Was «läuft» durchs Dorf?

Brosmete

Esther Ferrari
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Meine erste Brosmete nach der Sommerpause! Während Wochen hätte ich Zeit gehabt, eine zu schreiben. Aber nein! Es muss wieder einmal im letzten Moment geschehen. Unter Druck geht fast alles besser! Dabei habe ich die ganze Zeit nach möglichen Themen gesucht, wartete, ob nicht irgendeine «Sau durchs Dorf läuft», wie man früher sagte. Aber Sauen laufen nicht mehr durchs Dorf, wenn schon werden sie gefahren, und auch das nur noch ausnahmsweise, mit einem «Suuewage» beim Öberefahre, sonst in einem Laster oder Anhänger. Und nur noch selten hört man ein Schwein aus einem Stall quietschen. Viel eher findet man Stücke vom Schwein schön präsentiert und mariniert als Grillangebot. Kühe laufen im Appenzellerland schon eher durchs Dorf. Um diese zu sehen, stehen dank Informationen von diversen Tourismusbüros Scharen von Zuschauern am Strassenrand. Eben noch sind sie auf die Alp gezogen, und schon fahren die Sennen mit ihrem Vieh wieder talwärts. Wenn da nicht einem die Wehmut befällt.

Es wird Herbst, «s herbstelet». Kann man dieses Wort in Schriftdeutsch mit einem Verb ausdrücken «es herbstelet», oder gar konjugieren «ich herbstele»? Stimmt nachdenklich! Die Zeit eilt! Es sind erst wenige Wochen her, als an einem frühen Morgen eine Kuh «par tout» Weisswein aus einem Glas trinken wollte, den ich für die Sennen bereithielt. Die Zunge hatte sie schon ausgestreckt und das Glas umgestossen. Sie wollte sicher auch einmal auf anständige Art ihren Durst löschen. Kühe sind neugierig. Vor ein paar Tagen haben drei aus einer Alpfahrt die Kuh-Attrappe bei der Käserei in Urnäsch begrüsst. Sie rochen von Kopf bis Schwanz an dieser lebensgrossen Plastikkuh. Sie wollten nicht begreifen, dass diese auf ihre Annäherung nicht reagierte. Leider hatte ich den Fotoapparat nicht bei mir. Kein Problem, wurde mir gesagt. Dieses Schauspiel wiederhole sich fast bei jeder Kuh, die vorbeigehe. «Es gibt Kühe, die fangen regelrecht an zu spinnen», meinte ein Bauernmädchen. Und wie reagieren die Stiere? Das ist ungewiss. Es «laufen» nicht mehr viele durchs Dorf!

Esther Ferrari