Was 2017 im Appenzellerland geschieht

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Januar

Das Jahr beginnt mit einem ungewöhnlichen Schauspiel der Natur. Im Appenzellerland fällt Schnee. Das bringt die Bauämter von Kanton und Gemeinden nahezu an ihre Grenzen. Niemand hat mehr mit der weissen Pracht gerechnet.

 

Das Appenzeller Vorderland wird von Frauen überrannt. Es sind nicht die FDP-Frauen, welche sich im Vorderland vor einer Regierungsratskandidatur verstecken, sondern es sind Frauen, die durch das Projekt «Gesundheitsregion Vorderland» in Scharen angelockt wurden. Insbesondere die Ernährungsberatung der Bärli-Metzg ist gefragt.

Urnäschs Autorin und Journalistin Esther Ferrari kann sich vor Anfragen zu ihrem neuen Buch «Wälti wird Silvesterchlaus» kaum noch retten. Man munkelt gar, dass sich die vielen Touristen am 13. Januar nicht wegen der Silvesterchläuse, sondern wegen des Schriftwerks nach Urnäsch begeben. Ob des Erfolges sagt Ferrari, dass sie im Frühling einen Fortsetzungsband plane. Damit wolle sie hauptsächlich den Teufner Markt erobern, lässt sie sich entlocken.

Februar

Die Ausserrhoder Regierung lanciert eine eigene Zeitung, den «Appenzeller Behördenfreund». «Wir wissen nicht nur, wie man erfolgreich einen Kanton führt und mit dem Volk kommuniziert, sondern auch, wie man Qualitätsjournalismus macht», schreibt Landammann Matthias Weishaupt im Editorial. Als Chefredaktor amtet con­t­re cœur aber auf Drängen seiner Partei Regierungsrat Paul Signer.

 

Bei den Ersatzwahlen für den Ausserrhoder Regierungsrat kommt es zur grossen Überraschung. Nicht einer der offiziellen Kandidaten macht das Rennen, sondern Sabrina Schafflötzel von der Parteiische Narre- gmend Osserrhode (PNO).

Die gescheiterten Kandidaten und die Kandidatin gratulieren der neu gewählten Regierungsrätin eifrig. Sie überreichen der Siegerin Gratulationskärtchen, gemalt von Lilly Langenegger. Die «Heile-Welt»-Zeichnungen von Langenegger würden am besten zur Situation passen, ist sich das Trio einig.

Während Sabrina Schafflötzel ihren Wahlerfolg feiert, reicht der Trogner Samuel Büechi eine Wahlbeschwerde ein. Seine Begründung: Er habe die Narre- gmend erfunden, die Partei dürfe sich deshalb nicht so nennen.

 

Bildungsdirektor Alfred Stricker wechselt das Departement. Er übernimmt von der scheidenden Regierungsrätin Marianne Koller das Departement Bau und Volkswirtschaft. Seine Begründung: Als ehemaliger Landwirt würde er sehr gerne das Landwirtschaftsamt in seinem Bereich wissen. Für die neu gewählte Regierungsrätin Sabrina Schafflötzel bleibt das Departement Bildung übrig.

 

Die Urnäscher Blochgesellschaft bekommt kurzerhand einen neuen Präsidenten serviert. Weil der bisherige Präsident Hans Frick als OK-Präsident mit der 600-Jahr-Urnäsch-Feier sehr fest ausgelastet sei, übernehme vorübergehend der ehemalige Gemeindepräsident Franz Sandholzer. Unter der Bedingung, dass der vorübergehende Präsident in Bälde dem früheren Vorsteher wieder Platz mache, stimmt die Blochgesellschaft dem Antrag zu.

An der Ski-WM in St. Moritz sind die Appenzellerinnen und Appenzeller ausschliesslich auf der Tribüne anzutreffen – ausser der Oberegger Marc Bischofberger. Der Ski-Crossfahrer wird über Nacht zum Slalomspezialisten umfunktioniert. Swiss-Ski begründet den Entscheid damit, dass Bischofberger auch mit den Stangen statt mit mitfahrender Konkurrenz kämpfen könne.

März

Einige Ausserrhoder Kantonsrätinnen fordern, dass die Appenzeller Zeitung fortan sämtliche Voten der weiblichen Parlamentarierinnen im Wortlaut wiedergibt. Die Appenzeller Zeitung willigt nicht ein. Sie nennt sich dafür ab sofort «Appenzellerinnen und Appenzeller Zeitung».

Die Hallenbad-Vorlage der Landsgemeinde sorgt schon Wochen vor der Landsgemeinde für Gesprächsstoff. Nebst den beiden Vorlagen bringt die SP AI eine dritte Variante ins Spiel: eine mit Kongresszimmern. Solche benötige die SP zwingend für ihre teilnehmerreichen Parteisitzungen.

Die neue Bildungsdirektorin Sabrina Schafflötzel weist erste Erfolge vor: Sie hat für die Kantonsschule einen neuen Rektor verpflichtet. Es ist der Herisauer Bassist Dani Ziegler. Nach dem Aus der Sendung Giacobbo/Müller kommt diesem ein neues Engagement gerade recht. Warum die Auswahl auf ihn fiel: Er hat als Musiklehrer der Bundeshausband überzeugt und sich dort auch gegen ganz kritische Schüler durchgesetzt.

April

Buchautorin und Journalistin Esther Ferrari lässt Taten folgen. Ihr neustes Buchwerk: «Walti wird Millionär». Die Nachfrage nach diesem Buch ist wie erwartet in Teufen sehr hoch. Die Zeichnungen dazu liefert Gret Zellweger.

