Was heisst da «im Appizäll»?

Mit Sprachveränderungen müssen wir lernen zu leben. Mich stört es zwar, wenn Ausserkantonale vom «Appenzell» reden, und damit das ganze Appenzellerland meinen.

Esther Ferrari
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Bild: Esther Ferrari

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Mit Sprachveränderungen müssen wir lernen zu leben. Mich stört es zwar, wenn Ausserkantonale vom «Appenzell» reden, und damit das ganze Appenzellerland meinen. «Das Appenzell» ist eine neue Sprachschöpfung und gab es früher nicht! Es gibt Appenzell, den Hauptort von Innerrhoden, es gibt das Appenzellische, damit sind Charaktereigenschaften, Land, Leute, Kultur und Brauchtum gemeint. und es gibt – das weiss sicher jedes Kind – das Appenzellerland mit den beiden Halbkantonen Inner-und Ausserrhoden, das ganz vom Kanton St. Gallen umgeben ist. Kürzlich amüsierte ich mich über ein kurzes Gespräch, das ich den Brosmete-Lesern nicht vorenthalten möchte. Seit Jahren schreibe ich für die Zeitschrift «St. Galler Bauer». Den «Sanggaller Puur» gibt es seit bald 100 Jahren. Während Generationen war er nebst dem Appenzeller Kalender das meistgelesene Heft in Bauernkreisen. Auch heute erfreut er sich mit 11 000 Abonnenten grosser Beliebtheit. Er erscheint wöchentlich, ist das offizielle Organ des St. Galler Bauernverbandes und des Landwirtschaftlichen Kantonalvereins Appenzell Ausserrhoden. Der «Sanggaller Puur» bringt, mit Mithilfe von rund 30 Korrespondenten und Korrespondentinnen, aktuelle landwirtschaftliche sowie soziale Themen für die bäuerliche und für eine nichtbäuerliche Leserschaft. Ich hatte eben ein Porträt geschrieben, es stand am Freitag im Heft und genau an jenem Freitag traf ich zufällig den Porträtierten in Herisau auf der Strasse. Ob er sich schon gesehen habe? Nein, noch nicht, aber er sei neugierig. Um ihm eine Freude zu machen, rannte ich schnell zum Kiosk und verlangte den neuen «St. Galler Bauer». Die Verkäuferin brachte mir den «Schweizer Bauern». Das sei nicht der richtige, sagte ich. Eine andere Bauernzeitung gebe es nicht, antwortete sie, schaute auf mein Drängen aber nochmals im Regal nach. Sie bedauerte, mir nicht helfen zu können, meinte aber äusserst liebenswürdig: «Sie müssen wohl in die Stadt fahren. Da finden Sie vielleicht das Gesuchte. Wissen Sie, <mir sind do im Appizäll und nid z Sanggalle>».