensteig-Krinau gewählt wurde. Damals hätten fast alle in Krinau ein solches freiwilliges Amt inne gehabt, das der Öffentlichkeit dient. Und so fand sich der Pfarrer bald inmitten einer «äusserst dynamischen Entwicklung» wieder, wie er rückblickend sagt. Schon bald nach Hans Jörg Fehles Eintritt kam es nämlich zu Änderungen in der Organisationsstruktur.

Die Familienhilfe ging im Spitexverein Wattwil-Lichtensteig-Krinau auf, der im Frühherbst 1998 gegründet wurde und per Anfang 1999 seine Arbeit in der Region aufnahm. Einige Jahre später bekam der Spitexverein weiteren Zuwachs, denn der paritätische Krankenpflegeverein Lichtensteig, mit dem bis anhin ein Zusammenarbeitsvertrag bestanden hatte, wurde integriert. Per 1. Januar 2013 schliesslich fand der Zusammenschluss der Spitex Wattwil-Lichtensteig-Krinau mit der Spitex Ebnat-Kappel statt. Seither heisst die Organisation «Spitex Mittleres Toggenburg».

Der Mensch im Zentrum

Viele strukturelle Veränderungen hat Hans Jörg Fehle in den 20 Jahren bei der Spitex miterlebt. Dennoch sagt der 63-Jährige mit Überzeugung: «Die Aufgabe und das Ziel sind in all den Jahren gleich geblieben. Der Vorstand und die Administration müssen dazu beitragen, dass unsere Mitarbeiterinnen gut und gern ihre Dienste leisten – bei Menschen aus der Region, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, um ihr Leben im gewohnten Umfeld zu führen.»

Dass der Betrieb der Spitex Mittleres Toggenburg inzwischen praktisch papierlos geworden ist, ist für die Klienten nicht so wichtig. Für die Mitarbeiterinnen ist es aber eine Erleichterung, dass die Rapporte nun nicht mehr von Hand, sondern an Tablets ausgefüllt werden. «Das Mass muss immer darin bestehen, dass die Mitarbeiterinnen ihre Aufgabe dank der neuen Hilfsmittel noch besser erfüllen können als zuvor.»

Anspruchsvolle Arbeit

«An der Front unterwegs», daheim bei den Klientinnen und Klienten, wie dies die rund 45 Angestellten der Spitex Mittleres Toggenburg tagtäglich sind, war Hans Jörg Fehle während seiner Amtszeit nie. Seine Funktion übte er im Büro und an Vorstandssitzungen aus. Zunächst amtete er als Aktuar, im Sommer 2000 trat er in die Betriebskommission ein und 2001 wurde er zum Vizepräsidenten ernannt. Dies entspreche seinen Stärken am besten, sagt er, und er fügt an: «Vor der Arbeit, welche die Pflegerinnen und Haushalthilfen leisten, habe ich grossen Respekt. Sie müssen sich eigenverantwortlich auf die spezifischen Situationen in Privathaushalten einstellen. Dabei werden sie von der Dienstleitung ausgezeichnet unterstützt.»

Den Kontakt zwischen den Mitarbeiterinnen der Spitex und dem derzeit achtköpfigen Vorstand hat Hans Jörg Fehle stets als bereichernd erlebt. So sind es denn auch die regelmässigen Treffen, die er als seine schönsten Erinnerungen an die Amtszeit bezeichnet. Man habe beispielsweise Sommerfeste und Adventsfeiern veranstaltet. «Dabei hatten wir den Plausch. Dies einer der Gründe, warum ich so lange bei der Spitex war.»

Wurzeln in der Kirche

Wie viel Zeit er insgesamt für sein Ehrenamt bei der Spitex aufgewendet hat, weiss Hans Jörg Fehle nicht genau. «Es müssen viele hundert Stunden gewesen sein», vermutet er und lacht. Stunden, die ihm persönlich viel gegeben hätten. «Es ist seit jeher ein Anliegen der Kirche, Kranken und Notleidenden zu helfen, und dafür ist ein Stück Hingabe nötig. Teil dieses Dienstes zu sein, ist sehr befriedigend.»

Heute Mittwoch, 6. April, 19 Uhr: Hauptversammlung der Spitex Mittleres Toggenburg in der Erlebniswelt Toggenburg in Lichtensteig