Was hab’ ich falsch gemacht?

Sonntagsgedanken

Andreas Spöcker
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Immer wieder geraten Menschen in eine konflikthafte Situation, die mit einer Lappalie beginnt, jedoch dann mit der Zeit immer komplexer und unübersichtlicher wird. Nach einigen Monaten wissen die Beteiligten dann nicht mehr, was den Konflikt ausgelöst hat. Jesus möchte die Liebe und das Wesen Gottes, seines Vaters, in dieser Welt aufleuchten lassen. Er findet Zugang zu den Menschen, inspiriert sie, heilt sie von Krankheiten und wirkt Wunder. Er irritiert sie jedoch auch, stösst sie vor den Kopf, stellt ihnen unangenehme Fragen und rückt ihre bestehenden Meinungen und Ansichten unbequem zurecht. Jesus spürt mit der Zeit, dass er nicht nur Anhänger hat, sondern auch Menschen auf den Plan ruft, die ihm entgegenarbeiten, denen er «die Show» stiehlt und die er mit ihren oberflächlichen und angepassten Meinungen im Schatten stehen lässt. Schliesslich formiert sich der Widerstand gegen ihn so sehr, dass das Drama um seine Verhaftung und Verurteilung seinen Lauf nimmt und erst mal mit dem Tod am Kreuz endet. Jesus wollte den Auftrag Gottes erfüllen. Bei der Kreuzigung wussten die Beteiligten wohl nicht mehr, was Jesus im Einzelnen getan oder nicht getan hat, dass es zu diesem fürchterlichen Tod gekommen ist.

Jesus hat sich am Kreuz nicht gefragt, was er falsch gemacht hat, dass er von allen verspottet und verachtet wurde. Hätte er einfach netter, lieber und angepasster sein sollen? Ich glaube, dann hätte Jesus als anonymer Zimmermann gelebt und wäre irgendwann als alter Greis gestorben. Mir gibt der Gedanke Kraft, dass wir dem Auftrag, den wir in unserem Leben erfüllen sollen, treu bleiben. Auch wenn uns menschliche Widrigkeiten entgegenwehen. Wir sollten die Erforschung der Ursachen immer auch einem grösseren Ganzen, Gott, hinhalten. Leben können wir nur nach vorne und fragen: «Was lerne ich aus der Situation?» Meist lassen sich die tatsächlichen Ursachen nicht mehr herausfinden.

(Gott) Du liebst alles, was ist … denn hättest Du etwas gehasst, so hättest Du es nicht geschaffen (Weisheit 11). Als göttliche Wesen dürfen wir uns in der grössten Not von dieser Zusage erfüllen lassen, statt uns mit Schuldfragen zu quälen.

Andreas Spöcker

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