Was heisst hier Skizze?

Erstmals mit 64 Jahren begann Hans Arp, kleine Bücher mit Zeichnungen zu füllen. Das Kunstmuseum Appenzell zeigt sie und deutet Bezüge zum übrigen Werk an.

Ueli Abt
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Wenn nicht Vorstudie, was war die Skizze für Hans Arp – hier in einer Aufnahme von 1957 – sonst? (Bild: pd)

Wenn nicht Vorstudie, was war die Skizze für Hans Arp – hier in einer Aufnahme von 1957 – sonst? (Bild: pd)

APPENZELL. Landläufig meint man mit dem Begriff «Skizze», dass etwas entworfen oder zeichnerisch vorbereitet wird. Auf die kleinformatigen Zeichnungen von Hans Arp, Dada-Mitbegründer und Erschaffer monumentaler Skulpturen, scheint diese Umschreibung nur vereinzelt zu passen.

Wie mochte wohl der Künstler selbst jene handlichen Hefte und Spiralblöcke genannt haben, die er hinterliess? Gemäss Kurator Roland Scotti ist dies nicht überliefert. Fest steht aber, dass die frühesten Zeichnungen, welche die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Appenzell der Einfachheit halber Skizzen nennt, aus dem Jahr 1950 stammen. Damals war Arp 64 Jahre alt und ein arrivierter, international erfolgreicher Künstler. Scotti, der zusammen mit Rainer Hüben kuratierte, sieht Arps zeichnerische Notizen oder «Formfindungen» teils als Ausdruck der Selbstbefragung – es finden sich mehrere Selbstporträts – teils als Befragung seiner eigenen Kunst: Mutmasslich zeigt manches Blatt ein bereits viel früher fertig gestelltes Werk.

Offensichtlich ist der Zusammenhang einzelner Skizzenbücher zu den Reisen in die USA und nach Mexiko. Dort setzte sich Arp mit präkolumbianischer Kunst auseinander. Dabei ging es aber nicht um eine Suche. «Arp entdeckte in den Dingen, was ihn schon lange beschäftigte», so Scotti.

Nebst den nebeneinander präsentierten Prints der Heftblätter sind in der Ausstellung rund 60 weitere Werke zu sehen – unter anderem Skulpturen, Reliefs und Holzschnitte. Diese stehen in unmittelbarem oder assoziativem Zusammenhang zu den Skizzen – was zu eigenen Entdeckungen anregt.

So, wie die Schau mehr Fragen aufwerfen will, als solche zu beantworten, kann auch ein Zitat des Künstlers Besucher zu Spekulationen anregen. Arp erinnert sich an eine Erfahrung in jungen Jahren als abstrakter Maler: «Meine Leinwände, das Resultat monatelanger, qualvoller Arbeit, waren mit einem Netz wunderlicher Schriften, Runen, Linien Flecken bedeckt. Die Kollegen schüttelten den Kopf und hielten sie für verunglückte Skizzen.»

Hans Arp – Skizzenbücher: Vom 19. Oktober bis 8. März 2015.

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