Was Hockeyspieler jeweils meinen

Brosmete

Lukas Pfiffner
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Am vergangenen Wochenende hat ein Berner Eishockeyspieler nach einer Niederlage einen Stürmer Luganos als «behinderten Viertlinienspieler» bezeichnet. Journalisten haben zugehört und sein Zitat verbreitet. Da ist nun wichtig zu wissen, dass Hockeyspieler ligaunabhängig dazu neigen, etwas zu sagen, obwohl sie ganz Anderes denken. Ein paar Beispiele?

Dies gesagt: «Wer die Tore schiesst, spielt überhaupt keine Rolle.» Das gedacht: «Wichtig ist nur meine persönliche Bilanz.» Dies gesagt: «Ich finde es gut, wenn andere Spieler viel Eiszeit bekommen.» Das gedacht: «Die Jungen sollen schon froh sein, wenn sie meinen Getränkebidon in die Kabine tragen dürfen.» Dies gesagt: «Ein solcher Fehler kann passieren; unser Torhüter hat schon viele tolle Spiele ge­liefert.» Das gedacht: «Warum strenge ich mich überhaupt an? Mit einem solchen Goalie haben wir keine Chance.»

Dies gesagt: «Ich lese nie, was über mich geschrieben wird.» Das gedacht: «Wenn der weiter derartigen Mist schreibt, rede ich nicht mehr mit ihm.» Dies gesagt: «Wir sind absolut selbst schuld, nicht die Schiedsrichter.» Das gedacht: «Mit solchen Pfeifen als Schiris können wir uns lange Mühe geben.» Dies gesagt: «Der Trainer ist nicht der Grund für unsere Niederlagen; wir Spieler stehen ja auf dem Eis.» Das gedacht: «Ich werde nächstes Mal gar nicht mehr auf den Trainer hören.» Dies gesagt: «Wir haben allen Respekt vor dem nächsten Gegner.» Das gedacht: «Das kommende Spiel gewinnen wir mit halber Kraft.»

Zurück zum Eishockeyakteur aus Bern. Positiv ist, dass er sich auf der Website des Vereins entschuldigt hat. Was er wohl wirklich gemeint hat? Vielleicht: «Ich bewundere diesen Spieler aus Lugano; er bewegt sich in jeder Hinsicht auf höchstem Niveau.» Oder: «Ich freue mich darauf, mit ihm in der Nationalmannschaft zu spielen.»

Lukas Pfiffner