 

Schon jetzt wirft das Biedermeier-Fest 2018 seine Schatten voraus. Die FDP-Heiden stellt an der Hauptversammlung des Vereins Biedermeier-Fest Heiden dem OK-Präsidenten Alexander Rohner einen Kandidaten gegenüber. Einen SVP-Politiker wolle man nicht an der Spitze des OKs wissen.

 

An der Landsgemeinde sagt Appenzell Innerrhoden Ja zu einem neuen Hallenbad. Dabei hat die Vorlage der SP AI keine Chance. Die SP werde ihre Parteiversammlungen nun weiterhin im Warteraum beim Bahnhof abhalten. Wenn die Mitglieder etwas zusammenrückten, würden durchaus alle darin Platz finden, so die Parteileitung direkt nach der Ablehnung des Antrags.

Mai

Spektakulärer Ämtertausch in Herisau: Renzo Andreani tritt als Herisauer Gemeindepräsident ab und übernimmt den Gastrobetrieb von seinem Nachfolger Ralf Menet. Das Restaurant tauft er «Zum Runden Tisch» um. Es ist fortan ein Treffpunkt für Liebhaber der gehobenen Diskussionskultur.

Juni

Das Bauvorhaben für ein neues Urnäscher Gemeindehaus wird konkret. Von einer ursprünglich angestrebten Tiefgarage blickt der Gemeinderat aber ab. Das nötige Geld dazu hätte man für die Regierungsratsfeier von Dölf Biasotto auf die Seite gelegt. Falls die Abstimmungsbeschwerde von Samuel Büechi gutgeheissen werde, so gäbe es ja erneute Wahlen.

Juli

Ständeratspräsident Ivo Bischofberger, seines Zeichen Ehrenmitglied des Appenzellischen Turnverbands, setzt sich für die sportliche Ertüchtigung ein. Zusammen mit dem ebenfalls turnenden Nationalratspräsidenten Jürg Stahl und Bundespräsidentin Doris Leuthard führt er im Bundeshaus das Frühturnen ein. Nationalrat David Zuberbühler schreibt sich als erster für eine Teilnahme ein. Er wolle zwar ein politisches, aber kein körperliches Schwergewicht sein, so Zubi.

August

Kantonsratspräsident und Regierungsratskandidat Peter Gut tritt nach seinem Amtsjahr als Ratspräsident längere Erholungsferien an. Es gibt nur wenige Bilder davon. Die wenigen, die herumgereicht werden, zeigen Peter Gut vor einer Stallwand.

Bundesrat Ueli Maurer stattet dem Appenzellerland einen Besuch ab. Diesen verbindet er mit einem Aufenthalt am Schwägalp-Schwinget. Zuvor gratuliert er Parteikollegin Inge Schmid zur weiteren Tätigkeit als Gemeindepräsidentin von Bühler.

September

Nach dem Rücktritt eines Gemeinderates auf Ende Mai kann Hundwils Gemeindepräsidentin die Aufhebung der Vakanz bekannt geben. Norbert Näf, der ehemalige Gemeindepräsident von Heiden, verspüre nach seinem Rücktritt aus dem Kantonsrat wieder Lust auf Politik und wolle sein Wissen in Hundwil einbringen.

Oktober

Der Widerstand gegen die angestrebte Windanlage auf dem St. Anton nimmt zu. Die Gegner planen eine Demonstration gegen das Vorhaben. Dazu holen sie sich Rat bei den Mitarbeitenden des Spitals Heiden und bei den Gegnern des Asylzentrums in Walzenhausen.

 

Klammheimlich tauschen Alexandra Horvath, Gefängnisdirektorin von Gmünden, und Christiane Roth, VR-Präsidentin des Spitalverbunds, ihre Jobs. Horvath verleidet es, dass ihr alle paar Tage ein Gefangener aus Gmünden abhaut, Roth hat genug von Mitarbeitenden, die auf die Strasse gehen.

November

Die Wahlbeschwerde von Samuel Büechi gegen den Ausgang der Regierungsratswahlen wird abgelehnt. Man habe bewusst ein schnelles Verfahren gewählt, um diese Unsicherheit rasch aus der Welt zu schaffen, erklärt der Regierungsrat.

Dezember

In Walzenhausen kommt der «Sonneblick» als Durchgangszentrum für Asylanten nicht in Gang. Mit Einsprachen wird die Eröffnung verhindert. Auch das Hotel Walzenhausen steht immer noch leer. Die Bevölkerung hatte sich vom Durchgangszentrum viel versprochen, deshalb plädiert sie jetzt für eine Umfunktionierung des Hotels Walzenhausen: Dort soll ein Durchgangszentrum für 250 Personen und 30 Jahre eingerichtet werden. Das schreckt den Gemeindepräsidenten auf. Entgegen seinen Gewohnheiten will Hansruedi Bänziger dazu öffentlich kommunizieren. Er beruft sogar eine Pressekonferenz ein.

Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt wird von den überraschenden Entwicklungen in Walzenhausen und rund um die Präsidentin des Spitalverbunds überrollt. Er weiss nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Deshalb holt Weishaupt Hans Saxer zurück, der als «Mann für alle Fälle» vor Jahresfrist in Pension ging. Der mit Unwettern aller Art erprobte Hans Saxer wird Matthias Weishaupts persönlicher Krisenmanager. (red)