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Warten auf die Zöllner und ein vegetarisches Dinner

Nach zwei Tagen Fahrt auf dem Tanganjikasee ist die 100jährige «Liemba» schon fast an ihrem Ziel. Bei Kasanga an der sambischen Grenze wird ihr Fahrplan durch die Dienstzeiten der Zollbehörden nochmals durcheinandergebracht.
Michael Hug

Nach zwei Tagen Fahrt auf dem Tanganjikasee ist die 100jährige «Liemba» schon fast an ihrem Ziel. Bei Kasanga an der sambischen Grenze wird ihr Fahrplan durch die Dienstzeiten der Zollbehörden nochmals durcheinandergebracht.

Es war vorauszusehen: Weil der Fahrplan der «MV Liemba» durch die verspätete Abfahrt gehörig durcheinandergeraten ist, stimmt auch bei der Ankunft nichts mehr überein. Yussuf, der zweite Offizier, Kapitän Titus und die ganze Mannschaft haben es natürlich längst gewusst. Für uns drei «Mzungu» («Bleichgesichter») bedeutet die Nachricht, dass das Schiff an der Grenze zu Sambia die Nacht im Hafen verbringen muss, erst mal ein kleiner Schock. Doch der erzwungene Aufenthalt hat auch sein Gutes: Für die Unterkunft ist nämlich gesorgt. Würden wir weiterfahren, müssten wir aussteigen und uns mitten in der Nacht ein Hotel suchen. In Mpulungu, dem kleinen Hafenort drüben in Sambia, sind Hotels dünn bis gar nicht gesät.

«No service» am Zoll

Der Grund, warum die «Liemba» die Grenze nicht überfahren kann, ist ganz einfach. Im Hafen von Mpulungu wartet der Zoll. «No Service» heisst es nach Sonnenuntergang. Als die «Liemba» in Kasanga ankommt, ist es schon seit einer halben Stunde dunkel. Ich entschliesse mich, das Schiff zu verlassen, obwohl mein Ticket bis Mpulungu gültig wäre. Nach drei Tagen «Chicken/Rice» und «Beef/Ugali» (oder übers Kreuz) sehe ich die Chance auf eine Abwechslung im Menüplan.

Nach drei Nächten im Kajütenbett und hitzigen Palavern nachts auf den Korridoren reizt mich die Vorstellung einer ruhigen Nacht. Nachdem ich unter Beizug von Yussuf das weitere Vorgehen organisiert habe, schliessen sich auch die beiden anderen «Mzungu», Shira und Eddy, meinem Landausflug an.

Mit Getöse über 150 Meter

Kasanga ist der südlichste Ort am tansanischen Ufer des Lake Tanganjika. Ein Nest, das seine Bedeutung dadurch erlangt hat, dass die «Liemba» seit Jahren hier anlegt. Sieben Kilometer weiter südlich befindet sich die Grenze, gebildet wird sie durch den Fluss Kalambo, der mit Getöse über eine 150 Meter hohe Klippe in den Tanganjikasee fällt. Die Berge um den See sind auf der tansanischen Seite bis 1500 Meter hoch, auf der kongolesischen Seite reichen sie sogar auf 3000 Meter. Der See selbst liegt auf 792 Metern über Meer und ist bis zu 1500 Meter tief – der zweittiefste See der Erde. Der tiefste Punkt des Sees liegt also tiefer als die Meeresoberfläche rund um Afrika. Das Seebecken wurde vor rund 20 Millionen Jahren gebildet, als der Ostafrikanische Graben entstand. Dieser wiederum ist Teil des Grossen Afrikanischen Grabenbruchs, der ein «Y» bildet und über 6000 Kilometer von Mosambik im Süden bis nach Jordanien im Norden reicht. Die einstigen Aktivitäten der Erdkruste haben die höchsten Berge (Kilimandscharo, Mount Kenia) und tiefsten Seen (Malawisee, Tanganjikasee) Afrikas entstehen lassen.

Nächtlicher Höllenritt

Oscar heisst der Besitzer der «Liemba Beach Lodge» bei Kasanga. Der umtriebige Gastgeber, Führer, Zierfischhändler und Fischer kommt im Boot über die Bucht gebraust. Im nächtlichen Höllenritt bei Vollmond bringt er uns in seine Lodge, und es dauert keine Stunde, steht ein (fast) kompletter Znacht auf dem Tisch. Fast, denn es gibt kein Fleisch oder Fisch, denn Oscar hat nicht mit Gästen gerechnet. Einen Kühlschrank besässe er zwar schon, meint er, doch es gäbe derzeit nur für zwei, drei Stunden Strom am Abend. Später finde ich heraus, dass die Lodge gar nicht am Stromnetz angeschlossen ist und Oscar seinen Strom mit einem Dieselgenerator selbst erzeugt. Da derzeit die Auslastung seiner Lodge nicht gerade Freude macht, muss der Besitzer Kosten sparen, also auch Diesel. Das vegetarische Dinner bei Kerzenlicht schmeckt dennoch vorzüglich. Es gibt Reis, Salate, auf Holzkohle gebratenes Gemüse und gebratene Bananen. Dazu frische Ananas und Mango, hier als «anasli» und «embe« bezeichnet, und leidlich gekühltes «Safari», tansanisches Bier.

Oscar und Yussuf, der sich gleich selbst zum Abendessen einlädt, sprechen recht gut Englisch.

Viele Mücken totgeschlagen

Das ist rund um den See nicht üblich. In Tansania heisst die Amtssprache Swahili (auch Suaheli oder Kiswahili genannt). Sie ist der gemeinsame Nenner der vielen Stämme des Landes, die sich durch ihre Kultur ansonsten recht stark unterscheiden. Entgegen unserer Annahme ist Englisch zwar die Zweitsprache vieler Tansanier, aber sie ist nicht Amtssprache und wird nicht speziell gefördert. Das Schulwesen ist ausserdem nicht obligatorisch und muss von den Eltern finanziert werden.

Was bei weitem nicht jede Familie imstande ist, und so spricht man in ländlichen Gegenden eben die Sprache, die man im Alltag lernt. Das macht die Verständigung zuweilen schwierig und wir erfahren leider vieles nur aus zweitem Mund. An diesem Abend jedoch wird viel geplaudert, viel gegessen, viel getrunken und werden viele Mücken totgeschlagen. Die nächsten Tage werden noch hart genug.

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