Telekommunikation
Schnelles Internet für alle: Warum Ausserrhoden beim Ausbau des Glasfasernetzes einen Spitzenplatz einnimmt

Die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG haben in den letzten zehn Jahren viel Geld in den Ausbau von schnellen Internetverbindungen investiert. Um die Abdeckung weiter zu verbessern, gibt es eine Hürde.

Jesko Calderara
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Fast 80 Prozent der Haushalte in Ausserrhoden haben bereits einen Glasfaseranschluss.

Fast 80 Prozent der Haushalte in Ausserrhoden haben bereits einen Glasfaseranschluss.

Bild: KEYSTONE / PRESSCARLO REGUZZI

Gerade in Zeiten von Homeoffice sind viele Firmen, Gewerbebetriebe und Arbeitnehmer auf schnelles Internet angewiesen. Vordergründig könnte man meinen, dass ländliche Gebiete wie das Appenzellerland diesbezüglich im Nachteil sind. Dies ist aber nicht der Fall, wie ein schweizweiter Vergleich zeigt. Demnach belegen die beiden Appenzeller Kantone beim Ausbau des Glasfasernetzes einen Spitzenplatz. Sie stehen gar besser da als beispielsweise der Wirtschaftskanton Zürich. Gemäss der Statistik des Bundesamts für Kommunikation betrug 2020 die Durchdringung mit der sogenannten Fiber-to-Home (FTTH)-Technologie in Appenzell Ausserrhoden 78,34 Prozent. Dies bedeutet: fast 80 Prozent der Haushalte im Kanton haben bereits einen Glasfaseranschluss. Nur Basel Stadt steht mit 80,6 Prozent besser da. Appenzell Innerrhoden folgt in dieser Rangliste mit 42,86 Prozent auf dem siebten Platz.

Die gute Klassierung der Appenzeller Kantone hänge massgeblich mit den Anstrengungen der St.Gallischen-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) in den letzten zehn Jahren zusammen, sagte Thomas Schwarz, Manager FTTH bei der SAK, an einer Online-Medienorientierung zu diesem Thema. Schwarz betonte:

«Wir haben im Appenzellerland einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Glasfasererschliessung investiert.»

Die SAK kooperiert mit der Swisscom

Die SAK ist vor allem in jenen Gemeinden tätig, die zu ihrem Versorgungsgebiet für Strom, Wärme und Internet gehören. Ein SAK-Glasfasernetz gibt es somit in Bühler, Teufen, Heiden, Trogen, Gais, Waldstatt, Herisau, Stein, Rehetobel, Speicher, Hundwil, Wald, Lutzenberg und Schwellbrunn. In den Gemeinden Heiden und Walzenhausen erfolgte der Ausbau als Partner der örtlichen Versorgungsunternehmen. In Ausserrhoden haben insgesamt 21'000 Nutzereinheiten einen FTTH-Anschluss der SAK. Dazu zählen unter anderem Wohnungen, Büros, Praxen und Geschäfte.

Ein immer dichteres Glasfasernetz gibt es auch in Appenzell Innerrhoden. Weil einige Gebiete nicht gut erschlossen sind, haben die Stimmberechtigten im Mai einen Kredit zum flächendeckenden Ausbau genehmigt. Dafür spannt der Kanton mit der Swisscom zusammen und investiert zwei Millionen Franken. An diesem Projekt ist die SAK nicht beteiligt. Ihr Netz befindet sich in den Bezirken Appenzell, Gonten und Schlatt-Haslen. Die SAK betreibt ein sogenanntes Open Access Netz, was bedeutet, dass auch andere Provider ihre Dienste anbieten können. So bestehen in zahlreichen Gemeinden mit der Swisscom langjährige Verträge zur gegenseitigen Nutzung des Netzes.

Teurere Erschliessung ausserhalb der Bauzonen

Trotz der hohen Abdeckung sieht Schwarz für sein Unternehmen im Appenzellerland noch Potenzial. Als Beispiel erwähnt er ländliche Gebiete ausserhalb der Bauzonen. Weil es dort aber bei einem hohen Aufwand verhältnismässig wenige Nutzer gibt, stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Gemäss Schwarz gibt es in solchen Fällen grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder die Gemeinde übernimmt die Mehrkosten, die in den nicht erschlossenen Bauzonen anfallen. Dies wurde beispielsweise in Innerrhoden und in Teufen beschlossen. In der Mittelländer Gemeinde haben die Stimmberechtigten einen Kredit von 2,3 Millionen Franken genehmigt, um im gesamten Gemeindegebiet schnelle Internetverbindungen zu ermöglichen. Es gibt noch eine zweite Lösung. «Die SAK übernimmt die Basiskosten für Grundeigentümer, die von besseren Anschlüssen profitieren und die Mehrkosten tragen wollen», sagt Schwarz.