WASSERAUEN: Unterkunft mit Stroh und Frühstück

«Erlebnis Auen» nennt sich das Angebot der Familie Signer. Auf ihrem Hof können Gäste im Stroh übernachten – inklusive gemeinsamem Frühstück. Die günstigen Schlafplätze locken Gäste aus der ganzen Welt an.

Jonas Manser
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Nur einige Gehminuten entfernt vom Bahnhof Wasserauen liegt der Hof der Signers. Links der Neubau aus Holz. (Bilder: Jonas Manser)

Nur einige Gehminuten entfernt vom Bahnhof Wasserauen liegt der Hof der Signers. Links der Neubau aus Holz. (Bilder: Jonas Manser)

Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch

Niklaus Signer lässt die Welt sprichwörtlich zu sich kommen. Auf dem Sommerbetrieb bieten er und seine Familie «Schlaf im Stroh» an: Aus der ganzen Welt reisen die Gäste an. Zu einem erschwinglichen Preis betten sich die Gäste in Stroh und bekommen am nächsten Morgen vom Gastgeber den Zmorge serviert. «Es ist mir sehr wichtig, dass ich den Gästen ein richtiges Frühstück auftische. Ich hole am Morgen frisches Brot vom Bäcker.» Die Marmelade macht seine Frau, das Jogurt ist auch selbst gemacht, der Käse entsteht aus der Milch der eigenen Kühe.

Am Sonntagmorgen herrscht Hochbetrieb, und die Gäste werden gestaffelt zum Frühstückstisch gebeten. 17 Reisende, Urlauber und Wanderer, zusammengesetzt aus Familien und Paaren, haben auf dem Hof der Signers übernachtet. «Heute sind wir komplett ausgebucht.» Viel Zeit bleibt Niklaus Signer nicht, bevor er sich wieder seiner Arbeit als Landwirt widmen muss. Zum Glück ist er heute nicht ganz alleine: Sohn Stefan ist auch hier, um ihm unter die Arme zu greifen. «Pro Gast muss ich mit zirka 30 Minuten Arbeit rechnen.» Darin inbegriffen seien das Frühstück, die Betreuung und das Saubermachen danach. «Stroh auslegen kann jeder, aber ich lege grossen Wert auf das Frühstück und die Sauberkeit.»

Jahr um Jahr kommen mehr Gäste

Im Jahr 2000 baute Familie Signer einen neuen Stall. Sie beschlossen, den dadurch freigewordenen Platz mit Stroh auszulegen und als Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Ein Jahr darauf nahm die Familie rund 70 Gäste auf. Nach und nach seien die Zahlen gestiegen und hätten sich bei rund 250 Übernachtungen pro Jahr eingependelt. «Das Führen des ‹Schlaf im Stroh› ist ein Hobby für mich. Ich selbst bin mehr oder weniger an diesen Ort gebunden. Es macht mir deshalb Spass, Gäste aus verschiedenen Ländern zu empfangen. Die Welt kommt sozusagen zu mir», sagt Signer. Ziehe man sämtliche Abgaben an Tourismus-Verbände und Werbung ab, so sei das Angebot finanziell nur knapp rentabel. Die Freude daran würde dies jedoch kompensieren. «Über den Sommer bin oft nur ich hier auf dem Betrieb, da meine Frau auf dem Schweinezuchtbetrieb in Eggerstanden nach dem Rechten schaut. Statt alleine am Morgentisch zu sitzen, mache ich Frühstück für alle und geselle mich zu den Gästen», so Signer.

Erst seit dem vergangenen Jahr kann Niklaus Signer so viele Gäste bei sich empfangen: Ein zusätzlicher Holzbau macht es möglich. «Wir haben mit diesem eine grosse Investition gewagt. Auch beim Schlafen im Stroh sollte auf Qualität geachtet werden. Wir hoffen, damit etwas Spezielles bieten zu können», erzählt Signer. Die ganze Familie habe am Bau mitgeholfen. «Die Hauptarbeit hat jedoch Stefan erledigt.» Der Holzbauingenieur übernahm die gesamte Planung und die Holzbauarbeiten. Der Jüngste der siebenköpfigen Familie ist Dachdecker und hat sich um die Überdachung gekümmert. «Ich war eigentlich nur der Handlanger», sagt Signer lachend. Stolz zeigt er auf die Bilder mit traditionellen Appenzeller Motiven: «Diese hat unsere Tochter gemalt. Die Figuren auf der Lampe hat meine Frau geschnitzt.» Die Bilder sowie die hölzernen Figuren und Kühe, die einen Alpaufzug zeigen, sind bei den Gästen aus aller Welt stets beliebt. Seit diesem Jahr ist die Übernachtungsmöglichkeit der Familie Signer auch über Airbnb buchbar. Da rund 90 Prozent aller Anfragen auf Englisch sind, übernimmt Stefan die Administration. Über die Sprachbarriere macht sich Niklaus Signer keine Sorgen: «Irgendwie können wir uns immer unterhalten.» Er möchte ein Angebot haben, das sich jeder leisten kann. Aber nicht nur Leute, die aufs Geld achten, kommen vorbei: «Wir hatten auch schon Autos mit Diplomatennummer vor unserem Stall.» Bereits bevor die Strohbetten über das Internet buchbar waren, reisten Gäste aus Asien, Kanada und ganz Europa an. Obwohl sich die Anzahl Gäste dank Airbnb vermehrt habe, sei die Onlineplattform nicht ohne Tücken, sagt Stefan. «Wir mussten lernen, mit der Plattform richtig umzugehen. Zum Beispiel gibt es keine Kinderpreise auf Airbnb. Auch mussten wir ganz klar formulieren, für wen unser Angebot gedacht ist.»

Hinweis

Informationen zum Angebot der Familie Signer unter: www.erlebnis-auen.ch