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Der Ökonom Peter Eisenhut zum Tiefzinsumfeld: «Was wir gegenwärtig erleben, ist historisch einmalig»

Geld ist in Zeiten mit Negativzinsen billig wie noch nie. Peter Eisenhut von
der St.Galler Ecopol AG erklärt, welche Auswirkungen und Gefahren dies hat.
Jesko Calderara
Peter Eisenhut ist Teilhaber der Ecopol AG.Bild: PD

Peter Eisenhut ist Teilhaber der Ecopol AG.Bild: PD

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat eine zehnjährige Anleihe mit null Prozent Zins platziert. Das widerspricht jeder ökonomischen Lehrbuchmeinung.

Peter Eisenhut: Es ist eine verrückte Welt, in der die Zinswelt kopfsteht. In der Schweiz rentieren aktuell alle Staatsanleihen negativ, selbst für Obligationen mit 50 Jahre Laufzeit zahlen Anleger drauf. Der Staat macht Schulden und bekommt dafür Zins und wer diese Schulden finanziert, bezahlt Zins.

Hat es in der Geschichte jemals ein solches Zinsumfeld gegeben?

Was wir gegenwärtig erleben, ist historisch einmalig. Die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken als Antwort auf die Finanzkrise 2008 ist ein riesiges globales Experiment zur Belebung der Wirtschaft. Die Gefahr, dass dieses misslingt, ist relativ gross.

Wird die Rechnung für die Käufer der Nullzinsanleihe aufgehen? Investoren gelten eigentlich als rationale Zeitgenossen und tendieren nicht zum Harakiri. Warum also kauft jemand Anleihen mit negativen Renditen? Der Anleger schaut nicht nur auf die Zinsen, sondern auch auf den Kurs der Obligationen: Fallen die Zinsen weiter, steigen die Kurse. Anleger hoffen also auf tiefere Zinsen und vertrauen darauf, dass sie noch einen «Dummen» finden, der ihnen einen noch höheren Preis bezahlt.

Gibt es noch weitere Gründe?

In schwierigen Zeiten versucht man, sein Geld in «sichere Häfen» zu bringen. Der Staat geniesst grosses Vertrauen, bei ihm kann damit gerechnet werden, dass man sein Geld wieder zurückbekommt. Anlagen sind zudem auch immer eine Frage der Alternativen. Das Risiko bei Aktien und Immobilien ist gestiegen und selbst für das Liegenlassen des Geldes auf dem Bankkonto werden zusehends Zinsen verlangt. Zumindest kurz- und mittelfristig kann die Rechnung also aufgehen.

Drohen nicht hohe Kursverluste, wenn die Zinsen wieder steigen?

Ja, das ist so. Aber der Spuk der Negativzinsen in der Schweiz dauert nun schon seit 2015 an und der Glaube an eine baldige Normalisierung ist verschwunden. Zu gross sind die Sorgen um die Weltkonjunktur. Alle Sig­nale deuten darauf hin, dass die Zinsen in den nächsten Monaten extrem tief bleiben werden. Die öffentliche Hand kann sich zurzeit gratis verschulden. Müsste sie da mehr investieren? Die Kapitalkosten sind nicht die «matchentscheidende» Frage für staatliche Investitionen, sondern vielmehr, ob und wo man einen Investitionsbedarf hat. Stehen Investitionen an, die in Zukunft eine höhere volkswirtschaftliche Wertschöpfung versprechen, kann es durchaus sinnvoll sein, die Gunst der Stunde zu nutzen.

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